Wie erstellt man einen FAB-DIS Katalog?

Jens Bröking ·
Strukturierte Datenblätter gehen in ein digitales Katalog-Layout über, minimalistisch auf weißem Schreibtisch, Draufsicht.

Wer Produkte im französischen Markt vertreiben möchte, kommt an FAB-DIS nicht vorbei. Der Standard ist in den Branchen Elektro, Sanitär, Heizung, Baustoffe und Werkzeuge die führende Grundlage für den elektronischen Produktdatenaustausch zwischen Herstellern und Händlern. FAB-DIS 3.0, die aktuelle Version seit 2023, basiert konzeptionell auf dem deutschen BMEcat-Standard, wird jedoch als strukturierte Excel-Datei im XLSX-Format ausgegeben statt als XML-Datei und enthält zusätzliche Daten, die bei der Festlegung des BMEcat Standards noch keine Rolle spielten.

Diese Anleitung zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie einen vollständigen FAB-DIS-Katalog erstellen, validieren und an Ihre Handelspartner übertragen.

Wichtig zu verstehen: FAB-DIS ist kein Klassifikationssystem, sondern ein Übertragungsformat. Die Datei besteht aus mehreren Tabellenblättern, den sogenannten Blöcken, die kaufmännische Daten, Logistikinformationen, Mediendaten und regulatorische Angaben abdecken. Wegen der komplexen Spaltenstrukturen empfiehlt sich von Anfang an eine zentrale Datenpflege, um manuelle Fehler zu vermeiden.

Voraussetzungen und Pflichtfelder im FAB-DIS-Format

Bevor Sie mit der eigentlichen Katalogerstellung beginnen, klären Sie die technischen und inhaltlichen Anforderungen. FAB-DIS 3.0 ist seit 2023 kostenpflichtig, das heißt, Sie benötigen zunächst Zugang zur aktuellen Spezifikation. Prüfen Sie außerdem, welche Version Ihr Empfänger erwartet, da FAB-DIS 2.3 in manchen Handelsbeziehungen noch im Einsatz ist.

Stellen Sie sicher, dass folgende Voraussetzungen erfüllt sind, bevor Sie mit der Datenpflege beginnen:

  • Zugang zur aktuellen FAB-DIS-3.0-Spezifikation und den zugehörigen Vorlagendateien
  • Vollständige Artikelstammdaten aus Ihrem ERP- oder PIM-System, inklusive GTIN, Artikelnummern und Beschreibungen
  • ETIM-Klassifikationsdaten, sofern Ihre Produkte klassifiziert werden sollen (ETIM ist in FAB-DIS einbettbar und im Elektro- und SHK-Bereich weit verbreitet)
  • Logistikdaten wie Verpackungseinheiten, Gewichte und Abmessungen
  • Mediendaten wie Produktbilder und Datenblätter mit korrekten Dateinamen und Pfadangaben
  • Regulatorische Angaben, etwa Gefahrstoffkennzeichnungen oder CE-Konformitätserklärungen, soweit für Ihre Produktgruppen relevant
  • Preiskonditionen, falls Sie das optionale CNR-Begleitformat (Conditions Négociées et Remisées) für Rabatte und Preiskonditionen nutzen möchten

Identifizieren Sie anschließend die Pflichtblöcke der FAB-DIS-Datei. Die Spezifikation unterscheidet zwischen obligatorischen und optionalen Tabellenblättern. Obligatorische Blöcke müssen in jeder gültigen Datei vorhanden und vollständig befüllt sein. Fehlen Pflichtfelder, wird die Datei vom Empfänger abgelehnt. Legen Sie intern fest, welche optionalen Blöcke Sie zusätzlich befüllen, und dokumentieren Sie diese Entscheidung für spätere Aktualisierungen.

Produktdaten strukturieren und klassifizieren

Mit den Voraussetzungen geklärt, beginnt die eigentliche Datenaufbereitung. Dieser Schritt ist der aufwändigste im gesamten Prozess, weil er die Qualität des gesamten Katalogs bestimmt. Strukturieren Sie Ihre Produktdaten so, dass sie direkt auf die Spaltenstruktur der FAB-DIS-Blöcke gemappt werden können.

  1. Exportieren Sie Ihre Artikelstammdaten aus dem ERP- oder PIM-System in ein tabellarisches Format und prüfen Sie die Vollständigkeit aller Pflichtfelder je Block.
  2. Bereinigen Sie Inkonsistenzen: Doppelte Artikelnummern, fehlende GTINs oder widersprüchliche Maßangaben führen später zu Validierungsfehlern.
  3. Ordnen Sie jedem Artikel die passende ETIM-Klasse zu, sofern Sie ETIM einbetten. Befüllen Sie die zugehörigen Merkmale (Features) vollständig und mit den korrekten Werten aus dem ETIM-Wertevorrat.
  4. Verknüpfen Sie Mediendaten mit den entsprechenden Artikeln über die in der Spezifikation vorgesehenen Referenzfelder. Achten Sie auf korrekte Dateinamen ohne Sonderzeichen.
  5. Pflegen Sie Logistikdaten auf Verpackungsebene, da FAB-DIS zwischen verschiedenen Verpackungseinheiten unterscheidet und diese Angaben für die Bestellabwicklung beim Händler relevant sind.

ETIM-Klassifikation korrekt einbetten

ETIM ist in FAB-DIS die eingebettete Klassifikation der Wahl und in über 20 Ländern verbreitet. Verwenden Sie ausschließlich die aktuell gültige ETIM-Version, die Ihr Empfänger erwartet. Jede ETIM-Klasse bringt eine definierte Menge an Merkmalen mit. Befüllen Sie diese vollständig, da unvollständige Klassifikationsdaten den Datenscore beim Empfänger senken können.

Prüfen Sie nach der Klassifikation stichprobenartig, ob die Merkmalswerte plausibel sind. Ein Nennstrom von 0 Ampere oder eine Schutzart ohne gültigen IP-Code sind typische Fehler, die bei der manuellen Datenpflege entstehen und erst bei der Validierung auffallen.

FAB-DIS-Datei erzeugen und validieren

Wenn Ihre Produktdaten vollständig strukturiert und klassifiziert sind, erzeugen Sie die eigentliche FAB-DIS-Datei. Befüllen Sie die Tabellenblätter der FAB-DIS-Vorlage in der vorgeschriebenen Reihenfolge und halten Sie sich strikt an die Spaltenbezeichnungen und Datentypen der Spezifikation. Abweichungen in Spaltenköpfen oder Datumsformaten führen zu Importfehlern beim Empfänger.

  1. Öffnen Sie die offizielle FAB-DIS-Vorlagendatei und befüllen Sie zunächst den Header-Block mit Absender- und Empfängerinformationen sowie dem Erstellungsdatum.
  2. Übertragen Sie die Artikeldaten Block für Block in die entsprechenden Tabellenblätter. Beginnen Sie mit dem kaufmännischen Block, gefolgt von Logistik, Medien und regulatorischen Angaben.
  3. Fügen Sie bei Bedarf das CNR-Begleitformat als separate Datei hinzu, wenn Sie individuelle Preiskonditionen übermitteln möchten.
  4. Speichern Sie die Datei im XLSX-Format und prüfen Sie, dass keine Excel-Formeln oder Makros in der Ausgabedatei enthalten sind.

Validierung auf drei Ebenen

Validieren Sie die fertige Datei systematisch, bevor Sie sie ausliefern. Die Validierung läuft auf drei Ebenen ab: Zunächst prüfen Sie die syntaktische Korrektheit der Datei, also ob die XLSX-Struktur fehlerfrei ist und alle Tabellenblätter vorhanden sind. Auf der zweiten Ebene prüfen Sie die Schemakonformität, das heißt, ob alle Pflichtfelder befüllt sind und die Datentypen der Spezifikation entsprechen. Erst wenn diese Ebene fehlerfrei ist, kann der Empfänger die Datei überhaupt einlesen. Die dritte Ebene prüft die inhaltliche Qualität, etwa ob ETIM-Werte gültig sind oder Logistikangaben plausibel erscheinen.

Das Ergebnis einer vollständigen Validierung ist ein strukturierter Report, der Fehler und Lücken aufzeigt. Arbeiten Sie diesen Report systematisch ab und korrigieren Sie Fehler in der Quelldatenbasis, nicht direkt in der FAB-DIS-Datei. Nur so stellen Sie sicher, dass die nächste Katalogversion dieselben Fehler nicht erneut enthält.

Katalog an Empfänger übertragen und testen

Mit einer validierten FAB-DIS-Datei beginnt die Übertragung an den Handelspartner. Klären Sie vorab den bevorzugten Übertragungsweg, da Empfänger unterschiedliche Kanäle nutzen. Gängige Optionen sind SFTP-Übertragung, E-Mail-Versand oder die Einspielung über eine Handelsplattform.

  1. Stimmen Sie mit dem Empfänger den Übertragungskanal, das Zielverzeichnis und die Namenskonvention für die Datei ab. Viele Händler erwarten eine spezifische Dateibezeichnung mit Datum oder Versionsnummer.
  2. Übertragen Sie zunächst einen Testkatalog mit einer begrenzten Anzahl von Artikeln, idealerweise 10 bis 20 repräsentative Produkte aus verschiedenen Produktgruppen.
  3. Fordern Sie vom Empfänger eine Rückmeldung zum Importergebnis an. Viele Händler stellen einen Importreport bereit, der zeigt, welche Artikel erfolgreich eingelesen wurden und welche abgelehnt wurden.
  4. Analysieren Sie abgelehnte Artikel anhand des Importreports und korrigieren Sie die Ursachen in der Quelldatenbasis.
  5. Übertragen Sie nach erfolgreicher Testphase den vollständigen Katalog.

Dokumentieren Sie das Testergebnis und die vorgenommenen Korrekturen. Diese Dokumentation ist bei späteren Aktualisierungen nützlich, weil sie zeigt, welche Anforderungen der jeweilige Empfänger über die Standardspezifikation hinaus stellt.

Wiederkehrende Katalogerstellung automatisieren

Ein FAB-DIS-Katalog ist kein einmaliges Projekt. Preisänderungen, neue Artikel, aktualisierte Logistikdaten und neue ETIM-Versionen erfordern regelmäßige Aktualisierungen. Wer diesen Prozess manuell in Excel pflegt, riskiert Fehler und hohen Zeitaufwand. Die Automatisierung der Katalogerstellung ist daher ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Datenqualität.

Richten Sie einen automatisierten Prozess ein, der folgende Schritte abdeckt:

  • Zentrale Datenbasis: Pflegen Sie alle Produktdaten in einem PIM-System als Single Source of Truth. Änderungen fließen von dort automatisch in alle Ausgabeformate ein.
  • Automatische Formatkonvertierung: Nutzen Sie Data-Syndication-Software, die aus der zentralen Datenbasis automatisch eine konforme FAB-DIS-Datei erzeugt. Das eliminiert manuelle Übertragungsfehler.
  • Integrierte Validierung: Binden Sie die Validierung in den Exportprozess ein, sodass fehlerhafte Kataloge gar nicht erst ausgeliefert werden.
  • Versionsverwaltung: Speichern Sie jede ausgelieferte Katalogversion mit Datum und Empfänger, um bei Rückfragen schnell nachvollziehen zu können, welche Daten zu welchem Zeitpunkt übermittelt wurden.
  • Mehrformatige Ausgabe: Wenn Sie neben dem französischen Markt auch im DACH-Raum aktiv sind, profitieren Sie von einer zentralen Datenbasis, aus der Sie sowohl FAB-DIS als auch BMEcat oder andere Formate automatisch ableiten.

Ein gut aufgesetzter automatisierter Prozess reduziert den Aufwand für jede Katalogaktualisierung erheblich und stellt sicher, dass Ihre Handelspartner stets aktuelle und vollständige Produktdaten erhalten. Überprüfen Sie den Prozess mindestens einmal jährlich, da FAB-DIS-Versionen und ETIM-Releases regelmäßig aktualisiert werden und Ihre Ausgabelogik entsprechend angepasst werden muss.

FAB-DIS-Kataloge effizient mit semaino umsetzen

Wir wissen aus langjähriger Praxis, dass die größte Herausforderung bei der FAB-DIS-Katalogerstellung nicht das Format selbst ist, sondern die Qualität und Konsistenz der zugrunde liegenden Produktdaten. Genau hier setzen wir an.

  • Unser ecatDESIGNER übernimmt die Konvertierung Ihrer Produktdaten aus PIM-Systemen oder ERP-Exporten direkt in eine konforme FAB-DIS-Datei, inklusive ETIM-Einbettung und automatischer Validierung.
  • Wir unterstützen alle gängigen Ausgabeformate parallel, sodass Sie aus einer zentralen Datenbasis sowohl FAB-DIS für den französischen Markt als auch BMEcat, DATANORM oder GS1-XML für andere Kanäle ableiten können.
  • Wir beraten Sie bei der Analyse Ihrer bestehenden Datenprozesse und helfen Ihnen, einen strukturierten Soll-Zustand zu definieren, der manuelle Eingriffe auf ein Minimum reduziert.
  • Für Unternehmen ohne internes Katalog-Know-how übernehmen wir auf Wunsch die vollständige Katalogerstellung als Dienstleistung.
  • Da wir aktiv an nationalen und internationalen Normungsprozessen mitwirken, sind unsere Lösungen stets auf dem aktuellen Stand der Spezifikationen.

Wenn Sie Ihre FAB-DIS-Katalogerstellung auf eine solide, automatisierte Basis stellen möchten, sprechen Sie uns gerne an. Ein Beratungsgespräch hilft uns, Ihre konkrete Ausgangssituation zu verstehen und den passenden nächsten Schritt zu definieren.

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