Warum reicht Excel für Produktdaten nicht mehr aus?

Jens Bröking ·
Zerknitterter Tabellenausdruck und verstreute Produktdatenblätter neben einem modernen Software-Dashboard auf schlankem Monitor.

Excel reicht für die Produktdatenverwaltung nicht mehr aus,  weil moderne B2B-Handelsprozesse Datenformate, Klassifikationen und  Austauschfrequenzen erfordern, die weit über die Möglichkeiten einer  Tabellenkalkulation hinausgehen. Sobald Produktdaten an mehrere Kanäle,  Marktplätze oder Kunden mit unterschiedlichen Anforderungen geliefert  werden müssen, wird Excel zur Fehlerquelle statt zum Werkzeug. Die  folgenden Fragen zeigen, wo die Grenzen konkret liegen und ab wann eine  spezialisierte Softwarelösung sinnvoll wird.

Wo scheitert Excel konkret bei der Produktdatenpflege?

Excel scheitert bei der Produktdatenpflege vor allem dort, wo Daten  strukturiert, versioniert, formatiert und automatisiert verarbeitet  werden müssen. Eine Tabellenkalkulation bietet keine Validierungsregeln  für Produktklassifikationen, keine Versionskontrolle bei gleichzeitiger  Bearbeitung durch mehrere Personen und keine automatische Ausgabe in  standardisierte Formate wie BMEcat oder ETIM.

In der Praxis zeigen sich die Grenzen von Excel bei der Produktdatenpflege auf mehreren Ebenen:

  • Fehlende Klassifizierung: Produkte ohne  Klassenzuordnung lassen sich zwar per Filter auf leere Felder  identifizieren, aber eine systematische Prüfung, ob bestehende  Klassifikationen noch zur aktuellen Normversion passen, ist in Excel  nicht möglich.
  • Keine Merkmalsvalidierung: Ob ein Merkmalswert  einer Werteliste entspricht oder ob ein Pflichtmerkmal fehlt, prüft  Excel nicht automatisch. Fehler entstehen unbemerkt.
  • Manuelle Redundanz: Wenn Artikelstammdaten in  mehreren Tabellen gepflegt werden, entstehen zwangsläufig  Inkonsistenzen. Preise, Beschreibungen und technische Merkmale laufen  auseinander.
  • Keine Prozesssteuerung: Freigabeworkflows, Rückmeldungen an Lieferanten oder automatische Importe aus ERP-Systemen lassen sich in Excel nicht abbilden.

Besonders kritisch wird es bei Klassifikationsmigrationen: Wenn eine  neue Version einer Klassifikation erscheint, werden Klassen gelöscht,  verschoben, verfeinert oder verändert. Neue Merkmale kommen hinzu,  Wertelisten ändern sich. In Excel lässt sich dieser Aufwand weder  strukturiert erfassen noch systematisch abarbeiten. Das Ergebnis sind  unvollständige Produktdaten, die Kunden und Marktplätze ablehnen.

Was passiert mit fehlerhaften Produktdaten im B2B-Handel?

Fehlerhafte Produktdaten im B2B-Handel führen direkt zu Zeitverlust,  finanziellem Mehraufwand und unzufriedenen Kunden. Wenn  Artikelinformationen unvollständig oder widersprüchlich sind, entstehen  Rückfragen, Bestellfehler und Retouren. Im schlimmsten Fall werden  Produkte von Marktplätzen oder E-Procurement-Systemen vollständig  abgelehnt.

Die Konsequenzen lassen sich in drei Bereiche gliedern:

Operative Folgen

Falsche Artikelinformationen führen zu Fehllieferungen und erhöhtem  Klärungsaufwand im Kundenservice. Veraltete Kundenstammdaten verursachen Verzögerungen in der Auftragsabwicklung. Jede manuelle Korrektur bindet Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen.

Strategische Folgen

Wer neue Vertriebskanäle wie Amazon Business oder B2B-Marktplätze  erschließen möchte, stößt auf strenge Anforderungen an Datenqualität und Datenstruktur.

Fehlende Pflichtmerkmale, falsche Einheiten oder nicht  normkonforme Klassifikationen führen dazu, dass Produkte nicht gelistet  werden.

Diese Kanäle bleiben verschlossen, solange die Datenbasis nicht  den Anforderungen entspricht.

Hinzu kommt, dass Produktdaten im digitalen B2B-Handel zunehmend zum  Unternehmensgut werden.

Wer seine Daten nicht strukturiert und  verlässlich bereitstellen kann, verliert Wettbewerbsvorteile gegenüber  Lieferanten, die ihre Kataloge automatisiert und normkonform ausliefern.

Wie viele Produktdatenformate muss ein Händler heute beherrschen?

Ein B2B-Händler muss heute je nach Branche und Kundenbasis zwischen  fünf und fünfzehn verschiedene Produktdatenformate beherrschen. Neben  dem weit verbreiteten BMEcat sind Formate wie Datanorm, GS1/XML, , FAB-DIS und branchenspezifische Portallösungen wie ARGE, Open Data Check oder nexmart relevant. Dazu kommen Marktplatzformate wie Amazon und  Klassifikationsstandards wie ECLASS, ETIM oder Proficl@ss.

BMEcat ist dabei das meistgenutzte Übertragungsformat im  deutschsprachigen Raum. Es definiert, wie Produktdaten strukturiert in  einer Datei übertragen werden, von Artikelnummer und Beschreibung bis  hin zu Preisen, Logistikdaten und Bildreferenzen.

Klassifikationsstandards wie ECLASS oder ETIM werden in einen  BMEcat-Katalog eingebettet und beschreiben die inhaltliche Struktur der  Produktmerkmale.

Für Händler bedeutet das:

  • Ein und dasselbe Produkt muss in  unterschiedlichen Formaten, mit unterschiedlichen Pflichtfeldern und  unterschiedlichen Klassifikationsversionen ausgeliefert werden.
  • Kunden  erwarten heute außerdem eine deutlich höhere Aktualisierungsfrequenz als früher.
  • Während früher ein bis zwei Kataloge pro Jahr ausreichten,  verlangen viele Marktplätze und Shops heute tägliche  Datenaktualisierungen. Wer das mit Excel abbilden möchte, produziert  zwangsläufig Fehler und Verzögerungen.

Was ist der Unterschied zwischen einem PIM-System und ecatDesigner ?

Ein PIM-System (Product Information Management) ist das zentrale  Repository, in dem Produktdaten gepflegt, strukturiert und verwaltet  werden.  Eine Software wie  ecatDesigner ist ein Transformationswerkzeug: Sie nimmt Daten aus  PIM, ERP oder anderen Quellen entgegen und wandelt sie in die Formate  und Klassifikationen um, welche Kunden, Marktplätze oder Portale konkret  benötigen.

Der Unterschied liegt in der Funktion:

  • PIM-System: Pflegt und speichert Produktdaten  zentral. Zuständig für Vollständigkeit, Konsistenz und Qualität der  Stammdaten. Keine native Ausgabe in Branchenformate wie BMEcat oder  ETIM.
  • ecatDesigner: Liest Daten aus verschiedenen  Quellen, führt Mappings durch, transformiert Merkmale und Werte, prüft  gegen empfängerspezifische Anforderungen und liefert fertige Kataloge  aus.

In der Praxis ergänzen sich beide Systeme. Viele Unternehmen setzen  ecatDesigner  als Ergänzung zu ihrem PIM-System ein, um daraus  die Produkt- und Katalogdaten abzuleiten, die ihre Kunden benötigen.

Das Mapping von Quellmerkmalen auf Zielmerkmale, die Transformation von  Werten, die Einbettung von Klassifikationsdaten und die Prüfung gegen  Empfängeranforderungen sind Aufgaben, die ein PIM-System allein nicht  übernehmen kann.

Wichtig ist auch die Frage der Datenquellen: ecatDesigner   kann gleichzeitig an PIM und ERP angebunden sein. Kundenspezifische  Preise kommen aus dem ERP, technische Merkmale aus dem PIM. ecatDesigner  führt diese Quellen zusammen und erzeugt daraus einen  vollständigen, normkonformen Katalog.

Wann sollte ein Unternehmen Excel durch eine Softwarelösung ersetzen?

Ein Unternehmen sollte Excel für die Produktdatenverwaltung ersetzen, sobald es Daten an mehr als zwei externe Empfänger mit  unterschiedlichen Formatanforderungen liefert, Klassifikationsstandards  wie ECLASS oder ETIM nutzt oder Lieferantendaten strukturiert übernehmen muss. Spätestens wenn Fehler in Produktdaten regelmäßig zu Rückfragen,  Ablehnungen oder manuellen Korrekturen führen, ist der Wechsel  überfällig.

Konkrete Signale, die auf einen notwendigen Wechsel hinweisen:

  • Marktplätze oder Kunden lehnen Kataloge wegen fehlender oder falscher Attribute ab.
  • Die Aktualisierung von Produktdaten dauert Tage statt Stunden, weil mehrere Tabellen manuell synchronisiert werden müssen.
  • Neue Vertriebskanäle können nicht erschlossen werden, weil die Datenaufbereitung zu aufwendig ist.
  • Klassifikationsversionswechsel (z. B. von ECLASS 9 auf ECLASS 10) lassen sich nicht systematisch abarbeiten.
  • Lieferantendaten kommen in unterschiedlichen Formaten an und werden manuell in interne Strukturen übertragen.

Der Aufwand für eine Softwarelösung ist einmalig hoch, vor allem für  die Strukturdefinition und das initiale Mapping. Der laufende Betrieb  ist danach Routine: Import der aktuellen Daten, automatische Erzeugung  der Kataloge, Auslieferung an die Empfänger. Unternehmen, die diesen  Schritt früh gehen, bauen eine Datenbasis auf, die neue Kanäle und  steigende Komplexität auffängt, anstatt mit jeder neuen Anforderung  erneut in manuelle Prozesse zu investieren.

Es gibt allerdings genormte Austauschformate wie Open Data Check oder FAB-DIS, welche auf Excel basieren, die snd damit natürlich nicht gemeint.

Wie Semaino bei der Produktdatenverwaltung unterstützt

Wir wissen aus langjähriger Praxis, dass der Wechsel von Excel zu  einer strukturierten Produktdatenverwaltung nicht nur eine Softwarefrage ist, sondern ein Organisationsprojekt. Deshalb begleiten wir  Unternehmen von der Analyse des Ist-Zustands bis zur produktiven  Nutzung.

  • Datendrehscheibe für alle gängigen Formate: Mit dem ecatDesigner bilden wir Mappings auf Standards wie BMEcat, ECLASS, ETIM und  Proficl@ss ab und automatisieren die Katalogerstellung für Marktplätze,  Portale und Kunden.
  • Stammdatenberatung: Wir klären, welche Produktdaten für welche Zwecke benötigt werden, wo Lücken bestehen und wie  Pflegeprozesse und Verantwortlichkeiten strukturiert werden sollten.
  • Klassifikationsmigration: Bei Versionswechseln von  Klassifikationsstandards unterstützen wir bei der Analyse betroffener  Klassen, der Identifikation neuer Merkmale und der Umsetzung des neuen  Mappings.
  • Lieferanten-Onboarding: Wir begleiten den gesamten  Prozess der strukturierten Übernahme von Lieferantendaten, von der  Datenstrukturanalyse bis zur automatisierten Qualitätsprüfung.
  • Katalogservice: Für Unternehmen ohne internes Know-how übernehmen wir die vollständige Katalogerstellung als Dienstleistung.

Wenn Sie wissen möchten, welche Schritte für Ihr Unternehmen konkret sinnvoll sind, sprechen Sie uns an. Ein Beratungsgespräch hilft dabei, den tatsächlichen Aufwand realistisch einzuschätzen und einen strukturierten Einstieg zu planen.

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