Der richtige Einstieg in den elektronischen Katalog hängt vor allem davon ab, welche Handelspartner Sie beliefern und welche Formate diese technisch verarbeiten können. Für die meisten B2B-Hersteller und Händler in Deutschland ist BMEcat der naheliegende Ausgangspunkt, während Unternehmen im SHK- oder Elektrogroßhandel häufig mit Datanorm starten. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Katalogformate, Datenqualität und den richtigen Einstiegspunkt.
Welche Katalogformate gibt es im B2B-Bereich?
Im B2B-Bereich sind BMEcat, Datanorm, GS1/XML, Fab-Dis und Amazon-spezifische Formate die verbreitetsten Katalogformate. Jedes Format definiert eine eigene technische Struktur, legt fest, welche Felder existieren, wie sie benannt sind und in welchem Dateiformat die Übertragung stattfindet. Das Katalogformat ist der Transportbehälter für Produktdaten, keine inhaltliche Klassifikation.
Die wichtigsten Formate im Überblick:
- BMEcat: XML-basierter Standard des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. Weit verbreitet im allgemeinen B2B-Handel, im E-Procurement und auf Plattformen wie Mercateo.
- Datanorm: Branchenstandard im deutschen SHK- (Sanitär, Heizung, Klima) und Elektrogroßhandel. Älteres, aber nach wie vor dominantes Format in diesen Sektoren.
- GS1/XML: Internationaler Standard auf Basis von GS1-Identifikatoren, relevant für den Lebensmittelhandel, den Konsumgüterbereich und GDSN-Datenpools.
- Fab-Dis: Format für den Fachgroßhandel, insbesondere im Bereich Elektrotechnik und Elektronik.
- Amazon-Format: Plattformspezifische Datenstruktur mit eigenen Pflichtfeldern und Kategorielogiken, die sich von offenen Standards deutlich unterscheidet.
Daneben existieren zahlreiche kundenspezifische Formate, die einzelne Handelspartner oder Plattformen vorgeben. Diese lassen sich in der Regel aus einem zentralen Datenbestand ableiten, sofern die Ausgangsdaten strukturiert und vollständig vorliegen.
Welches Katalogformat passt zu welcher Branche?
Das passende Katalogformat richtet sich nach der Branche und den Anforderungen der Handelspartner. Im allgemeinen Industriehandel und im E-Procurement ist BMEcat Standard. Im SHK- und Elektrogroßhandel dominiert Datanorm. Im Konsumgüter- und Lebensmittelbereich ist GS1/XML mit GDSN-Anbindung relevant. Für den Fachgroßhandel Elektrotechnik kommt Fab-Dis zum Einsatz.
Eine grobe Orientierung nach Branche:
- Industriehandel, MRO, technischer Handel: BMEcat, häufig in Kombination mit ECLASS als Klassifikation
- SHK-Großhandel: Datanorm, ergänzt durch ETIM als Merkmalsstandard
- Elektrogroßhandel: Datanorm und Fab-Dis, ebenfalls mit ETIM
- Konsumgüter, Lebensmittel, Pharma: GS1/XML über GDSN-Datenpools
- Marktplätze (Amazon Business, Mercateo): plattformspezifische Formate, die eigene Mapping-Logiken erfordern
In der Praxis müssen viele Unternehmen mehrere Formate parallel bedienen, weil ihre Kundenbasis unterschiedliche Systeme einsetzt. Das macht eine zentrale Datenbasis mit flexibler Ausleitung wichtiger als die Wahl eines einzelnen Formats.
Was bestimmt den richtigen Einstiegspunkt in den elektronischen Katalog?
Den richtigen Einstiegspunkt bestimmen drei Faktoren: das Format, das Ihre wichtigsten Handelspartner fordern, der aktuelle Zustand Ihrer Produktdaten und die interne Kapazität für die Erststrukturierung. Wer mit dem Format beginnt, das der größte Abnehmer verlangt, erzielt den schnellsten messbaren Nutzen.
Konkret sollten Sie folgende Fragen beantworten, bevor Sie ein Format wählen:
- Welches Format fordert Ihr wichtigster Handelspartner? Dessen Anforderung setzt den Rahmen.
- In welchem Zustand sind Ihre Artikelstammdaten? Unvollständige oder inkonsistente Daten verlängern die Einführungszeit erheblich.
- Welche Systeme liefern die Daten? ERP, PIM oder beides bestimmen, wie aufwendig das Mapping wird.
- Wie viele Formate müssen mittelfristig bedient werden? Wer absehbar mehrere Kanäle erschließen will, sollte die Infrastruktur von Anfang an auf mehrere Ausgaben auslegen.
Der einmalige Aufwand liegt vor allem in der Strukturarbeit: Welche Merkmale sollen übertragen werden, wie werden sie gemappt und wie wird die Konfiguration aufgesetzt. Der laufende Betrieb, also der tägliche Import und Export, ist danach Routine.
Wie unterscheiden sich BMEcat und Datanorm konkret?
BMEcat ist ein XML-basiertes, flexibles Format für den allgemeinen B2B-Produktdatenaustausch mit breiter Plattformunterstützung. Datanorm ist ein älteres, zeilenbasiertes Format, das speziell für den deutschen SHK- und Elektrogroßhandel entwickelt wurde und dort tief in bestehende Warenwirtschaftssysteme integriert ist. Der wichtigste Unterschied liegt in der technischen Struktur und der Branchenverankerung.
Technische Struktur
BMEcat verwendet XML und erlaubt eine hierarchische, erweiterbare Datenstruktur. Felder lassen sich flexibel ergänzen, Klassifikationen wie ECLASS können direkt eingebettet werden. Das Format eignet sich für komplexe Produktdaten mit vielen Merkmalen und Mediendaten.
Datanorm arbeitet mit einem festen Zeilenformat, in dem jede Zeile einem bestimmten Datensatztyp entspricht. Die Struktur ist weniger flexibel, aber für die Systeme im SHK- und Elektrohandel optimiert. Viele Warenwirtschaftssysteme in diesen Branchen lesen Datanorm nativ ein, ohne zusätzliche Konvertierung.
Einsatzbereich und Verbreitung
BMEcat ist der Standard für E-Procurement-Plattformen, Marktplätze und Webshops außerhalb der Fachgroßhandelsbranchen. Datanorm ist in Deutschland im SHK- und Elektrogroßhandel nach wie vor dominant und wird von Verbänden wie dem ZVSHK und ZVEI aktiv gepflegt. Wer in beiden Welten aktiv ist, muss beide Formate aus einer gemeinsamen Datenbasis erzeugen können.
Welche Datenqualität ist für einen elektronischen Katalog notwendig?
Ein elektronischer Katalog stellt höhere Anforderungen an die Datenqualität als ein gedruckter Katalog, weil die Daten maschinell verarbeitet werden. Fehlende Pflichtfelder, inkonsistente Einheiten oder falsche Artikelnummern führen dazu, dass der Empfänger die Daten nicht einlesen kann. Mindestanforderungen sind vollständige Artikelnummern, eindeutige Bezeichnungen, korrekte Preise und die vom Zielformat geforderten Pflichtmerkmale.
Darüber hinaus gelten je nach Zielkanal unterschiedliche Qualitätsstufen:
- E-Procurement-Plattformen: Vollständige Merkmale nach ECLASS oder ETIM, Bilder und Dokumente in definierten Formaten, konsistente Einheiten
- Amazon Business: Sehr strenge Attributanforderungen je Produktkategorie, fehlende Pflichtattribute führen zur Ablehnung des Listings
- GDSN-Datenpools: Validierung nach GS1-Regeln, GTIN-Pflicht, Synchronisation mit Handelspartnern in Echtzeit
- Kundenspezifische Kataloge: Anforderungen variieren, aber vollständige Basisdaten sind immer Voraussetzung
Ein häufiger Fehler ist der Versuch, einen elektronischen Katalog aus unbereinigten ERP-Daten direkt zu erzeugen. Die Strukturarbeit, also die Definition, welche Merkmale in welcher Form übertragen werden sollen, muss vor der technischen Umsetzung abgeschlossen sein. Datenqualität ist keine technische Aufgabe allein, sondern eine organisatorische.
Wann lohnt sich externer Support bei der Katalogerstellung?
Externer Support lohnt sich, wenn intern das fachliche Know-how zu Katalogformaten, Klassifikationen oder Datenaufbereitung fehlt, wenn die Erststrukturierung zu aufwendig für das eigene Team ist oder wenn ein Projekt unter Zeitdruck steht. Unternehmen, die zum ersten Mal einen elektronischen Katalog aufbauen, unterschätzen regelmäßig den Aufwand für Mapping und Strukturdefinition.
Konkrete Situationen, in denen externer Support sinnvoll ist:
- Erstaufbau eines elektronischen Katalogs ohne interne Erfahrung mit Formaten wie BMEcat oder Datanorm
- Klassifikation eines großen Artikelstamms nach ECLASS oder ETIM, für die Branchenkenntnisse erforderlich sind
- Anbindung an neue Marktplätze mit unbekannten Formatanforderungen
- Bereinigung und Anreicherung von Produktdaten vor der ersten Katalogausgabe
- Aufbau einer Infrastruktur, die mehrere Formate und Kanäle parallel bedienen soll
Langfristig ist das Ziel, den laufenden Betrieb intern zu stabilisieren. Der einmalige Aufwand für Struktur, Mapping und Konfiguration ist der größte Teil der Arbeit. Wer diesen Schritt mit externer Unterstützung sauber abschließt, profitiert danach von einem routinierten, weitgehend automatisierten Prozess.
Mit semaino den richtigen Katalog strukturiert aufbauen
Wir unterstützen Hersteller und Händler dabei, den Einstieg in den elektronischen Produktdatenaustausch strukturiert und ohne unnötige Umwege zu gestalten. Mit über 20 Jahren Erfahrung im B2B-Produktdatenaustausch und aktiver Mitarbeit an nationalen und internationalen Standards wissen wir, wo die typischen Stolperstellen liegen und wie man sie vermeidet.
- Formatunterstützung: Wir arbeiten mit allen gängigen Katalogformaten, darunter BMEcat, Datanorm, GS1/XML und Fab-Dis, sowie mit Marktplatzformaten wie Amazon Business.
- Klassifikation: Wir klassifizieren Artikelstämme nach ECLASS, ETIM und weiteren Standards und stellen sicher, dass die Merkmale korrekt und vollständig übertragen werden.
- Datenbasis und Mapping: Unser ecatDesigner fungiert als zentrale Datendrehscheibe, die Produktdaten aus PIM- und ERP-Systemen aufnimmt und in beliebige Zielformate ausleitet.
- Vollständige Katalogerstellung: Für Unternehmen ohne internes Know-how übernehmen wir die Katalogerstellung vollständig, von der Datenanalyse bis zur fertigen Ausgabedatei.
- Beratung und Schulung: Wir analysieren den Ist-Zustand Ihrer Datenprozesse, definieren den Soll-Zustand und begleiten die Umsetzung mit Projektmanagement und First-Level-Support.
Wenn Sie wissen möchten, welches Format und welche Infrastruktur für Ihren konkreten Fall sinnvoll sind, sprechen Sie uns an. Ein Beratungsgespräch hilft dabei, den richtigen Einstiegspunkt zu bestimmen, bevor aufwendige Strukturarbeit beginnt.
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