Wer im B2B-Handel Produktdaten an Kunden, Marktplätze oder Beschaffungsplattformen übermitteln möchte, stößt schnell auf eine Vielzahl von Formaten und Standards. BMEcat, DQR und Open Datacheck (ODC) gehören dabei zu den am häufigsten genannten Begriffen, werden aber oft verwechselt oder falsch eingesetzt.
Dieser Artikel erklärt, was hinter diesen Formaten steckt, wie sie technisch funktionieren und wann welches Format sinnvoll ist. Sie lernen außerdem, welche Fehler in der Praxis häufig auftreten und wie Sie diese Formate in bestehende Datenprozesse einbinden.
Was sind BMEcat, DQR und Open Data Check?
Bevor Sie mit dem elektronischen Produktdatenaustausch beginnen, ist es wichtig, zwischen zwei grundlegenden Konzepten zu unterscheiden: Übertragungsformaten und Austauschplattformen. BMEcat ist ein Übertragungsformat, DQR ist eine Datenqualitätsrichtlinie und Open Data Checkist eine Plattform. Diese drei Dinge erfüllen unterschiedliche Aufgaben, auch wenn sie im Alltag oft in einem Atemzug genannt werden.
BMEcat
BMEcat ist ein XML-basiertes Standardformat für den elektronischen Produktdatenaustausch, das vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) entwickelt wurde. Es definiert, wie Produktinformationen strukturiert und übertragen werden: von Artikelnummern und Preisen über Logistikdaten bis hin zu technischen Merkmalen. BMEcat ist branchenübergreifend einsetzbar und bildet die Grundlage für viele weitere Formate. Klassifikationssysteme wie ECLASS oder ETIM lassen sich direkt in einen BMEcat-Katalog einbetten.
DQR
Die DQR) ist eine Datenrichtlinie speziell für die SHK-Branche (Sanitär, Heizung, Klima). Sie legt fest, welche Produktdaten in welcher Qualität und Struktur geliefert werden müssen. A
Daten werden nach einem Scoring-Verfahren bewertet, das die Vollständigkeit und Qualität der gelieferten Informationen misst.
Die DQR wird jedes Jahr in einer neuen Version veröffentlicht.
Open Datacheck (ODC)
Open Datacheck ist eine Austauschplattform und basiert auf einer Interpretation der DQR. Sie wird von Herstellern und Händlern in der SHK- und Elektrobranche genutzt, um Produktdaten bereitzustellen und zu prüfen. Für Hersteller ist die Nutzung kostenpflichtig, und die Plattform ist auf den deutschen Markt beschränkt.
Ähnlich wie bei ARGE (ARGE hat eine eigene Interpretation der DQR) unterliegen die Daten einem Scoring-Verfahren, das die Datenqualität bewertet. ODC ähnelt ARGE konzeptionell, ist aber ein eigenständiges System mit eigenen Anforderungen.
Wie funktionieren diese Formate technisch?
Das Verständnis der technischen Grundlagen hilft Ihnen, die richtigen Entscheidungen bei der Datenvorbereitung zu treffen. Jedes der drei Systeme hat eine andere technische Logik.
BMEcat: XML-Struktur und Klassifikationseinbettung
Ein BMEcat-Katalog ist eine XML-Datei mit klar definierten Feldern.
Diese Definitionen gibt es in unterschiedlichen Varianten. Das Format war schon von Anfang an so konzipiert, dass eigene Varianten der jeweiligen BMEcat Spezifikation ermöglicht wurden; derzeit sind es ca. 75 verschiedene.
Der Katalog enthält kaufmännische Daten wie Preise und Bestelleinheiten, Logistikdaten wie Gewicht und Verpackungseinheiten sowie technische Produktbeschreibungen. Klassifikationen wie ECLASS oder ETIM werden als strukturierte Merkmalsblöcke innerhalb des Katalogs abgebildet.
Ein Beispiel: Ein Hersteller von Elektroinstallationsprodukten liefert einen BMEcat 2005 mit ETIM-Klassifikation, in dem jedes Produkt einer ETIM-Klasse zugeordnet ist und die zugehörigen technischen Merkmale wie Nennspannung oder Schutzart enthält.
DQR: Richtlinie mit Scoring
Die DQR definiert die Mindestanforderungen an die Datenqualität.
Jeder gelieferte Datensatz wird anhand eines Punktesystems bewertet. Produkte, die bestimmte Pflichtfelder nicht befüllen, erhalten einen niedrigen Score und werden möglicherweise nicht akzeptiert oder es erfolgen Strafzahlungen.
Open Datacheck: Plattform mit eigenem Regelwerk
Open Datacheck funktioniert ähnlich wie ARGE, ist aber eine eigenständige Plattform mit eigenen Anforderungen. Daten können als Excel-Datei(im Falle von ARGE sind es mehrere .csv Dateien) übertragen werden und werden ebenfalls einem Scoring unterzogen.
Die Plattform richtet sich an Hersteller, die ihre Produktdaten für den deutschen SHK- und Elektromarkt bereitstellen möchten.
Wichtig: Open Data Check ist in erster Linie eine Infrastruktur. Das eigentliche Datenformat, das Sie befüllen, folgt den Vorgaben der DQR, allerdings in einer eigenen Interpretation.
Welches Format passt zu welchem Anwendungsfall?
Aufbauend auf dem technischen Verständnis aus den vorherigen Abschnitten können Sie nun gezielt entscheiden, welches Format für Ihren Anwendungsfall geeignet ist.
Die Wahl hängt von drei Faktoren ab:
- Ihrer Zielbranche,
- Ihrem Zielmarkt und den
- Anforderungen Ihrer Handelspartner.
Konkret:
- BMEcat ist die richtige Wahl, wenn Sie branchenübergreifend Produktdaten austauschen möchten, an E-Procurement-Systeme angebunden werden sollen oder Marktplätze wie Mercateo oder nexmart beliefern. BMEcat ist der am weitesten verbreitete Standard im deutschen B2B-Datenaustausch, aber stellen Sie bitte sicher, welchen BMEcat mit welcher Definition jeweils anzuliefern ist.
- ARGE (BMDG) ist relevant, wenn Sie als Hersteller oder Händler in der SHK-Branche im DACH-Raum tätig sind und Ihre Daten über ARGE-zertifizierte Kanäle bereitstellen möchten. Eine Mitgliedschaft ist Voraussetzung.
- Open Datacheck eignet sich, wenn Sie Produktdaten für den deutschen SHK- oder Elektromarkt auf einer zentralen Plattform bereitstellen möchten, die von Händlern und Großhändlern aktiv genutzt wird.
Für Unternehmen, die in mehreren Branchen aktiv sind, ist es häufig notwendig, mehrere Formate parallel zu bedienen. Ein Hersteller von Elektroinstallationsprodukten kann beispielsweise gleichzeitig BMEcat-Kataloge für E-Procurement-Kunden und Daten für Open Datacheck bereitstellen.
Typische Fehler beim Einsatz dieser Formate
In der Praxis treten beim elektronischen Produktdatenaustausch immer wieder dieselben Fehler auf.
Wer diese kennt, kann sie gezielt vermeiden.
Fehler 1: Format und Klassifikation verwechseln
Ein häufiges Missverständnis ist die Gleichsetzung von BMEcat und ECLASS oder ETIM. BMEcat ist das Übertragungsformat, ECLASS und ETIM sind Klassifikationssysteme. Ein BMEcat-Katalog kann ECLASS-Daten enthalten, aber beides sind separate Konzepte mit unterschiedlichen Aufgaben. Wer diesen Unterschied nicht versteht, riskiert fehlerhafte Katalogkonfigurationen.
Fehler 2: Datenqualität unterschätzen
Sowohl ARGE als auch ODC bewerten Daten anhand eines Scorings. Unternehmen, die nur die technische Struktur erfüllen, aber Pflichtfelder leer lassen, erhalten schlechte Bewertungen oder werden abgelehnt.
Vollständige und konsistente Stammdaten sind keine optionale Ergänzung, sondern eine Grundvoraussetzung.
Fehler 3: Manuelle Aufbereitung für komplexe Formate
Wer Produktdaten manuell in Excel-Tabellen pflegt und daraus BMEcat-Kataloge oder ARGE-Lieferungen erstellt, erzeugt fehleranfällige Prozesse.
Bei größeren Produktportfolios führt das zu Inkonsistenzen, Versionskonflikten und erheblichem Zeitaufwand.
Die zentrale Datenpflege in einem PIM-System, kombiniert mit einer Datensyndikationslösung, z. b. ecatDesigner, reduziert diesen Aufwand erheblich.
Formate in bestehende Datenprozesse integrieren
Die technische Kenntnis der Formate allein reicht nicht aus.
Entscheidend ist, wie Sie BMEcat, ARGE und ODC in Ihre bestehende Systemlandschaft einbinden.
Eine durchdachte Integration verhindert doppelte Datenhaltung und stellt sicher, dass Änderungen an Produktdaten automatisch in alle Ausgabekanäle fließen.
Der empfohlene Ansatz folgt einem klaren Prinzip:
Produktdaten werden zentral in einem PIM-System gepflegt, kaufmännische und logistische Daten kommen aus dem ERP-System. Eine Datensyndikationslösung übernimmt das Mapping auf die jeweiligen Zielformate.
So entsteht ein Workflow, bei dem Sie Daten einmal pflegen und in viele Formate ausgeben.
Für die Ausgabe in verschiedene Formate empfiehlt sich folgende Struktur:
- Datenquellen anbinden: PIM und ERP werden als Quellsysteme konfiguriert. Technische Produktdaten kommen aus dem PIM, Preise und kundenspezifische Daten aus dem ERP.
- Mappings erstellen: Für jedes Zielformat wird ein Mapping definiert, das interne Felder auf die Felder des Zielformats überträgt. Einmal erstellte Mappings lassen sich für verschiedene Kataloge wiederverwenden. An dieser Stelle erfolgt auch die manchmal nötige Definiton der Datentransformation , wenn z. B. aus mm MMT werden muss oder ähnliches.
- Ausgabekonfiguration festlegen: Sie legen fest, welches Format ausgegeben wird, welche Klassifikation eingebettet wird und welche Produkte im Katalog enthalten sind.
- Prozess automatisieren: Der Import aktueller Daten und der Export der Kataloge werden als wiederkehrender Workflow abgebildet. Der einmalige Aufwand für Struktur und Mapping ist hoch, der laufende Betrieb wird zur Routine.
Für Unternehmen, die mehrere Formate parallel bedienen, zahlt sich dieser Ansatz besonders aus.
Ein Hersteller, der gleichzeitig BMEcat-Kataloge für E-Procurement-Kunden, Daten für Open Datacheck und ARGE-konforme Lieferungen bereitstellen muss, profitiert von einer zentralen Datenbasis, aus der alle Ausgaben automatisch abgeleitet werden.
Wie Semaino beim elektronischen Produktdatenaustausch unterstützt
Wir begleiten Hersteller und Händler dabei, den elektronischen Produktdatenaustausch strukturiert und dauerhaft zu lösen. Mit dem ecatDesigner bilden wir den gesamten Prozess ab: von der Anbindung Ihrer Quellsysteme über das Mapping auf Zielformate bis zur automatisierten Ausgabe fertiger Kataloge.
Konkret unterstützen wir Sie bei folgenden Aufgaben:
- Erstellung und Konfiguration von BMEcat-Katalogen mit ECLASS- oder ETIM-Klassifikation
- Aufbereitung und Lieferung von Daten für ARGE (BMDG) und Open Datacheck
- Mapping Ihrer internen PIM- und ERP-Daten auf die Felder der Zielformate
- Aufbau wiederverwendbarer Mappings, die den laufenden Betrieb zur Routine machen
- Beratung zur Datenqualität und Unterstützung bei der Erfüllung von Scoring-Anforderungen
- Schulungen und Coaching für Ihre Mitarbeiter, damit internes Know-how aufgebaut wird
Wenn Sie wissen möchten, wie wir Ihre spezifische Ausgangssituation angehen, nehmen Sie gerne Kontakt auf.