Katalogformat und Klassifikation: Zwei Begriffe die im Produktdatenaustausch jeder kennen sollte

Jens Bröking ·
Geometrische Produktkarten in einem strukturierten Raster, sortiert in kategorische Spalten mit verbindenden Linien auf weißer Fläche.

Wer im B2B-Handel Produktdaten elektronisch austauscht,  begegnet früher oder später zwei Begriffen, die auf den ersten Blick  ähnlich klingen, aber grundlegend verschiedene Aufgaben erfüllen:  Katalogformat und Klassifikation. Beide sind notwendig, um Produktdaten  strukturiert und maschinenlesbar zu übertragen. Doch wer die  Unterschiede nicht kennt, läuft Gefahr, Daten falsch aufzubereiten,  Kanäle nicht zu bedienen oder unnötigen Mehraufwand zu erzeugen.

Dieser Artikel erklärt beide Konzepte von Grund auf, zeigt, wie sie  zusammenwirken, und gibt Ihnen eine praktische Orientierung, welche  Kombination für welchen Kanal sinnvoll ist. Am Ende kennen Sie auch die  häufigsten Fehler, die Unternehmen beim Einsatz dieser Standards machen.

Was ist ein Katalogformat im Produktdatenaustausch?

Ein Katalogformat definiert die technische Struktur, in der  Produktdaten von einem System zum anderen übertragen werden. Es legt  fest, welche Felder existieren, wie sie heißen, in welcher Reihenfolge  sie erscheinen und in welchem Dateiformat die Übertragung stattfindet.  Das Katalogformat ist also der Behälter, der die Daten transportiert.

Ein elektronischer Katalog unterscheidet sich grundlegend vom  gedruckten Produktkatalog. Während ein Printkatalog für Menschen  gestaltet ist und visuell interpretiert wird, richtet sich ein  elektronischer Katalog an Maschinen. Der Empfänger muss die Daten  maschinell verarbeiten können. Darstellung und Aufbereitung bestimmt der Empfänger selbst. Das bedeutet: Die Datenqualität und -struktur tragen  die gesamte Last der Kommunikation.

Im B2B-Bereich haben sich mehrere Katalogformate etabliert, die je nach Branche und Region unterschiedlich verbreitet sind:

  • BMEcat: Ein XML-basiertes Format, das  branchenübergreifend im B2B-Bereich eingesetzt wird. Es unterstützt den  gesamten Beschaffungsvorgang von der Bestellung bis zur Abrechnung. Die  aktuell gültige Version ist BMEcat 2005.2 und ist im DACH-Raum sowie  international weit verbreitet.
  • GS1-XML: Wird vor allem im Handel und Retail eingesetzt und ist international verbreitet.
  • DATANORM: Ein Format speziell für die SHK- und Elektrobranche, verbreitet im DACH-Raum.
  • FAB-DIS: Der führende Datenstandard in Frankreich  für den Austausch von Produktinformationen zwischen Herstellern und dem  Handel im Bau- und Industriesektor. FAB-DIS wird als strukturierte  Excel-Datei im XLSX-Format ausgegeben und basiert konzeptionell auf  BMEcat.

Ein konkretes Beispiel: Wenn ein Hersteller einem Großhändler seine  Produktdaten liefert, schickt er keine Word-Datei oder PDF. Er liefert  eine BMEcat-Datei, die das Warenwirtschaftssystem des Händlers direkt  einlesen und verarbeiten kann. Das Format stellt sicher, dass  Artikelnummer, Preis, Beschreibung und Maße an der richtigen Stelle  stehen.

Was ist eine Produktklassifikation und wozu dient sie?

Aufbauend auf dem Verständnis des Katalogformats als  Transportbehälter stellt sich die Frage: Was beschreibt den Inhalt eines Produkts inhaltlich und strukturiert? Genau das ist die Aufgabe der  Produktklassifikation. Eine Klassifikation ordnet Produkte in ein  hierarchisches System von Klassen ein und definiert, welche technischen  Merkmale ein Produkt in einer bestimmten Klasse haben muss.

Stellen Sie sich eine Klassifikation wie ein Formular vor: Für jede  Produktkategorie gibt es ein eigenes Formular mit festgelegten Feldern.  Ein Elektromotor hat andere Pflichtfelder als ein Rohr oder ein  Schalter. Die Klassifikation stellt sicher, dass alle Hersteller  dieselben Merkmale auf dieselbe Weise beschreiben, sodass Händler und  Einkaufssysteme Produkte vergleichen und filtern können.

Die wichtigsten Klassifikationsstandards im B2B-Bereich sind:

  • ETIM (European Technical Information Model): Ein  internationaler, offener und kostenlos nutzbarer Standard, ursprünglich  aus der Elektrobranche. Die aktuelle Version ETIM 10.0 umfasst 5.640  Klassen und 17.377 Merkmale. ETIM ist in über 20 Ländern verbreitet und  wird in den Bereichen Elektro, Heizung, Lüftung, Klimatechnik und  Sanitärtechnik eingesetzt. Hinweis: Der frühere Klassifikationsstandard  Proficl@ss für den Sanitärbereich wurde 2020 vollständig in ETIM Version 8.0 integriert und existiert seither nicht mehr als eigenständiger  Standard.
  • ECLASS: Der einzige weltweit verbreitete  Datenstandard für Waren und Dienstleistungen, der ISO/IEC-normkonform  ist. Das aktuellste Release ist ECLASS 16.0. Im Unterschied zu ETIM ist  die Nutzung von ECLASS lizenzpflichtig.

Ein praktisches Beispiel: Ein Hersteller von Leuchten klassifiziert  sein Produkt in der ETIM-Klasse für Pendelleuchten. Diese Klasse  schreibt vor, dass Merkmale wie Schutzart, Lichtfarbe, Leistung und  Sockeltyp angegeben werden müssen. Ein Händler, der dieselbe  Klassifikation nutzt, kann die Daten direkt in sein System übernehmen,  ohne manuell nachzufragen oder zu interpretieren.

Wie Katalogformat und Klassifikation zusammenwirken

Katalogformat und Klassifikation sind keine Alternativen, sondern  Ergänzungen. Das Format transportiert die Daten, die Klassifikation  strukturiert den Inhalt. Erst wenn beide zusammenwirken, entsteht ein  vollständiger, maschinenlesbarer elektronischer Katalog.

Ein gutes Bild dafür: Das Katalogformat ist der Briefumschlag, die  Klassifikation ist das ausgefüllte Formular darin. Ein Umschlag ohne  Formular transportiert nichts Verwertbares. Ein Formular ohne Umschlag  kommt nicht an.

In der Praxis bedeutet das: Ein ETIM-klassifizierter Katalog wird  typischerweise im BMEcat-Format übertragen. Man spricht dann von einem  ETIM-BMEcat. Die Klassifikationsdaten, also Klassen und Merkmale, sind  dabei als strukturierte Felder innerhalb der BMEcat-Datei eingebettet.  Neu hinzugekommen ist mit ETIM xChange 2.0 ein modernes Austauschformat  auf JSON-Basis, das denselben Inhalt in einer zeitgemäßen technischen  Struktur transportiert.

Für den Datenprozess im Unternehmen bedeutet dieses Zusammenspiel konkret:

  1. Produktdaten werden im PIM-System oder ERP gepflegt.
  2. Die Daten werden auf die Zielklassifikation gemappt, also den richtigen Klassen und Merkmalen zugeordnet.
  3. Das Ergebnis wird in das gewünschte Katalogformat exportiert.
  4. Die fertige Datei wird an den Empfänger übertragen, zum Beispiel per FTP oder über einen Datenpool.

Welches Format und welche Klassifikation für welchen Kanal?

Die Wahl des richtigen Formats und der passenden Klassifikation hängt vom Zielkanal ab. Es gibt keine universelle Kombination, die für alle  Situationen passt. Stattdessen bestimmen Branche, Region und  Handelspartner, welche Standards erwartet werden.

Die folgende Übersicht gibt Ihnen eine erste Orientierung:

  • Elektro- und SHK-Handel in Deutschland: ETIM als  Klassifikation, BMEcat oder DATANORM als Format. Viele Händler und  Portale wie Open Datacheck oder nexmart setzen auf diese Kombination.
  • Branchenübergreifender B2B-Handel: ECLASS als  Klassifikation, BMEcat als Format. Besonders relevant, wenn  internationale oder ISO-konforme Standards gefordert werden.
  • Französischer Markt: FAB-DIS als Format, ETIM als  eingebettete Klassifikation. FAB-DIS 3.0 ist seit 2023 die aktuelle  Version und erstmals kostenpflichtig.
  • Handel und Retail international: GS1-XML als Format, ergänzt durch GDSN-Datenpools für die globale Datensynchronisation.
  • Marktplätze wie Amazon Business: Eigene Formatanforderungen, die häufig spezifische Attributstrukturen verlangen und wenig Spielraum für Abweichungen lassen.

Wichtig zu verstehen: Wer mehrere Kanäle bedienen möchte, muss  dieselben Produktdaten in verschiedene Formate und Klassifikationen  überführen. Das ist kein Fehler im System, sondern die Realität des  modernen B2B-Datenaustauschs. Die Lösung liegt in einem zentralen  Datenprozess, der aus einer einzigen Quelle heraus verschiedene Ausgaben erzeugt.

Typische Fehler beim Einsatz von Formaten und Klassifikationen

Selbst Unternehmen mit langjähriger Erfahrung im  Produktdatenaustausch machen beim Einsatz von Formaten und  Klassifikationen wiederkehrende Fehler. Diese zu kennen, hilft Ihnen,  sie von Anfang an zu vermeiden.

Format und Klassifikation verwechseln

Der häufigste Fehler ist, Format und Klassifikation als dasselbe zu  behandeln. Wer sagt „wir liefern in ETIM“, meint oft „wir liefern einen  BMEcat mit ETIM-Klassifikation“. Diese Ungenauigkeit führt zu  Missverständnissen mit Handelspartnern und fehlerhaften  Datenlieferungen.

Veraltete Versionen verwenden

Klassifikationen werden regelmäßig aktualisiert. Klassen werden  gelöscht, verschoben, verfeinert oder neu hinzugefügt. Wer mit einer  alten ETIM- oder ECLASS-Version arbeitet, riskiert, dass Produkte in  nicht mehr gültigen Klassen klassifiziert sind. Das erzeugt Mehraufwand  bei der Migration und kann dazu führen, dass Daten vom Empfänger  abgelehnt werden.

Unvollständige Klassifizierung

Viele Unternehmen klassifizieren nur einen Teil ihres Sortiments.  Produkte ohne Klassifizierung oder in sogenannten Hilfsklassen, weil  keine passende Klasse gefunden wurde, sind für Empfänger schwer  verwertbar. Eine vollständige Klassifizierung ist Voraussetzung dafür,  dass Produkte in Webshops gefunden und verglichen werden können.

Mapping nicht dokumentieren

Das Mapping, also die Zuordnung von internen Datenfeldern zu den  Feldern des Zielformats, wird häufig einmalig eingerichtet und dann  nicht gepflegt. Wenn sich Quellsysteme ändern oder neue Versionen einer  Klassifikation erscheinen, ist ein undokumentiertes Mapping schwer zu  aktualisieren. Das führt zu stillen Fehlern, die erst beim Empfänger  auffallen.

Einen Kanal als Vorlage für alle nehmen

Wer seinen BMEcat für einen Händler einmal korrekt aufgebaut hat,  neigt dazu, dieselbe Datei leicht angepasst an alle anderen Empfänger zu schicken. Das funktioniert selten. Jeder Kanal hat eigene Anforderungen an Struktur, Pflichtfelder und Klassifikationsversion. Eine zentrale  Datenbasis mit kanalspezifischen Ausgaben ist der richtige Ansatz.

Wie Semaino bei Katalogformat und Klassifikation unterstützt

Wir bei Semaino begleiten Hersteller und Händler dabei, Produktdaten  strukturiert, vollständig und kanalgerecht aufzubereiten. Unser Werkzeug dafür ist der ecatDesigner, eine Datendrehscheibe, die Daten aus PIM- und ERP-Systemen  entgegennimmt, auf die gewünschten Formate und Klassifikationen mappt  und als fertige elektronische Kataloge ausleitet.

Was wir konkret für Sie leisten:

  • Unterstützung bei der Auswahl des richtigen Katalogformats und der passenden Klassifikation für Ihre Zielkanäle
  • Aufbau und Pflege von Mapping-Strukturen zwischen Ihren internen  Datenfeldern und den Anforderungen von BMEcat, DATANORM, FAB-DIS,  GS1-XML und weiteren Formaten
  • Klassifikationsberatung für ETIM und ECLASS, einschließlich Unterstützung bei Versionsmigration
  • Vollständige Katalogerstellung als Dienstleistung, wenn internes Know-how fehlt oder Kapazitäten begrenzt sind
  • Aktive Mitarbeit in Standardisierungsgremien, sodass unsere Kunden immer mit aktuellen Versionen arbeiten

Wenn Sie wissen möchten, wie Ihr aktueller Datenprozess aufgestellt  ist und wo Optimierungspotenzial liegt, sprechen Sie uns an. Wir freuen  uns auf ein Beratungsgespräch.

 

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