Wie funktioniert die Transformation von Produktdaten in ein einheitliches Zielformat?

Jens Bröking ·
Messingpivot mit fächerförmig ausstrahlenden Metallstäben in paralleler Anordnung auf mattem weißem Untergrund, Draufsicht.

Die Transformation von Produktdaten in ein einheitliches Zielformat funktioniert so: Rohdaten aus einem oder mehreren Quellsystemen werden strukturell analysiert, auf ein gemeinsames Datenmodell gemappt, klassifikatorisch zugeordnet und anschließend in das vom Empfänger geforderte Austauschformat ausgegeben. Dieser Prozess umfasst Formatkonvertierung, Klassifikationsmapping und Datenvalidierung in einem zusammenhängenden Ablauf. Die folgenden Abschnitte erläutern jeden dieser Schritte und zeigen, wo manuelle Ansätze an ihre Grenzen stoßen.

Welche Formate sind typische Zielformate bei der Produktdatentransformation?

Typische Zielformate bei der Produktdatentransformation sind BMEcat, GS1/XML, DATANORM und FAB-DIS. Welches Format konkret gefordert wird, hängt von Branche, Zielmarkt und Handelspartner ab. Ein B2B-Händler muss heute je nach Kundenbasis zwischen fünf und fünfzehn verschiedene Produktdatenformate beherrschen.

BMEcat ist der dominierende Standard im technischen B2B-Großhandel im deutschsprachigen Raum. Er wurde vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik initiiert und ist kostenlos nutzbar. BMEcat beschreibt die Katalogstruktur, also Artikelnummern, Produktbeschreibungen, technische Merkmale, Preise, Lieferbedingungen und Bildreferenzen. Klassifikationsdaten wie ECLASS oder ETIM werden dabei in den Katalog eingebettet. Die aktuelle Version BMEcat 2005 ist rückwärtskompatibel und unterstützt neuere ECLASS-Standards.

GS1/XML ist der internationale Standard für den Produktdatenaustausch, besonders im Konsumgüterhandel, in der Lebensmittelbranche und im Einzelhandel. Er überträgt Produktinformationen wie Beschreibungen, Maße, Gewichte, GTINs als Produktidentifikatoren sowie Preis-, Logistik- und Nachhaltigkeitsdaten. Während BMEcat im DACH-Raum dominiert, ist GS1 der Standard für internationale Handelsbeziehungen.

DATANORM ist das bewährte Format für den Datenaustausch zwischen Produktlieferant, Fachgroßhandel und Handwerksbetrieb in den Bereichen Sanitär, Heizung, Klima, Elektro und Baunebengewerbe. Es überträgt Artikel- und Preiskataloge in strukturierten Textdateien, die Handwerker direkt in ihre Kalkulationssoftware importieren können. DATANORM ist deutlich einfacher strukturiert als BMEcat und wird zunehmend durch modernere Standards wie Open Masterdata ergänzt, bleibt aber im SHK- und Elektrobereich weiterhin weit verbreitet.

FAB-DIS ist der führende Produktdaten-Austauschstandard in Frankreich für die Baubranche und Gebäudetechnik. Wer französische Handelspartner oder Marktplätze bedienen möchte, kommt an diesem Format nicht vorbei. Hinzu kommen plattformspezifische Formate wie Amazon-Produktdatenblätter, die eigene Attributstrukturen und Pflichtfelder mitbringen.

Wie werden Produktdaten aus verschiedenen Quellsystemen zusammengeführt?

Produktdaten aus verschiedenen Quellsystemen werden zusammengeführt, indem zunächst alle relevanten Datenquellen identifiziert und ihre Strukturen analysiert werden. Anschließend erfolgt ein Mapping auf ein gemeinsames internes Datenmodell, das als Zwischenschicht zwischen Quell- und Zielformat dient. Erst auf Basis dieses harmonisierten Modells wird das Zielformat erzeugt.

In der Praxis liefern ERP-Systeme Artikelstammdaten und Preise, PIM-Systeme enthalten Produktbeschreibungen und Mediendaten, und Lieferantenkataloge bringen eigene Klassifikationen und Merkmalsstrukturen mit. Diese Daten liegen selten in derselben Struktur vor. Ein Artikel kann im ERP unter einer internen Nummer geführt werden, während der Lieferant dieselbe Position unter einer anderen Bezeichnung und Klassifikation übermittelt.

Die Zusammenführung erfordert deshalb klare Mapping-Regeln: Welches Quellfeld entspricht welchem Zielfeld? Wie werden abweichende Einheiten normiert? Welche Datenquelle hat bei Konflikten Vorrang? Diese Regeln müssen einmalig definiert und dann systematisch auf alle eingehenden Datensätze angewendet werden. Ohne eine solche Datendrehscheibe entstehen bei der Pflege in mehreren Tabellen zwangsläufig Inkonsistenzen.

Was passiert bei der Klassifikationszuordnung während der Transformation?

Bei der Klassifikationszuordnung während der Transformation werden Produkte einer normierten Produktklasse zugewiesen und ihre Merkmale entsprechend der Klassifikationsstruktur befüllt. Dieser Schritt ist notwendig, weil viele Zielformate und Marktplätze eine standardisierte Klassifikation voraussetzen, ohne die Produkte nicht gelistet werden.

Die gängigen Klassifikationsstandards im B2B-Bereich sind ECLASS und ETIM. ECLASS ist ein branchenübergreifender Standard, der Produkte hierarchisch in Klassen einteilt und für jede Klasse definierte Merkmale mit Wertelisten vorgibt. ETIM ist der Standard speziell für die Elektrotechnik und verwandte Branchen und empfiehlt BMEcat als Übertragungsformat für ETIM-klassifizierte Daten. Proficl@ss spielt heute kaum noch eine eigenständige Rolle, da dieser Standard in ETIM aufgegangen ist.

Das eigentliche Problem bei der Klassifikationszuordnung entsteht, wenn Quell- und Zielklassifikation nicht übereinstimmen. Ein Lieferant liefert Daten in ECLASS 9.0, der Handelspartner erwartet ECLASS 11. Klassen können zwischen Versionen gelöscht, verschoben, verfeinert oder verändert worden sein. Dieses Klassifikationsmapping muss strukturiert erfasst und systematisch abgearbeitet werden. Hinzu kommt, dass Merkmalswerte gegen Wertelisten validiert werden müssen und Pflichtmerkmale vollständig befüllt sein müssen, bevor die Ausgabe im Zielformat erfolgen kann.

Warum scheitert die manuelle Formatkonvertierung in der Praxis?

Die manuelle Formatkonvertierung scheitert in der Praxis, weil sie bei steigender Formatanzahl, häufigeren Aktualisierungszyklen und wachsenden Klassifikationsanforderungen nicht mehr skaliert. Was bei einem Format und einem Handelspartner noch funktioniert, wird bei fünf Formaten und täglichen Datenaktualisierungen zum Engpass.

Konkret zeigen sich folgende Schwachstellen:

  • Merkmalswerte werden nicht automatisch gegen Wertelisten validiert, sodass fehlerhafte Einträge unbemerkt in das Zielformat gelangen.
  • Pflichtmerkmale werden nicht systematisch geprüft, was dazu führt, dass Produkte auf Marktplätzen oder in E-Procurement-Systemen nicht gelistet werden.
  • Freigabeworkflows, Rückmeldungen an Lieferanten oder automatische Importe aus ERP-Systemen lassen sich manuell nicht abbilden.
  • Bei Klassifikationsmigrationen lässt sich der Aufwand manuell weder strukturiert erfassen noch systematisch abarbeiten.
  • Wenn Artikelstammdaten in mehreren Tabellen gepflegt werden, entstehen zwangsläufig Inkonsistenzen.

Viele Marktplätze und Shops erwarten heute tägliche Datenaktualisierungen. Früher reichten ein bis zwei Kataloge pro Jahr aus. Wer diesen Rhythmus manuell bedienen will, bindet erhebliche personelle Ressourcen und riskiert trotzdem Fehler. Falsche Artikelinformationen führen zu Fehllieferungen und erhöhtem Klärungsaufwand. Fehlende Pflichtmerkmale oder nicht normkonforme Klassifikationen schließen Produkte von wichtigen Vertriebskanälen aus.

Welche Rolle spielt die Datenvalidierung vor der Ausgabe im Zielformat?

Die Datenvalidierung vor der Ausgabe im Zielformat stellt sicher, dass nur vollständige, normkonforme und strukturell korrekte Produktdaten an den Empfänger übermittelt werden. Sie ist der letzte Kontrollpunkt im Transformationsprozess und verhindert, dass fehlerhafte Daten Folgefehler beim Handelspartner oder auf dem Marktplatz auslösen.

Eine wirksame Validierung prüft mehrere Ebenen gleichzeitig. Auf der strukturellen Ebene wird geprüft, ob alle Pflichtfelder des Zielformats befüllt sind und ob die Datentypen korrekt sind, also ob ein Zahlenfeld tatsächlich eine Zahl enthält. Auf der inhaltlichen Ebene werden Merkmalswerte gegen die vorgegebenen Wertelisten der Klassifikation geprüft. Auf der normativen Ebene wird sichergestellt, dass Einheiten korrekt angegeben sind und die Klassifikationszuordnung der aktuellen Standardversion entspricht.

Ohne diese Validierung riskieren Unternehmen, dass Produkte auf Marktplätzen abgelehnt werden, E-Procurement-Systeme den Import verweigern oder Handelspartner Rückfragen stellen, die Zeit und Ressourcen kosten. Wer Produktdaten nicht strukturiert und verlässlich bereitstellen kann, verliert Wettbewerbsvorteile gegenüber Lieferanten, die ihre Kataloge automatisiert und normkonform ausliefern.

Wann lohnt sich eine Softwarelösung gegenüber einer individuellen Eigenentwicklung?

Eine Softwarelösung lohnt sich gegenüber einer Eigenentwicklung, sobald mehr als zwei Zielformate bedient werden müssen, Klassifikationsstandards regelmäßig aktualisiert werden oder Datenaktualisierungen in kurzen Zyklen erfolgen sollen. Eigenentwicklungen sind bei stabilen, einfachen Anforderungen vertretbar, stoßen aber bei wachsender Formatvielfalt und Normänderungen schnell an Wartungsgrenzen.

Der Aufwand für eine Eigenentwicklung wird häufig unterschätzt. Neben der initialen Implementierung der Formatlogik müssen Klassifikationsupdates eingepflegt, neue Formatversionen integriert und Validierungsregeln aktuell gehalten werden. Jede neue Normversion, jede neue Marktplatzanforderung und jeder neue Handelspartner erfordert Entwicklungsaufwand. Dieser Aufwand fällt bei einer spezialisierten Softwarelösung weg, weil Formatupdates und Normänderungen vom Anbieter übernommen werden.

Eigenentwicklungen können sinnvoll sein, wenn die Anforderungen sehr spezifisch sind, keine Standardlösung passt oder die interne IT-Kapazität vorhanden ist, um die Lösung dauerhaft zu pflegen. In den meisten B2B-Handelsunternehmen ist das jedoch nicht der Fall. Hier überwiegen die Vorteile einer Standardsoftware: geringerer Einführungsaufwand, sofortige Unterstützung gängiger Formate, integrierte Validierung und Wartung durch den Anbieter.

Mit semaino Produktdaten strukturiert und normkonform transformieren

Wir bei semaino unterstützen B2B-Hersteller und Händler dabei, Produktdaten aus unterschiedlichen Quellsystemen strukturiert aufzubereiten und normkonform in die geforderten Zielformate zu überführen. Unsere Lösungen sind auf die konkreten Anforderungen des elektronischen Produktdatenaustauschs ausgerichtet, nicht auf generische Datenverwaltung.

  • damexSuite: Unterstützt alle gängigen Austauschformate wie BMEcat, GS1/XML, DATANORM, FAB-DIS und Amazon sowie die Anbindung an Klassifikationsstandards wie ECLASS und ETIM.
  • ecatDesigner: Funktioniert als Datendrehscheibe für das Mapping zwischen Quell- und Zielformaten sowie zwischen verschiedenen Klassifikationen, auch als Ergänzung zu bestehenden PIM-Systemen.
  • Normungsarbeit: Wir arbeiten aktiv an nationalen, europäischen und internationalen Standards mit, sodass unsere Kunden bei Formatupdates und neuen Normversionen immer auf dem aktuellen Stand sind.
  • Beratung und Dienstleistung: Wir analysieren den Ist-Zustand Ihrer Datenprozesse, definieren den Soll-Zustand und setzen adäquate Datenprozesse um, einschließlich der vollständigen Katalogerstellung für Unternehmen ohne internes Know-how.
  • Cloud-Betrieb: Neben dem Betrieb durch die eigene IT bieten wir den Betrieb im eigenen Cloud Center an.

Wenn Sie wissen möchten, welche Lösung zu Ihren Anforderungen passt, stehen wir Ihnen gerne für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.

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