BMEcat ist ein standardisiertes XML-basiertes Austauschformat für elektronische Produktkataloge im B2B-Bereich. Es ermöglicht Herstellern und Händlern, strukturierte Produktdaten wie Artikelnummern, Preise, Beschreibungen und Klassifikationsdaten in einem einheitlichen Format zu übertragen. Der Standard ist branchenübergreifend einsetzbar, kostenlos nutzbar und besonders im DACH-Raum weit verbreitet. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Aufbau, Versionen, Einsatzbereiche und die automatisierte Verarbeitung von BMEcat.
Wie ist ein BMEcat-Dokument aufgebaut?
Ein BMEcat-Dokument ist eine XML-Datei, die aus drei klar getrennten Hauptbereichen besteht: dem Header mit allgemeinen Informationen zum Katalog und Lieferanten, dem Preislistenbereich mit Preisrahmen und Konditionen sowie dem Artikelbereich mit den eigentlichen Produktdaten.
Diese Struktur sorgt dafür, dass Empfängersysteme die Daten eindeutig interpretieren und verarbeiten können.
Im Header stehen Metadaten wie der Name des Lieferanten, die Katalogsprache, die verwendete Währung und der Gültigkeitszeitraum des Katalogs. Diese Angaben gelten für den gesamten Katalog und müssen vollständig und korrekt befüllt sein, damit der Empfänger den Katalog überhaupt verarbeiten kann.
Der Artikelbereich ist das Herzstück des Dokuments. Jeder Artikel wird als eigenständiger Datensatz abgebildet und enthält unter anderem:
- die Lieferantenartikelnummer (SUPPLIER_PID)
- Kurz- und Langbeschreibungen (DESC_SHORT, DESC_LONG)
- EAN***/GTIN*** und weitere Identifikatoren
- Preisangaben mit Steuerinformationen
- Maße, Gewichte und Logistikdaten
- Verweise auf Mediendateien wie Bilder oder Datenblätter
- Klassifikationsdaten, etwa nach ECLASS oder ETIM
Klassifikationsdaten werden im BMEcat-Dokument als strukturierte Merkmale abgebildet. Jedes Produkt kann einer Produktklasse zugeordnet werden, der wiederum definierte technische Merkmale mit standardisierten Werten zugeordnet sind. So lässt sich beispielsweise eine Holzschraube mit Merkmalen wie Kopfform, Gewindedurchmesser und Werkstoff eindeutig beschreiben.
Welche Versionen von BMEcat gibt es und was unterscheidet sie?
BMEcat existiert in zwei wesentlichen Versionen: BMEcat 1.2 und BMEcat 2005. BMEcat 1.2 war die erste weit verbreitete Version und deckte grundlegende Anforderungen an den Produktdatenaustausch ab. BMEcat 2005 ist die aktuell relevante Version und bietet deutlich erweiterte Möglichkeiten, insbesondere für die Integration von Klassifikationsdaten und die Abbildung komplexer Preisstrukturen.
BMEcat 2005 unterstützt unter anderem:
- Die Einbindung von Klassifikationssystemen wie ECLASS, ETIM oder Proficl@ss direkt im Katalogdokument
- Erweiterte Preismodelle mit mehreren Preistypen und Staffelpreisen
- Verbesserte Medienverwaltung für Bilder, Dokumente und Videos
- Flexiblere Strukturierung von Produktmerkmalen
In der Praxis setzen viele Branchenlösungen auf BMEcat 2005 als Basis und ergänzen ihn um eigene Erweiterungen. Datenpools wie 2ba nutzen beispielsweise eine Ableitung von BMEcat 2005 mit angepassten Feldern und Anforderungen. Auch ETIM empfiehlt derzeit noch BMEcat als Übertragungsformat, sodass ein ETIM-klassifizierter Katalog häufig als ETIM-BMEcat bezeichnet wird.
Mittlerweile existieren auch viele Ableitungen von BMEcat 1.2 bzw. 2005 auf dem Markt, von daher ist es hier wichtig, die genaue Definition, wie der BMEcat für den Empfänger aufgebaut sein muss und welcher Ableitung er zu folgen hat.
Daneben gibt es mit ETIM xChange 2.0 ein neueres JSON-basiertes Austauschformat, das BMEcat in bestimmten Szenarien ergänzt, aber noch nicht ersetzt.
Vom Bundesverband für Materialwirtschaft und Einkauf (BME) wird ein neues Format, EUROcat aus der Taufe gehoben; warten wir ab, wie sich das entwickelt.
Welche Daten lassen sich mit BMEcat übertragen?
Mit BMEcat lassen sich alle relevanten Produktstammdaten übertragen, die für den elektronischen Handel und die Beschaffung im B2B-Bereich benötigt werden. Dazu gehören kaufmännische Daten, technische Merkmale, Logistikinformationen, Mediendaten und Klassifikationsdaten in einem einzigen strukturierten Dokument.
Im Einzelnen können folgende Datenkategorien übertragen werden:
- Kaufmännische Daten: Artikelnummern, EAN-Codes, Preise, Steuersätze, Mindestbestellmengen, Verpackungseinheiten
- Beschreibende Daten: Kurz- und Langbeschreibungen, Schlüsselwörter, Produktgruppen
- Technische Merkmale: Produktspezifische Attribute wie Maße, Gewichte, Materialien oder elektrische Kennwerte, eingebettet als klassifizierte Merkmale
- Logistikdaten: Abmessungen, Gewicht, Gefahrgutinformationen
- Mediendaten: Verweise auf Produktbilder, Datenblätter, CAD-Dateien, Internetlinks oder Videos
- Klassifikationsdaten: Zuordnung zu Produktklassen nach ECLASS, ETIM oder anderen Standards mit den zugehörigen Merkmalswerten
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen allgemeinen kaufmännischen Merkmalen, die für alle Produkte gelten, und produktspezifischen technischen Merkmalen, die je nach Produktklasse variieren. Ein Produkt aus der Klasse „Holzschraube“ trägt andere Merkmale als ein Produkt aus der Klasse „Leuchte“. BMEcat bildet beide Typen ab und ermöglicht so eine vollständige technische und kaufmännische Beschreibung in einem Format.
Wer verwendet BMEcat und in welchen Branchen ist er verbreitet?
BMEcat wird branchenübergreifend von Herstellern, Großhändlern und Händlern im B2B-Bereich eingesetzt, die Produktdaten elektronisch austauschen möchten. Besonders verbreitet ist der Standard im DACH-Raum, findet aber auch international Anwendung. Typische Branchen sind Elektrotechnik, Sanitär, Heizung und Klima, Baustoffe, Werkzeuge sowie der allgemeine Industriebedarf.
Auf der Herstellerseite nutzen Unternehmen BMEcat, um ihre Produktkataloge an Händler, Großhändler und Datenpools zu liefern. Auf der Empfängerseite verarbeiten Händler und Beschaffungsplattformen die Daten, um sie in ihre eigenen Systeme wie ERP, PIM oder Webshops zu importieren. E-Procurement-Systeme und B2B-Marktplätze setzen häufig BMEcat als Standardformat für die Datenanlieferung voraus.
Datenpools und Branchenplattformen wie 2ba, nexmart oder Open Datacheck basieren auf BMEcat oder nutzen Ableitungen davon. Auch das ETIM-Format empfiehlt BMEcat als Übertragungsformat, was die Verbreitung in der Elektro- und SHK-Branche zusätzlich stärkt. Wer als Hersteller oder Händler Produktdaten an mehrere Abnehmer liefern möchte, kommt an BMEcat in der Regel nicht vorbei.
Was sind häufige Fehler bei der BMEcat-Erstellung?
Die häufigsten Fehler bei der BMEcat-Erstellung entstehen durch unvollständige Pflichtfelder, fehlerhafte Zeichenkodierung, inkonsistente Klassifikationsdaten und falsch gemappte Merkmale. Diese Fehler führen dazu, dass der Katalog vom Empfängersystem abgelehnt wird oder Produktdaten fehlerhaft importiert werden.
Konkret treten folgende Probleme regelmäßig auf:
- Fehlende Pflichtfelder: Artikelnummer, Kurzbeschreibung oder Preisangaben fehlen oder sind leer, obwohl sie vom Empfänger zwingend erwartet werden.
- Falsche XML-Struktur: Das Dokument entspricht nicht dem Schema der verwendeten BMEcat-Version, etwa weil Felder in der falschen Reihenfolge stehen oder unbekannte Tags verwendet werden.
- Inkonsistente Klassifikationsdaten: Produkte werden einer Klasse zugeordnet, die nicht zur tatsächlichen Produktart passt, oder Merkmalswerte entsprechen nicht den erlaubten Werten der Klassifikation.
- Fehlerhaftes Merkmalmapping: Quellfelder aus ERP oder PIM werden falsch auf BMEcat-Zielfelder gemappt, etwa wenn zwei Textfelder nicht korrekt zu einem Langtext zusammengeführt werden.
- Veraltete Klassifikationsversionen: Der Katalog verwendet eine ältere Version vonECLASS oder ETIM, während der Empfänger bereits eine neuere Version erwartet.
- Unvollständige Produktdaten in der Quelle: Beim Erstellen des Katalogs stellt sich heraus, dass Produktdaten im ERP oder PIM fehlen oder nicht ermittelt werden können.
Ein weiterer häufiger Fehler ist die Verwechslung von BMEcat als Format mit den Klassifikationssystemen, die darin eingebettet werden. BMEcat ist das Übertragungsformat,ECLASS oder ETIM sind die Klassifikationen. Beide sind voneinander unabhängig, werden aber gemeinsam verwendet.
Wie lässt sich BMEcat automatisiert erzeugen und verarbeiten?
BMEcat-Kataloge lassen sich automatisiert erzeugen, indem Produktdaten aus ERP- oder PIM-Systemen über definierte Mappings in die BMEcat-Struktur überführt werden. Dazu werden Softwarewerkzeuge eingesetzt, die Quellfelder auf BMEcat-Zielfelder abbilden, Werte transformieren und das fertige XML-Dokument regelkonform generieren.
Der typische Prozess läuft in mehreren Schritten ab:
- Datenexport aus der Quelle: Produktdaten werden aus ERP oder PIM per API oder Dateiexport in das Verarbeitungswerkzeug übergeben.
- Merkmalmapping: Quellfelder werden auf BMEcat-Zielfelder gemappt. Dabei können mehrere Quellfelder auf ein Zielfeld kombiniert werden, feste Werte für Pflichtfelder gesetzt und Werte transformiert werden, etwa durch Präfixe, Suffixe, Logiken wie z. B. Abhängigkeiten oder Einheitenumrechnungen.
- Regelprüfung: Eine Regel-Engine prüft, ob Pflichtfelder befüllt sind, Längenbeschränkungen eingehalten werden und logische Regeln erfüllt sind. Fehlerhafte Datensätze werden identifiziert und können zur Korrektur zurückgemeldet werden.
- Ausgabe des BMEcat-Dokuments: Das fertige Dokument wird generiert und per FTP, E-Mail oder API an den Empfänger übertragen.
Für den Empfang von Lieferantendaten lässt sich der Prozess als wiederkehrender Workflow abbilden: Lieferanten
- laden ihre Daten in ein Onboardingsystem (z. b. ecatOnboarding) hoch,
- die Qualitätskontrolle wird automatisch angestoßen,
- Mappings werden ausgeführt und
- die Daten regelkonform in das Zielsystem übernommen.
An kritischen Stellen können manuelle Freigabeschritte eingebaut werden, sodass ein Sachbearbeiter die abschließende Entscheidung über die Datenübernahme trifft.
Wichtig für die Automatisierung ist ein sauberes Merkmalmapping, das regelmäßig gepflegt wird, insbesondere wenn sich Klassifikationsversionen ändern. Ein Versionswechsel von ECLASS 9 auf ECLASS 10 erfordert beispielsweise eine Überprüfung aller betroffenen Klassen, Merkmale und Wertemappings.
Wie Semaino bei BMEcat unterstützt
Wir begleiten Hersteller und Händler bei der vollständigen Umsetzung ihrer BMEcat-Prozesse, von der ersten Datenanalyse bis zur laufenden Katalogpflege. Unser Werkzeug ecatDesigner bildet dabei die technische Grundlage: Es verbindet Ihre Datenquellen wie ERP oder PIM mit den Anforderungen Ihrer Abnehmer und erzeugt BMEcat-konforme Kataloge automatisiert und regelbasiert.
Konkret unterstützen wir Sie bei:
- Der Anbindung Ihrer Datenquellen und der Einrichtung von Merkmalmappings auf BMEcat,ECLASS, ETIM und weitere Standards
- Der Anpassung von Katalogen an die spezifischen Anforderungen einzelner Kunden, Datenpools oder Marktplätze inklusive Abstimmung und Tests
- Versionswechseln bei Klassifikationen, etwa von ECLASS 9 auf ECLASS 10, mit Analyse der betroffenen Klassen und Merkmale
- Der vollständigen Übernahme der Katalogenerierung, wenn internes Know-how fehlt oder Kapazitäten begrenzt sind
- Schulungen und Coaching für Ihre Mitarbeiter rund um elektronische Produktkommunikation und Datenqualität
Semaino bietet ebenfalls die Onboardingseite des Prozesses auf Empfängerseite an.
Wenn Sie also Ihre BMEcat-Prozesse strukturieren oder automatisieren oder Daten aus verschiedenen Quellen (Lieferanten) in Ihr(e) System(e) übernehmen möchten, nehmen Sie Kontakt mit uns auf.. Wir helfen Ihnen gerne, den richtigen Einstieg zu finden.