Wie funktioniert die Übernahme unterschiedlicher Lieferantenkataloge ins PIM-System?

Jens Bröking ·
Verschiedene Lieferantenkataloge und Datenordner, die in einem schlanken weißen Ordner auf einem minimalistischen Schreibtisch zusammengeführt werden.

Die Übernahme unterschiedlicher Lieferantenkataloge ins PIM-System funktioniert über einen strukturierten Prozess aus Formatanalyse, Feldmapping und Datenvalidierung. Lieferanten liefern ihre Katalogdaten in verschiedenen Formaten und Strukturen, die zunächst in ein einheitliches internes Datenmodell überführt werden müssen. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Lieferanten-Onboarding im Detail.

Welche Formate liefern Lieferanten für ihre Katalogdaten?

Lieferanten liefern Katalogdaten in einer Vielzahl von Formaten, die je nach Branche und Unternehmensgröße stark variieren. Die häufigsten Formate im B2B-Bereich sind BMEcat, DATANORM, FAB-DIS sowie einfache CSV- oder Excel-Dateien. Daneben kommen branchenspezifische XML-Strukturen vor, die Lieferanten selbst definiert haben.

BMEcat ist das am weitesten verbreitete Übertragungsformat im technischen Handel und der Industrie. Es transportiert Produktdaten strukturiert und kann Klassifikationsdaten nach ETIM oder ECLASS enthalten. Wichtig: BMEcat ist das Übertragungsformat, ETIM und ECLASS sind Klassifikationssysteme. Wer sagt, er liefere „in ETIM“, meint in der Regel einen BMEcat mit ETIM-Klassifikation. Diese Unterscheidung ist relevant, weil sie direkte Auswirkungen auf die Importkonfiguration hat.

DATANORM ist vor allem im Sanitär-, Heizungs- und Elektrohandwerk verbreitet und hat ein eigenes, älteres Dateiformat. FAB-DIS wird im Bereich Befestigungstechnik eingesetzt. Viele kleinere Lieferanten liefern schlicht Excel-Tabellen oder CSV-Dateien ohne einheitliche Struktur. Das bedeutet für den Empfänger: Jeder Lieferant bringt seine eigene Logik mit, und das Lieferanten-Onboarding muss diese Vielfalt systematisch beherrschbar machen.

Wie gelangen Lieferantenkataloge technisch ins PIM-System?

Lieferantenkataloge gelangen über definierte Importschnittstellen ins PIM-System. Der Datenfluss verläuft typischerweise in vier Schritten: Datenempfang, Formatanalyse, Mapping auf das interne Datenmodell und abschließende Validierung vor der Übernahme in das PIM.

Im ersten Schritt empfängt das System die Lieferantendaten, entweder per FTP-Übertragung, E-Mail-Anhang oder API-Anbindung. Anschließend analysiert eine Importkomponente die Struktur der eingehenden Datei und erkennt das Format. Bei standardisierten Formaten wie BMEcat läuft dieser Schritt weitgehend automatisch ab. Bei proprietären CSV-Strukturen oder individuellen XML-Schemata ist manuelle Konfiguration erforderlich.

Der dritte Schritt ist das Mapping: Die Felder des Lieferanten werden den Feldern des internen Datenmodells zugeordnet. Dabei können mehrere Quellfelder auf ein Zielfeld zusammengeführt werden, zum Beispiel wenn ein Lieferant Produktbeschreibungen auf zwei Textfelder aufteilt, das PIM aber nur ein Beschreibungsfeld kennt. Feste Werte lassen sich ebenfalls einsetzen, etwa wenn ein Pflichtfeld im Zielformat keinen Lieferantenwert hat und mit einem Standardwert befüllt werden muss.

Im vierten Schritt prüft das System die gemappten Daten gegen definierte Regeln, bevor sie ins PIM übernommen werden. Erst nach erfolgreicher Validierung werden die Datensätze in den Produktstamm geschrieben.

Was passiert, wenn Lieferantendaten nicht zum eigenen Datenmodell passen?

Wenn Lieferantendaten nicht zum internen Datenmodell passen, müssen Transformationsregeln definiert werden, die die Quelldaten in die Zielstruktur überführen. Das betrifft Feldnamen, Datentypen, Einheiten, Klassifikationen und Wertelisten. Ohne diese Transformation können Daten nicht sinnvoll ins PIM übernommen werden.

Typische Abweichungen sind unterschiedliche Feldbezeichnungen für dasselbe Merkmal, abweichende Maßeinheiten, fehlende Pflichtfelder oder eine andere Klassifikationsversion. Ein Lieferant klassifiziert seine Produkte möglicherweise nach ETIM 8, während das interne System ETIM 9 verwendet. Klassen werden in neuen Versionen regelmäßig gelöscht, verschoben oder verfeinert, sodass eine direkte Übernahme ohne Versionsabgleich zu ungültigen Klassenzuordnungen führt.

Die Lösung ist ein konfiguriertes Mapping, das Quell- und Zielfelder verbindet und Transformationsregeln definiert. Dazu gehören Regeln für Eindeutigkeit, Pflichtfelder, Längenbeschränkungen und logische Abhängigkeiten. Wenn ein Lieferant ein Feld nicht liefert, das im Zielmodell als Pflichtfeld gilt, muss das Mapping entweder einen Standardwert setzen oder den Datensatz zur manuellen Nachbearbeitung markieren. Dieser Konfigurationsaufwand ist beim ersten Lieferanten-Onboarding hoch, wird aber zur Routine, sobald die Mapping-Vorlage einmal definiert ist.

Wie lässt sich die Datenqualität eingehender Kataloge prüfen?

Die Datenqualität eingehender Lieferantenkataloge lässt sich durch automatisierte Validierungsregeln prüfen, die Vollständigkeit, Konsistenz und Formatkonformität der Daten bewerten. Sinnvoll ist eine Prüfung in zwei Stufen: strukturelle Validierung und inhaltliche Qualitätsprüfung.

Strukturelle Validierung

Die strukturelle Validierung prüft, ob die Datei dem erwarteten Format entspricht, ob Pflichtfelder vorhanden sind und ob Datentypen korrekt sind. Ein BMEcat-Katalog, der gegen das Schema validiert wird, zeigt sofort, ob Pflichtfelder wie Artikelnummer, Kurzbezeichnung oder Preis fehlen. Diese Prüfung läuft automatisch und liefert einen Fehlerbericht, bevor die Daten ins PIM gelangen.

Inhaltliche Qualitätsprüfung

Die inhaltliche Prüfung geht tiefer: Sie bewertet, ob Beschreibungen ausreichend lang sind, ob Klassifikationen gültig und aktuell sind, ob Bilder in der geforderten Auflösung vorliegen und ob Merkmale vollständig befüllt sind. Produkte ohne Klassifikation oder in veralteten Klassen sind für nachgelagerte Prozesse schwer verwertbar und führen zu Problemen beim Weiterleiten an Marktplätze oder Kunden. Unternehmen, die nur die technische Struktur erfüllen, aber Pflichtfelder leer lassen, riskieren Ablehnungen durch Handelspartner oder schlechte Bewertungen auf Plattformen.

Praktisch empfiehlt sich ein Scoring-Modell, das jedem eingehenden Katalog einen Qualitätswert zuweist. Datensätze unterhalb eines definierten Schwellenwerts werden nicht automatisch übernommen, sondern zur manuellen Prüfung weitergeleitet. So bleibt die Datenqualität im PIM stabil, ohne dass jeder Lieferantenkatalog manuell gesichtet werden muss.

Wann ist eine Datendrehscheibe sinnvoller als ein direkter PIM-Import?

Eine Datendrehscheibe ist sinnvoller als ein direkter PIM-Import, wenn Lieferantendaten in vielen verschiedenen Formaten eintreffen, umfangreiche Transformationen erfordern oder in mehrere Zielsysteme gleichzeitig ausgeleitet werden müssen. Sie entkoppelt den Importprozess vom PIM und schafft eine zentrale Stelle für Mapping, Validierung und Formatkonvertierung.

Ein direkter PIM-Import funktioniert gut, wenn Lieferanten ein einheitliches Format liefern und das interne Datenmodell gut zu den Quelldaten passt. Sobald aber zehn oder mehr Lieferanten mit unterschiedlichen Strukturen, Klassifikationen und Formaten onboardet werden sollen, wird die Verwaltung der Importkonfigurationen im PIM selbst schnell unübersichtlich. Jede Formatänderung eines Lieferanten erfordert dann Anpassungen direkt im PIM-System.

Eine Datendrehscheibe übernimmt diese Komplexität außerhalb des PIM. Sie empfängt Daten aus verschiedenen Quellen, führt das Mapping auf die Zielstruktur durch und übergibt dem PIM nur saubere, validierte Datensätze. Gleichzeitig kann sie dieselben Quelldaten in andere Formate ausleiten, etwa für Marktplätze, Datenpools oder Kundenportale. Das ist besonders relevant für Handelsunternehmen, die Lieferantendaten nicht nur ins PIM übernehmen, sondern auch an eigene Kunden oder Plattformen weitergeben.

Der einmalige Konfigurationsaufwand für Mapping und Validierungsregeln ist bei einer Datendrehscheibe höher als bei einem einfachen Import. Im laufenden Betrieb amortisiert sich dieser Aufwand jedoch schnell, weil neue Lieferanten nach demselben Muster onboardet werden und Änderungen zentral gepflegt werden können.

Lieferanten-Onboarding mit semaino strukturiert umsetzen

Das Lieferanten-Onboarding ist dann effizient, wenn Formatvielfalt, Mapping-Komplexität und Qualitätssicherung in einem durchgängigen Prozess zusammenlaufen. Wir unterstützen Handelsunternehmen dabei, genau diesen Prozess aufzubauen und dauerhaft zu betreiben.

  • Analyse eingehender Lieferantenformate und Ableitung eines strukturierten Mapping-Konzepts
  • Konfiguration von Importschnittstellen für BMEcat, DATANORM, FAB-DIS, CSV und weitere Formate
  • Aufbau von Validierungsregeln für Pflichtfelder, Klassifikationsversionen und inhaltliche Qualitätskriterien
  • Einsatz des ecatDesigners als Datendrehscheibe zwischen Lieferantenquellen und PIM-System
  • Automatisierung wiederkehrender Importprozesse, sodass der laufende Betrieb zur Routine wird
  • Schulung Ihrer Teams im Umgang mit Mapping-Konfigurationen und Qualitätsprüfungen

Unser Lieferanten-Onboarding-Ansatz ist darauf ausgelegt, den initialen Aufwand zu strukturieren und den Betrieb langfristig stabil zu halten. Wenn Sie konkrete Fragen zu Ihrem Lieferantenportfolio oder Ihren Importprozessen haben, sprechen Sie uns gerne an und vereinbaren Sie ein Erstgespräch.

Ähnliche Artikel