Elektronischer Produktdatenaustausch: BMEcat, ARGE und ODC im Überblick

Jens Bröking ·
Drei verbundene Dokumentsymbole in geometrischer Dreiecksanordnung, Datenfluss-Visualisierung in Blau und Grau auf weißem Hintergrund.

Wer im B2B-Handel Produktdaten an Kunden, Marktplätze oder  Beschaffungsplattformen übermitteln möchte, stößt schnell auf eine  Vielzahl von Formaten und Standards. BMEcat, DQR und Open Datacheck  (ODC) gehören dabei zu den am häufigsten genannten Begriffen, werden  aber oft verwechselt oder falsch eingesetzt.

Dieser Artikel erklärt, was hinter diesen Formaten steckt, wie sie technisch funktionieren und wann welches Format sinnvoll ist. Sie lernen außerdem, welche Fehler in der  Praxis häufig auftreten und wie Sie diese Formate in bestehende  Datenprozesse einbinden.

Was sind BMEcat, DQR und Open Data Check?

Bevor Sie mit dem elektronischen Produktdatenaustausch beginnen, ist  es wichtig, zwischen zwei grundlegenden Konzepten zu unterscheiden: Übertragungsformaten und Austauschplattformen. BMEcat ist ein Übertragungsformat, DQR ist eine Datenqualitätsrichtlinie und  Open Data Checkist eine Plattform. Diese drei Dinge erfüllen unterschiedliche  Aufgaben, auch wenn sie im Alltag oft in einem Atemzug genannt werden.

BMEcat

BMEcat ist ein XML-basiertes Standardformat für den elektronischen  Produktdatenaustausch, das vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) entwickelt wurde. Es definiert, wie  Produktinformationen strukturiert und übertragen werden: von  Artikelnummern und Preisen über Logistikdaten bis hin zu technischen  Merkmalen. BMEcat ist branchenübergreifend einsetzbar und bildet die  Grundlage für viele weitere Formate. Klassifikationssysteme wie ECLASS  oder ETIM lassen sich direkt in einen BMEcat-Katalog einbetten.

DQR

Die DQR) ist eine  Datenrichtlinie speziell für die SHK-Branche (Sanitär, Heizung, Klima).  Sie legt fest, welche Produktdaten in welcher Qualität und Struktur  geliefert werden müssen. A

Daten werden nach einem Scoring-Verfahren bewertet, das die  Vollständigkeit und Qualität der gelieferten Informationen misst.

Die DQR wird jedes Jahr in einer neuen Version veröffentlicht.

Open Datacheck (ODC)

Open Datacheck ist eine Austauschplattform und basiert auf einer Interpretation der DQR. Sie wird von Herstellern und Händlern in der SHK- und  Elektrobranche genutzt, um Produktdaten bereitzustellen und zu prüfen.  Für Hersteller ist die Nutzung kostenpflichtig, und die Plattform ist  auf den deutschen Markt beschränkt.

Ähnlich wie bei ARGE (ARGE hat eine eigene Interpretation der DQR) unterliegen die  Daten einem Scoring-Verfahren, das die Datenqualität bewertet. ODC  ähnelt ARGE konzeptionell, ist aber ein eigenständiges System mit  eigenen Anforderungen.

Wie funktionieren diese Formate technisch?

Das Verständnis der technischen Grundlagen hilft Ihnen, die richtigen Entscheidungen bei der Datenvorbereitung zu treffen. Jedes der drei  Systeme hat eine andere technische Logik.

BMEcat: XML-Struktur und Klassifikationseinbettung

Ein BMEcat-Katalog ist eine XML-Datei mit klar definierten Feldern.

Diese Definitionen gibt es in unterschiedlichen Varianten. Das Format war schon von Anfang an so konzipiert, dass eigene Varianten der jeweiligen BMEcat Spezifikation ermöglicht wurden; derzeit sind es ca. 75 verschiedene.

Der Katalog enthält kaufmännische Daten wie Preise und Bestelleinheiten,  Logistikdaten wie Gewicht und Verpackungseinheiten sowie technische  Produktbeschreibungen. Klassifikationen wie ECLASS oder ETIM werden als  strukturierte Merkmalsblöcke innerhalb des Katalogs abgebildet.

Ein  Beispiel: Ein Hersteller von Elektroinstallationsprodukten liefert einen BMEcat 2005 mit ETIM-Klassifikation, in dem jedes Produkt einer  ETIM-Klasse zugeordnet ist und die zugehörigen technischen Merkmale wie  Nennspannung oder Schutzart enthält.

DQR: Richtlinie mit Scoring

Die DQR definiert die  Mindestanforderungen an die Datenqualität.

Jeder gelieferte Datensatz  wird anhand eines Punktesystems bewertet. Produkte, die bestimmte  Pflichtfelder nicht befüllen, erhalten einen niedrigen Score und werden  möglicherweise nicht akzeptiert oder es erfolgen Strafzahlungen.

Open Datacheck: Plattform mit eigenem Regelwerk

Open Datacheck funktioniert ähnlich wie ARGE, ist aber eine  eigenständige Plattform mit eigenen Anforderungen. Daten können als  Excel-Datei(im Falle von ARGE sind es mehrere .csv Dateien) übertragen werden und werden ebenfalls einem Scoring  unterzogen.

Die Plattform richtet sich an Hersteller, die ihre  Produktdaten für den deutschen SHK- und Elektromarkt bereitstellen  möchten.

Wichtig: Open Data Check ist in erster Linie eine Infrastruktur.  Das eigentliche Datenformat, das Sie befüllen, folgt den Vorgaben der  DQR, allerdings in einer eigenen Interpretation.

Welches Format passt zu welchem Anwendungsfall?

Aufbauend auf dem technischen Verständnis aus den vorherigen  Abschnitten können Sie nun gezielt entscheiden, welches Format für Ihren  Anwendungsfall geeignet ist.

Die Wahl hängt von drei Faktoren ab:

  • Ihrer  Zielbranche,
  • Ihrem Zielmarkt und den
  • Anforderungen Ihrer Handelspartner.

Konkret:

  • BMEcat ist die richtige Wahl, wenn Sie  branchenübergreifend Produktdaten austauschen möchten, an  E-Procurement-Systeme angebunden werden sollen oder Marktplätze wie  Mercateo oder nexmart beliefern. BMEcat ist der am weitesten verbreitete Standard im deutschen B2B-Datenaustausch, aber stellen Sie bitte sicher, welchen BMEcat mit welcher Definition jeweils anzuliefern ist.
  • ARGE (BMDG) ist relevant, wenn Sie als Hersteller  oder Händler in der SHK-Branche im DACH-Raum tätig sind und Ihre Daten  über ARGE-zertifizierte Kanäle bereitstellen möchten. Eine  Mitgliedschaft ist Voraussetzung.
  • Open Datacheck eignet sich, wenn Sie Produktdaten  für den deutschen SHK- oder Elektromarkt auf einer zentralen Plattform  bereitstellen möchten, die von Händlern und Großhändlern aktiv genutzt  wird.

Für Unternehmen, die in mehreren Branchen aktiv sind, ist es häufig  notwendig, mehrere Formate parallel zu bedienen. Ein Hersteller von  Elektroinstallationsprodukten kann beispielsweise gleichzeitig  BMEcat-Kataloge für E-Procurement-Kunden und Daten für Open Datacheck  bereitstellen.

Typische Fehler beim Einsatz dieser Formate

In der Praxis treten beim elektronischen Produktdatenaustausch immer  wieder dieselben Fehler auf.

Wer diese kennt, kann sie gezielt  vermeiden.

Fehler 1: Format und Klassifikation verwechseln

Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von BMEcat und  ECLASS oder ETIM. BMEcat ist das Übertragungsformat, ECLASS und ETIM  sind Klassifikationssysteme. Ein BMEcat-Katalog kann ECLASS-Daten  enthalten, aber beides sind separate Konzepte mit unterschiedlichen  Aufgaben. Wer diesen Unterschied nicht versteht, riskiert fehlerhafte  Katalogkonfigurationen.

Fehler 2: Datenqualität unterschätzen

Sowohl ARGE als auch ODC bewerten Daten anhand eines Scorings.  Unternehmen, die nur die technische Struktur erfüllen, aber  Pflichtfelder leer lassen, erhalten schlechte Bewertungen oder werden  abgelehnt.

Vollständige und konsistente Stammdaten sind keine optionale  Ergänzung, sondern eine Grundvoraussetzung.

Fehler 3: Manuelle Aufbereitung für komplexe Formate

Wer Produktdaten manuell in Excel-Tabellen pflegt und daraus  BMEcat-Kataloge oder ARGE-Lieferungen erstellt, erzeugt fehleranfällige  Prozesse.

Bei größeren Produktportfolios führt das zu Inkonsistenzen,  Versionskonflikten und erheblichem Zeitaufwand.

Die zentrale Datenpflege in einem PIM-System, kombiniert mit einer Datensyndikationslösung, z. b. ecatDesigner,  reduziert diesen Aufwand erheblich.

Formate in bestehende Datenprozesse integrieren

Die technische Kenntnis der Formate allein reicht nicht aus.

Entscheidend ist, wie Sie BMEcat, ARGE und ODC in Ihre bestehende  Systemlandschaft einbinden.

Eine durchdachte Integration verhindert  doppelte Datenhaltung und stellt sicher, dass Änderungen an Produktdaten automatisch in alle Ausgabekanäle fließen.

Der empfohlene Ansatz folgt einem klaren Prinzip:

Produktdaten werden zentral in einem PIM-System gepflegt, kaufmännische und logistische  Daten kommen aus dem ERP-System. Eine Datensyndikationslösung übernimmt  das Mapping auf die jeweiligen Zielformate.

So entsteht ein Workflow,  bei dem Sie Daten einmal pflegen und in viele Formate ausgeben.

Für die Ausgabe in verschiedene Formate empfiehlt sich folgende Struktur:

  1. Datenquellen anbinden: PIM und ERP werden als  Quellsysteme konfiguriert. Technische Produktdaten kommen aus dem PIM,  Preise und kundenspezifische Daten aus dem ERP.
  2. Mappings erstellen: Für jedes Zielformat wird ein  Mapping definiert, das interne Felder auf die Felder des Zielformats  überträgt. Einmal erstellte Mappings lassen sich für verschiedene  Kataloge wiederverwenden. An dieser Stelle erfolgt auch die manchmal nötige Definiton der Datentransformation , wenn z. B. aus mm MMT werden muss oder ähnliches.
  3. Ausgabekonfiguration festlegen: Sie legen fest,  welches Format ausgegeben wird, welche Klassifikation eingebettet wird  und welche Produkte im Katalog enthalten sind.
  4. Prozess automatisieren: Der Import aktueller Daten  und der Export der Kataloge werden als wiederkehrender Workflow  abgebildet. Der einmalige Aufwand für Struktur und Mapping ist hoch, der laufende Betrieb wird zur Routine.

Für Unternehmen, die mehrere Formate parallel bedienen, zahlt sich  dieser Ansatz besonders aus.

Ein Hersteller, der gleichzeitig  BMEcat-Kataloge für E-Procurement-Kunden, Daten für Open Datacheck und  ARGE-konforme Lieferungen bereitstellen muss, profitiert von einer  zentralen Datenbasis, aus der alle Ausgaben automatisch abgeleitet  werden.

Wie Semaino beim elektronischen Produktdatenaustausch unterstützt

Wir begleiten Hersteller und Händler dabei, den elektronischen  Produktdatenaustausch strukturiert und dauerhaft zu lösen. Mit dem ecatDesigner bilden wir den gesamten Prozess ab: von der Anbindung Ihrer  Quellsysteme über das Mapping auf Zielformate bis zur automatisierten  Ausgabe fertiger Kataloge.

Konkret unterstützen wir Sie bei folgenden Aufgaben:

  • Erstellung und Konfiguration von BMEcat-Katalogen mit ECLASS- oder ETIM-Klassifikation
  • Aufbereitung und Lieferung von Daten für ARGE (BMDG) und Open Datacheck
  • Mapping Ihrer internen PIM- und ERP-Daten auf die Felder der Zielformate
  • Aufbau wiederverwendbarer Mappings, die den laufenden Betrieb zur Routine machen
  • Beratung zur Datenqualität und Unterstützung bei der Erfüllung von Scoring-Anforderungen
  • Schulungen und Coaching für Ihre Mitarbeiter, damit internes Know-how aufgebaut wird

Wenn Sie wissen möchten, wie wir Ihre spezifische Ausgangssituation angehen, nehmen Sie gerne Kontakt auf.

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