Lieferanten liefern ihre Produktkataloge in einer Vielzahl unterschiedlicher Formate: BMEcat, DATANORM, FAB-DIS, GS1/XML, CSV und Excel sind die am häufigsten anzutreffenden Varianten im B2B-Handel. Welches Format ein Lieferant verwendet, hängt von seiner Branche, seinem Zielmarkt und den technischen Anforderungen seiner Handelspartner ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Lieferantenformate und deren Verarbeitung im Lieferanten-Onboarding.
Welche Formate sind im B2B-Handel am weitesten verbreitet?
Im B2B-Handel dominieren vier Katalogformate: BMEcat als XML-basierter Standard für den DACH-Raum und darüber hinaus, DATANORM als branchenspezifisches Format im Sanitär-, Heizungs- und Elektrohandel, GS1/XML für den internationalen Handel und Retail sowie FAB-DIS als Standardformat für den französischen Markt. Daneben kommen CSV- und Excel-Dateien häufig als pragmatische Alternativen vor.
BMEcat wurde vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) entwickelt und ist branchenübergreifend einsetzbar. Es ist kostenlos nutzbar, besonders im DACH-Raum weit verbreitet und bildet die Grundlage für viele weitere branchenspezifische Formate und Ableitungen. Ein BMEcat-Dokument enthält Metadaten im Header, einen Transaktionsbereich sowie einen Produktbereich mit Pflichtfeldern wie Artikelnummer, Kurzbeschreibung, Bestelleinheit und Preisdetails.
DATANORM ist ein älteres, zeilenbasiertes Format, das sich im deutschen Fachhandel für Elektro, Sanitär und Heizung etabliert hat. Es ist kompakter als BMEcat, aber auch weniger flexibel bei der Abbildung komplexer Produktmerkmale.
GS1/XML eignet sich besonders für den internationalen Handel und Retail und wird durch GDSN-Datenpools für die globale Datensynchronisation ergänzt. FAB-DIS 3.0 ist der relevante Standard für den französischen Markt in den Branchen Elektro, Sanitär, Heizung, Baustoffe und Werkzeuge. Für den Benelux-Markt ist der Datenpool 2ba relevant, der eine Ableitung von BMEcat 2005 mit ETIM-Spezifikation nutzt.
Was ist der Unterschied zwischen BMEcat und DATANORM?
Der wichtigste Unterschied liegt in der Struktur und im Anwendungsbereich: BMEcat ist ein XML-basiertes Format, das branchenübergreifend eingesetzt wird und komplexe Produktdaten inklusive Klassifikationsmerkmale, Bilder und Dokumente strukturiert abbilden kann. DATANORM ist ein älteres, zeilenbasiertes Textformat, das speziell im deutschen Fachhandel für Elektro, Sanitär und Heizung verbreitet ist und primär Preis- und Bestelldaten überträgt.
BMEcat unterstützt eine hierarchische Datenstruktur mit Header, Transaktionsbereich und Produktbereich. Externe Dokumente wie Bilder oder Datenblätter werden per Referenz eingebunden. Technische Produktmerkmale lassen sich in einem separaten Klassifikationscontainer unterbringen, was die Einbindung von Standards wie ETIM oder ECLASS ermöglicht.
DATANORM hingegen ist auf Effizienz bei der Übertragung von Preis- und Artikelstammdaten ausgelegt. Die Datei ist kompakter und einfacher zu verarbeiten, bietet aber deutlich weniger Möglichkeiten zur Abbildung technischer Merkmale oder Mediendaten. Für Händler, die detaillierte Produktbeschreibungen und Klassifikationsdaten benötigen, stößt DATANORM daher schnell an seine Grenzen.
Im Lieferanten-Onboarding bedeutet das: Lieferanten aus dem Elektro- oder SHK-Fachhandel liefern häufig DATANORM, während Lieferanten mit breiterem Produktportfolio oder internationaler Ausrichtung eher BMEcat verwenden. Beide Formate erfordern unterschiedliche Verarbeitungslogiken in den Zielsystemen des Händlers.
Welche Klassifikationssysteme begleiten Lieferantenkataloge?
Die drei relevanten Klassifikationssysteme im B2B-Produktdatenaustausch sind ETIM, ECLASS und Proficl@ss. Wichtig: Klassifikationssysteme sind keine Übertragungsformate, sondern Beschreibungssprachen für Produkte. Sie definieren, welche Merkmale ein Produkt einer bestimmten Klasse haben muss, und ermöglichen so einen einheitlichen Vergleich über Lieferantengrenzen hinweg.
ETIM ist der dominierende Standard in der Elektro-, Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche. Er wird als eingebettete Klassifikation in FAB-DIS verwendet und ist auch im Benelux-Datenpool 2ba integriert. ETIM definiert Produktklassen mit festen Merkmalen und Wertelisten, was eine maschinelle Verarbeitung und den Vergleich von Produkten unterschiedlicher Hersteller erleichtert.
ECLASS ist ein branchenübergreifender Standard, der besonders in der Industrie und im Maschinenbau verbreitet ist. Er bietet eine sehr detaillierte Klassenhierarchie und eignet sich für komplexe technische Produkte. ECLASS wird häufig in Kombination mit BMEcat eingesetzt.
Proficl@ss spielt heute kaum noch eine eigenständige Rolle, weil er weitgehend in den ETIM-Standard aufgegangen ist. Händler, die ältere Lieferantendaten mit Proficl@ss-Klassifikation erhalten, sollten prüfen, ob eine Migration auf ETIM sinnvoll ist.
Im Lieferanten-Onboarding ist es wichtig zu wissen, welches Klassifikationssystem ein Lieferant verwendet, weil das Mapping auf die interne Datenstruktur des Händlers davon direkt abhängt. Liefert ein Lieferant ETIM-klassifizierte Daten, ein anderer ECLASS-klassifizierte, müssen beide auf eine gemeinsame interne Struktur gemappt werden.
Warum liefern Lieferanten oft unterschiedliche Formate?
Lieferanten liefern unterschiedliche Formate, weil ihre Wahl vom Zielmarkt, der Branche, den Anforderungen ihrer Handelspartner und den eigenen technischen Möglichkeiten abhängt. Es gibt keinen universellen Pflichtstandard, der alle Branchen und Märkte abdeckt. Das Ergebnis ist eine heterogene Formatlandschaft, mit der Händler im Lieferanten-Onboarding täglich umgehen müssen.
Ein Hersteller, der sowohl im DACH-Raum als auch in Frankreich vertreibt, benötigt typischerweise sowohl BMEcat als auch FAB-DIS. Wer zusätzlich über Plattformen wie Amazon Business verkauft, muss Daten in einem weiteren, plattformspezifischen Format bereitstellen. Jeder Kanal und jeder Markt stellt eigene Anforderungen an Struktur, Pflichtfelder und Klassifikation.
Hinzu kommt, dass viele Lieferanten ihre Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen erzeugen: ERP-Systeme liefern Preis- und Logistikdaten, PIM-Systeme steuern Produktbeschreibungen und Medien bei. Wenn diese Systeme nicht sauber integriert sind, entstehen Inkonsistenzen, die sich im gelieferten Katalog niederschlagen. Für Händler bedeutet das: Selbst wenn ein Lieferant das richtige Format liefert, können Inhalt und Qualität stark variieren.
Für Plattformen wie ARGE ist die Lieferung als mehrere CSV-Dateien praktisch vorteilhaft, weil die Sichtkontrolle der ausgegebenen Daten einfacher ist als bei BMEcat. Für Open Datacheck gilt Ähnliches für Excel-Dateien. Diese pragmatischen Alternativen zeigen, dass Formatentscheidungen oft auch von der Verarbeitungsinfrastruktur des Empfängers abhängen.
Wie können Händler verschiedene Lieferantenformate effizient verarbeiten?
Händler verarbeiten unterschiedliche Lieferantenformate effizient, indem sie eine zentrale Datenbasis aufbauen, aus der alle Ausgaben automatisch abgeleitet werden. Der Kern dieser Strategie ist ein Mapping-Prozess, der eingehende Lieferantendaten unabhängig vom Quellformat auf eine einheitliche interne Datenstruktur überführt. Ohne diese Zentralisierung entsteht für jedes neue Lieferantenformat manueller Aufwand.
Konkret bedeutet das im Lieferanten-Onboarding:
- Eingehende Formate (BMEcat, DATANORM, CSV, Excel, FAB-DIS) werden in einem ersten Schritt auf Vollständigkeit und Struktur geprüft.
- Anschließend erfolgt das Mapping der Lieferantenfelder auf die internen Felder des ERP- oder PIM-Systems.
- Klassifikationsdaten (ETIM, ECLASS) werden auf die interne Klassifikationsstruktur des Händlers übertragen.
- Validierungsregeln stellen sicher, dass nur Daten übernommen werden, die den definierten Qualitätsanforderungen entsprechen.
Ein Hersteller, der gleichzeitig BMEcat-Kataloge für E-Procurement-Kunden und Daten für Open Datacheck bereitstellen muss, profitiert von einer zentralen Datenbasis, aus der alle Ausgaben automatisch abgeleitet werden. Dasselbe Prinzip gilt für Händler auf der Empfängerseite: Wer eingehende Lieferantendaten zentral normiert, reduziert den Aufwand für jedes weitere Lieferanten-Onboarding erheblich.
Softwarelösungen, die als Ergänzung zu bestehenden PIM-Systemen konzipiert sind, übernehmen dabei die formatspezifische Verarbeitung und das Mapping. Die meisten PIM-Hersteller arbeiten mit Partnerlösungen für die formatspezifische Ausgabe und Verarbeitung zusammen, weil diese Aufgabe spezialisiertes Format-Know-how erfordert.
Was passiert, wenn Lieferantendaten nicht den Anforderungen entsprechen?
Wenn Lieferantendaten nicht den Anforderungen entsprechen, führt das zu Importfehlern, manuellen Korrekturen, Verzögerungen im Onboarding und im schlimmsten Fall zu falschen Artikelinformationen im Zielsystem. Die Folgen reichen von internem Mehraufwand bis zu Fehlbestellungen und unzufriedenen Endkunden.
Typische Probleme bei eingehenden Lieferantendaten sind:
- Syntaxfehler: Die Datei ist nicht korrekt aufgebaut und kann vom Zielsystem nicht eingelesen werden.
- Schemaverstöße: Die Datei entspricht nicht dem Schema des jeweiligen Standards, etwa weil Pflichtfelder fehlen oder falsche Datentypen verwendet werden.
- Inhaltliche Lücken: Pflichtfelder wie Artikelnummer, Kurzbeschreibung oder Bestelleinheit sind nicht befüllt.
- Inkonsistente Klassifikation: Produkte sind falsch oder gar nicht klassifiziert, was das Mapping auf interne Strukturen erschwert.
- Veraltete Daten: Preise, Verfügbarkeiten oder technische Merkmale entsprechen nicht dem aktuellen Stand.
Die Katalogvalidierung ist das wichtigste Werkzeug, um diese Probleme frühzeitig zu erkennen. Einen elektronischen Katalog validiert man, indem man die enthaltenen Produktdaten systematisch gegen die Anforderungen des Zielformats und des Empfängers prüft. Das Ergebnis ist ein strukturierter Report, der Fehler und Lücken aufzeigt, bevor der Katalog ausgeliefert oder übernommen wird.
Die Validierung erfolgt auf mehreren Ebenen: Die erste Ebene prüft, ob die Datei syntaktisch korrekt aufgebaut ist. Die zweite Ebene prüft, ob die Datei dem Schema des jeweiligen Standards entspricht, was sicherstellt, dass der Empfänger die Datei überhaupt einlesen kann. Weitere Ebenen prüfen inhaltliche Vollständigkeit und fachliche Korrektheit. Händler, die diesen Prozess automatisieren, reduzieren den manuellen Aufwand im Lieferanten-Onboarding erheblich und schaffen klare Rückmeldeprozesse für ihre Lieferanten.
Wie semaino das Lieferanten-Onboarding mit unterschiedlichen Formaten unterstützt
Die Formatvielfalt im Lieferanten-Onboarding ist eine der häufigsten Ursachen für Verzögerungen und Qualitätsprobleme in der Datenbeschaffung. Wir bei semaino haben uns auf genau diesen Prozess spezialisiert und unterstützen Händler dabei, eingehende Lieferantendaten strukturiert zu prüfen, zu mappen und in ihre Zielsysteme zu übernehmen.
- Verarbeitung aller gängigen Lieferantenformate: BMEcat, DATANORM, FAB-DIS, GS1/XML, CSV und Excel
- Automatisiertes Mapping eingehender Lieferantendaten auf interne ERP- und PIM-Strukturen
- Unterstützung der relevanten Klassifikationssysteme ETIM und ECLASS für eine einheitliche Produktbeschreibung
- Mehrstufige Katalogvalidierung mit strukturierten Fehlerreports, die direkt an Lieferanten zurückgespielt werden können
- Betrieb als ergänzende Lösung zu bestehenden PIM-Systemen, ohne bestehende Infrastruktur zu ersetzen
- Aktive Mitarbeit an nationalen und internationalen Normungsprozessen, sodass neue Formatanforderungen frühzeitig in unsere Lösungen einfließen
Wenn Sie wissen möchten, wie wir Ihr Lieferanten-Onboarding konkret vereinfachen können, sprechen Sie uns gerne an: Fragen stellen.
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