Worauf muss man achten, wenn man Produkte richtig klassifizieren möchte?

Jens Bröking ·
Aufgeschlagener Produktkatalog auf weißer Fläche, umgeben von geometrischen Klassifikations-Tags in Grau, Blau und Bernstein, Draufsicht.

Produkte richtig zu klassifizieren bedeutet, sie anhand standardisierter Merkmale einer definierten Produktklasse zuzuordnen, sodass Handelspartner, Systeme und Marktplätze die Daten einheitlich interpretieren können. Wer Produktdaten im B2B-Handel austauscht, kommt an einer sauberen Klassifikation nicht vorbei: Sie ist die Grundlage dafür, dass Produkte in Webshops gefunden, in E-Procurement-Systemen verarbeitet und auf Marktplätzen gelistet werden. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Klassifikationssysteme, häufige Fehler und den Einfluss der Klassifikation auf den Datenaustausch.

Welche Klassifikationssysteme sind im B2B-Handel relevant?

Im B2B-Handel sind vor allem zwei Klassifikationssysteme relevant: ECLASS und ETIM. Beide definieren Produktklassen mit zugeordneten Merkmalen und bilden eine standardisierte Basis für die technische Beschreibung von Produkten. Welches System zum Einsatz kommt, hängt von der Branche und den Anforderungen der Handelspartner ab.

ECLASS ist ein branchenübergreifendes Klassifikationssystem, das in vielen Industriebereichen eingesetzt wird. Es strukturiert Produkte hierarchisch in Klassen und ordnet jeder Klasse spezifische Merkmale zu. Ein Beispiel: Unter der Klasse „Befestigungsmittel“ gibt es die Unterklasse „Schraube“, darunter wiederum „Holzschraube“ mit Merkmalen wie Kopfform, Gewindedurchmesser, Werkstoff und Toleranz. Diese Hierarchie stellt sicher, dass keine zwei Klassen identische Merkmale haben und jedes Produkt eindeutig eingeordnet werden kann.

ETIM ist das dominierende Klassifikationssystem im Elektrogroßhandel und in der Gebäudetechnik. Es wurde ursprünglich für elektrotechnische Produkte entwickelt, deckt heute aber ein breites Spektrum technischer Produkte ab. Proficl@ss spielte früher eine eigenständige Rolle, ist aber weitgehend im ETIM-Standard aufgegangen und daher heute kaum noch relevant.

Beide Systeme unterscheiden zwischen allgemeinen kaufmännischen Merkmalen, die für alle Produkte gelten, und produktspezifischen technischen Merkmalen, die nur für eine bestimmte Klasse definiert sind. Diese Trennung ist wichtig, weil sie verhindert, dass technische Beschreibungen mit logistischen oder kommerziellen Attributen vermischt werden.

Was bedeutet es, ein Produkt korrekt zu klassifizieren?

Ein Produkt korrekt zu klassifizieren bedeutet, es der passenden Produktklasse innerhalb eines Klassifikationssystems zuzuordnen und alle für diese Klasse definierten Merkmale vollständig und konsistent mit Werten zu befüllen. Eine korrekte Klassifikation geht weit über die bloße Vergabe eines Klassencodes hinaus.

Konkret umfasst eine korrekte Klassifikation drei Ebenen:

  • Klassenzuordnung: Das Produkt wird der richtigen, aktuell gültigen Klasse zugeordnet. Klassifikationssysteme wie ECLASS und ETIM werden regelmäßig aktualisiert, Klassen werden verfeinert, verschoben oder gelöscht. Die Zuordnung muss zur verwendeten Version passen.
  • Merkmalsbefüllung: Alle Pflichtmerkmale der Klasse werden mit korrekten Werten befüllt. Klassifikationen definieren, ob ein Wert eine Zahl, eine Einheit (metrisch oder imperial) oder ein Eintrag aus einer Werteliste sein muss. Abweichungen führen zu Validierungsfehlern beim Empfänger.
  • Konsistenz: Die Merkmalswerte stimmen mit den übrigen Produktdaten überein. Ein Produkt, dessen Klassifikationsmerkmale andere Werte ausweisen als die allgemeinen Stammdaten, erzeugt Widersprüche, die Handelspartner nicht automatisch auflösen können.

Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Format und Klassifikation. BMEcat ist ein Übertragungsformat, ECLASS und ETIM sind Klassifikationssysteme. Ein BMEcat-Katalog kann ECLASS-Daten enthalten, aber beides sind separate Konzepte. Wer sagt „wir liefern in ETIM“, meint in der Regel „wir liefern einen BMEcat mit ETIM-Klassifikation“. Diese Ungenauigkeit führt in der Praxis häufig zu Missverständnissen mit Handelspartnern.

Welche Fehler passieren bei der Produktklassifikation am häufigsten?

Die häufigsten Fehler bei der Produktklassifikation sind: veraltete Klassifikationsversionen verwenden, Pflichtmerkmale leer lassen, Format und Klassifikation verwechseln sowie Produkte in Hilfsklassen einordnen, weil keine passende Klasse gefunden wurde. Jeder dieser Fehler hat direkte Auswirkungen auf die Verwertbarkeit der Daten beim Empfänger.

Im Einzelnen zeigen sich folgende Problemmuster besonders häufig:

  • Veraltete Versionen: Klassen werden in neuen Versionen gelöscht, verschoben oder verfeinert. Wer mit einer alten ETIM- oder ECLASS-Version arbeitet, riskiert, dass Produkte in nicht mehr gültigen Klassen klassifiziert sind. Empfänger, die eine neuere Version verwenden, können diese Daten nicht korrekt verarbeiten.
  • Unvollständige Merkmalsbefüllung: Unternehmen, die nur die technische Struktur erfüllen, aber Pflichtfelder leer lassen, erhalten schlechte Bewertungen oder werden von Plattformen abgelehnt. Vollständige Stammdaten sind eine Grundvoraussetzung für die Akzeptanz durch Handelspartner.
  • Hilfsklassen als Ausweg: Wenn keine passende Klasse gefunden wird, landen Produkte in allgemeinen Hilfsklassen. Für Empfänger sind solche Produkte schwer verwertbar, weil keine produktspezifischen Merkmale vorhanden sind.
  • Undokumentiertes Mapping: Wenn die Zuordnung von Quellmerkmalen zu Klassifikationsmerkmalen nicht dokumentiert ist, entstehen bei Systemwechseln oder neuen Klassifikationsversionen stille Fehler, die erst beim Empfänger auffallen.
  • Manuelle Pflege bei großen Sortimenten: Wer Produktdaten manuell in Excel-Tabellen pflegt und daraus Kataloge erstellt, erzeugt fehleranfällige Prozesse. Bei größeren Produktportfolios entstehen Inkonsistenzen und Versionskonflikte, die sich nur schwer kontrollieren lassen.

Wie wirkt sich die Klassifikation auf den Datenaustausch mit Kunden aus?

Eine vollständige und korrekte Klassifikation ist die Voraussetzung dafür, dass Produkte in Webshops gefunden, in E-Procurement-Systemen verarbeitet und auf B2B-Marktplätzen gelistet werden können. Ohne sie scheitert der automatisierte Datenaustausch mit Kunden an der ersten Validierungsstufe.

Kunden und Handelspartner erwarten Produktdaten in einem definierten Format mit einer definierten Klassifikation. Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, wird abgelehnt oder muss aufwendige manuelle Korrekturen vornehmen. Das kostet Zeit auf beiden Seiten und belastet die Geschäftsbeziehung.

Besonders relevant ist dieser Zusammenhang bei Marktplätzen wie Amazon Business, die extrem strenge Anforderungen an Datenqualität und Datenstruktur stellen. Wer die geforderten Attribute nicht schnell und korrekt liefern kann, bleibt diesen Kanälen verschlossen. Dasselbe gilt für E-Procurement-Systeme, die Produktdaten automatisch importieren und dabei auf standardisierte Klassifikationsmerkmale angewiesen sind.

Ein weiterer Aspekt ist die Kanalvielfalt: Jeder Kanal hat eigene Anforderungen an Struktur, Pflichtfelder und Klassifikationsversion. Der richtige Ansatz ist eine zentrale Datenbasis mit kanalspezifischen Ausgaben. Wer einen Kanal als Vorlage für alle anderen nimmt, riskiert, dass Daten für andere Empfänger nicht passen. Das Merkmal-Mapping, also die Zuordnung von Quellmerkmalen zu den Zielmerkmalen des jeweiligen Kanals, muss für jeden Ausgabekanal separat definiert und dokumentiert sein.

Wann sollte man die Klassifikation eines Produkts aktualisieren?

Die Klassifikation eines Produkts sollte aktualisiert werden, wenn eine neue Version des verwendeten Klassifikationssystems erscheint, wenn sich das Produkt selbst ändert oder wenn ein Handelspartner eine andere Klassifikationsversion fordert. Wer diese Auslöser ignoriert, arbeitet mit veralteten Daten, die beim Empfänger zu Fehlern führen.

Klassifikationssysteme wie ECLASS und ETIM werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Neue Versionen bringen neue Klassen, verfeinerte Merkmale und geänderte Wertelisten. Klassen, die in einer älteren Version gültig waren, können in einer neueren Version gelöscht oder in Unterklassen aufgeteilt worden sein. Eine Überprüfung der verwendeten Klassifikationsversion sollte daher fester Bestandteil des Stammdatenprozesses sein.

Darüber hinaus gibt es produktseitige Auslöser: Wenn ein Produkt technisch überarbeitet wird, können sich Merkmale ändern, die eine Neuzuordnung zu einer anderen Klasse erfordern. Auch neue Vertriebskanäle können eine Aktualisierung notwendig machen, wenn der neue Kanal eine andere Klassifikationsversion oder zusätzliche Pflichtmerkmale verlangt.

Praktisch empfiehlt sich ein strukturierter Prozess: Beim Erscheinen einer neuen Klassifikationsversion prüfen, welche der eigenen Produkte betroffen sind, das Mapping aktualisieren und die Ausgaben neu generieren. Wer diesen Prozess automatisiert abbildet, reduziert den laufenden Aufwand erheblich. Der einmalige Aufwand für Struktur und Mapping ist hoch, der laufende Betrieb wird zur Routine.

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Was wir konkret für Sie leisten:

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  • Kanalspezifische Ausgabekonfigurationen, sodass eine zentrale Datenbasis für unterschiedliche Empfänger genutzt werden kann
  • Automatisierte Import- und Exportworkflows, die den laufenden Betrieb von der manuellen Pflege entkoppeln
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