Wer Produktdaten im B2B-Handel elektronisch austauscht, begegnet früher oder später zwei Namen: ETIM xChange und Fab-Dis. Beide gelten als Datenaustauschformate für technische Produkte, doch sie verfolgen unterschiedliche Ansätze, bedienen unterschiedliche Märkte und stellen Unternehmen vor sehr verschiedene Anforderungen. Dieser Artikel erklärt, was die beiden Formate ausmacht, wie sie technisch funktionieren und wann ein Wechsel oder ein paralleler Betrieb sinnvoll ist.
Was sind ETIM xChange und Fab-Dis?
ETIM xChange ist ein Austauschformat, das auf der ETIM-Klassifikation aufbaut. ETIM steht für European Technical Information Model und ist der führende Klassifikationsstandard für technische Produkte in der Elektro-, SHK- und Haustechnikbranche. Die aktuelle Version ETIM 10.0 umfasst 5.640 Klassen und 17.377 Merkmale. ETIM xChange 2.0 ist das neuere, JSON-basierte Übertragungsformat, das speziell für den digitalen Produktdatenaustausch entwickelt wurde und das klassische BMEcat-Format in bestimmten Szenarien ergänzt, aber noch nicht vollständig ersetzt.
Fab-Dis ist ein eigenständiges Datenformat, das 2014 vom französischen Unternehmen Fab-Dis SAS eingeführt wurde. Der Name leitet sich von FABricants (Hersteller) und DIStributeurs (Händler) ab. Fab-Dis ist der führende Standard in Frankreich für den Austausch von Produktinformationen zwischen Herstellern und dem Handel in der Bau-, Industrie- und Infrastrukturbranche. Für internationale Hersteller, die den französischen Markt erschließen möchten, ist Fab-Dis daher ein relevantes Format.
Ein wichtiger Unterschied bereits auf dieser Grundebene: ETIM xChange ist ein Format, das eng mit einer Klassifikation verknüpft ist, während Fab-Dis ein eigenständiges Austauschformat mit eigener Struktur und eigenen Felddefinitionen darstellt.
Wie funktionieren die beiden Formate technisch?
ETIM xChange 2.0 basiert auf JSON, einem modernen, leichtgewichtigen Dateiformat, das sich gut in API-basierte Systemarchitekturen integrieren lässt. Die Produktdaten werden dabei nach ETIM-Klassen und -Merkmalen strukturiert: Jedes Produkt erhält eine ETIM-Klasse zugewiesen, und die zugehörigen technischen Eigenschaften werden über standardisierte Merkmale beschrieben. Das Ergebnis ist ein maschinenlesbarer Datensatz, der ohne manuelle Interpretation direkt in Zielsysteme importiert werden kann.
Der klassische Weg für ETIM-klassifizierte Kataloge verlief bisher über BMEcat als Übertragungsformat. Ein solcher Katalog wird häufig als ETIM-BMEcat bezeichnet. ETIM xChange 2.0 tritt neben diesen bewährten Weg und bietet eine modernere, flexiblere Alternative für Szenarien, in denen JSON-basierte Schnittstellen bevorzugt werden.
Fab-Dis hingegen nutzt ein eigenes, Excel-basiertes Format mit einer fest definierten Feldstruktur. Die Felder decken Produktbeschreibungen, technische Merkmale, Preise, Verpackungseinheiten und logistische Informationen ab. Fab-Dis legt dabei besonderen Wert auf die vollständige Abbildung von Handelsdaten, also nicht nur auf technische Produktmerkmale, sondern auch auf kaufmännische und logistische Attribute.
Datenfluss im Vergleich
Bei ETIM xChange folgt der Datenfluss einem klaren Muster: Produktdaten werden im PIM-System oder ERP gepflegt, auf ETIM-Klassen und -Merkmale gemappt, in das ETIM-xChange-Format exportiert und anschließend an den Empfänger übertragen, zum Beispiel per FTP oder über einen Datenpool.
Bei Fab-Dis ist der Prozess strukturell ähnlich, aber die Zielstruktur unterscheidet sich: Die Daten müssen auf die Fab-Dis-Feldstruktur abgebildet werden, die stärker auf den französischen Handelskontext ausgerichtet ist. Fehlende Pflichtfelder führen bei Fab-Dis häufig zu Validierungsfehlern, da der Standard strenge Anforderungen an die Datenvollständigkeit stellt.
Welche Branchen und Anwendungsfälle passen zu welchem Format?
ETIM xChange ist das richtige Format, wenn Sie technische Produkte in der Elektro-, SHK- oder Haustechnikbranche im deutschsprachigen Raum und in Europa vertreiben. Der Standard ist in diesen Branchen weit verbreitet und wird von Großhändlern, Plattformen und Beschaffungssystemen aktiv gefordert. Wer Produkte über Datenpools oder direkt an Handelspartner in der DACH-Region liefert, arbeitet in der Regel mit ETIM-klassifizierten Katalogen.
Fab-Dis ist das richtige Format, wenn Sie den französischen Markt bedienen oder dort aktiv werden möchten. Hersteller und Händler in der Bau-, Industrie- und Infrastrukturbranche, die Produkte an französische Distributoren oder Handelsplattformen liefern, kommen an Fab-Dis kaum vorbei. Das Format ist in Frankreich so etabliert, dass viele Handelspartner es als Voraussetzung für die Listung verlangen.
- ETIM xChange: Elektro, SHK, Haustechnik, DACH-Raum und Europa, technische Produktmerkmale im Vordergrund
- Fab-Dis: Bau, Industrie, Infrastruktur, primär Frankreich, Kombination aus technischen und kaufmännischen Daten
Ein häufiges Missverständnis: Fab-Dis ist kein TGA-Standard für Deutschland. Das Format ist primär auf den französischen Markt ausgerichtet und sollte nicht mit deutschen oder europäischen Branchenstandards gleichgesetzt werden.
Kernunterschiede zwischen ETIM xChange und Fab-Dis im Vergleich
Aufbauend auf dem Verständnis der technischen Funktionsweise lassen sich die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Formaten klar benennen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Dimensionen im direkten Vergleich.
- Technische Basis: ETIM xChange nutzt JSON, Fab-Dis nutzt ExcelL mit eigener Schemadefinition
- Klassifikationsbindung: ETIM xChange ist direkt an die ETIM-Klassifikation gebunden; Fab-Dis hat eine eigene Feldstruktur ohne externe Klassifikationsbindung,es kann allerdings eine Klassifikation mitgegeben werden (bevorzugt eine aktuelle ETIM Version)
- Geografischer Schwerpunkt: ETIM xChange ist in Europa verbreitet, Fab-Dis ist primär auf Frankreich ausgerichtet
- Dateninhalte: ETIM xChange fokussiert auf technische Produktmerkmale; Fab-Dis bildet zusätzlich kaufmännische und logistische Daten strukturiert ab
- Kosten: Beide Formate sind grundsätzlich nutzbar, aber die Implementierung erfordert in beiden Fällen Mapping-Aufwand und Systemanpassungen
- Verbreitung im DACH-Raum: ETIM xChange ist hier der relevante Standard; Fab-Dis spielt im deutschsprachigen Raum keine wesentliche Rolle
Wichtig zu verstehen: Die beiden Formate konkurrieren in der Praxis selten direkt. Sie bedienen unterschiedliche Märkte und Anforderungen. Die Frage ist daher weniger „welches Format ist besser“, sondern „welches Format fordert mein Handelspartner“.
Wann lohnt sich der Wechsel von Fab-Dis zu ETIM xChange?
Ein Wechsel von Fab-Dis zu ETIM xChange lohnt sich dann, wenn sich Ihr Vertriebsschwerpunkt von Frankreich in Richtung DACH-Raum oder andere europäische Märkte verschiebt. Wenn Ihre Handelspartner zunehmend ETIM-klassifizierte Kataloge fordern und Sie gleichzeitig weniger Volumen über den französischen Markt abwickeln, ist der Wechsel oder eine Ergänzung Ihrer Ausleitungen eine logische Konsequenz.
Ein weiterer Grund für den Wechsel ist die technische Modernisierung. ETIM xChange 2.0 basiert auf JSON und lässt sich leichter in moderne API-Architekturen integrieren als ältere XML-basierte Formate. Wenn Sie Ihre Systemlandschaft ohnehin modernisieren, kann der Umstieg auf ETIM xChange Teil dieser Transformation sein.
Kein Wechsel ist sinnvoll, wenn Sie weiterhin aktiv den französischen Markt bedienen und Ihre Handelspartner dort Fab-Dis als Pflichtformat verlangen. In diesem Fall würde ein vollständiger Wechsel Marktchancen kosten, ohne einen echten Mehrwert zu schaffen.
Beide Formate parallel betreiben: Strategien für den Übergang
Viele Unternehmen befinden sich in einer Übergangsphase, in der sie sowohl den französischen Markt bedienen als auch ETIM-Anforderungen erfüllen müssen. Der parallele Betrieb beider Formate ist technisch möglich und in der Praxis häufig die pragmatischste Lösung.
Die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Parallelbetrieb ist eine saubere, zentrale Datenbasis. Wenn Produktdaten strukturiert im PIM-System oder ERP gepflegt werden, lassen sich daraus verschiedene Ausgabeformate ableiten, ohne dass Daten mehrfach manuell gepflegt werden müssen. Das Mapping auf ETIM-Klassen und -Merkmale einerseits sowie auf die Fab-Dis-Feldstruktur andererseits erfolgt dann als separater Exportprozess.
Praktische Schritte für den Parallelbetrieb
- Produktdaten zentral und vollständig im PIM oder ERP pflegen
- ETIM-Klassifikation für alle relevanten Produkte durchführen und Merkmale befüllen
- Fab-Dis-Pflichtfelder identifizieren und sicherstellen, dass diese Daten in der zentralen Datenbasis vorhanden sind
- Separate Exportprozesse für ETIM xChange und Fab-Dis einrichten
- Validierung beider Ausgaben vor der Übertragung an Handelspartner sicherstellen
Der Übergang von einem Format zum anderen sollte schrittweise erfolgen. Beginnen Sie damit, die ETIM-Klassifikation für Ihre Kernprodukte aufzubauen, während Sie Fab-Dis-Lieferungen weiterhin stabil halten. Sobald die ETIM-Datenbasis belastbar ist, können Sie neue Handelspartner im DACH-Raum direkt mit ETIM xChange bedienen, ohne bestehende Fab-Dis-Prozesse zu unterbrechen.
ETIM xChange und Fab-Dis mit der damexSuite von Semaino umsetzen
Wir bei Semaino unterstützen Hersteller und Händler dabei, beide Formate aus einer zentralen Datenbasis heraus zu bedienen. Ob Sie ETIM xChange für den DACH-Raum oder Fab-Dis für den französischen Markt benötigen, mit unserem ecatDesigner bilden wir die notwendigen Mappings, Exportprozesse und Validierungsschritte strukturiert ab.
Konkret bieten wir Ihnen:
- Mapping Ihrer Produktdaten auf ETIM-Klassen und -Merkmale gemäß der jeweilig aktuellen ETIM Versionen
- Aufbau und Pflege von Fab-Dis-konformen Datenstrukturen für den französischen Markt
- Parallelbetrieb beider Formate aus einer zentralen, bereinigten Datenbasis
- Validierung der Ausgaben vor der Übertragung an Handelspartner oder Datenpools
- Beratung zur Datenqualität und zur schrittweisen Migration zwischen Formaten
Wenn Sie wissen möchten, welches Format für Ihre Handelspartner und Zielmärkte relevant ist und wie Sie den Übergang strukturiert angehen, sprechen Sie uns gerne an. Ein Beratungsgespräch hilft dabei, den konkreten Handlungsbedarf in Ihrer Situation zu klären.