Wie erstellt man einen BMEcat Katalog?

Jens Bröking ·
Weiße Katalogblätter mit Produktdaten fächerförmig auf grauem Schreibtisch, Bleistift diagonal darüber, Flat-Lay-Aufnahme.

Einen BMEcat-Katalog erstellt man, indem man Produktdaten aus  bestehenden Quellsystemen wie PIM oder ERP strukturiert auf die Felder  des BMEcat-Formats abbildet, Klassifikationen wie ECLASS oder ETIM  einbindet und die fertige XML-Datei validiert sowie an den Empfänger  überträgt. BMEcat ist das meistgenutzte XML-basierte Austauschformat für elektronische Produktkataloge im B2B-Bereich und bildet die Grundlage  für den Datenaustausch mit Händlern, Marktplätzen und  E-Procurement-Systemen. Die folgenden Abschnitte beantworten die  wichtigsten Fragen rund um Aufbau, Versionswahl,  Klassifikationseinbindung und Automatisierung.

Was sind die Pflichtfelder und Strukturelemente eines BMEcat?

Ein BMEcat-Katalog besteht aus einem Header-Bereich mit Absender- und Empfängerinformationen sowie einem Produktbereich, in dem jeder Artikel mit einer eindeutigen Lieferantenartikelnummer (SUPPLIER_PID), einer  Kurzbeschreibung (DESC_SHORT) und Preisinformationen versehen sein muss. Ohne diese Kernfelder ist eine maschinelle Verarbeitung durch den  Empfänger nicht möglich.

Im Detail gliedert sich ein BMEcat-Dokument in drei Hauptbereiche:

  • HEADER: Enthält Katalogidentifikation, Generierungsdatum, Absender- und Empfängerdaten sowie Spracheinstellungen und Währung.
  • T_NEW_CATALOG / T_UPDATE_PRODUCTS: Der Transaktionstyp bestimmt, ob ein vollständiger Katalog übertragen oder nur Änderungen eingespielt werden.
  • PRODUCT: Jeder Produktdatensatz enthält  Pflichtfelder wie SUPPLIER_PID, DESCRIPTION_SHORT, ORDER_UNIT und  PRICE_DETAILS sowie optionale Felder für Langbeschreibungen, Bilder,  Dokumente, Maße und Gewichte.

Darüber hinaus erlaubt BMEcat die Abbildung von Produkthierarchien  über CATALOG_STRUCTURE-Elemente. Externe Dokumente wie Bilder oder  Datenblätter werden per Referenz eingebunden, nicht direkt in die  XML-Datei eingebettet. Technische Produktmerkmale werden in einem  separaten Container für Klassifikationsdaten untergebracht, was BMEcat  von einfacheren Formaten wie DATANORM unterscheidet. Ein vollständiger  Produktdatensatz enthält neben den kaufmännischen Pflichtfeldern also  auch Verweise auf Mediendateien und, sofern gefordert,  klassifikationsspezifische Merkmale.

Welche BMEcat-Version sollte man verwenden – 1.2 oder 2005?

Für neue Projekte sollten Sie BMEcat 2005 verwenden. Diese Version  ist der aktuelle Standard im technischen B2B-Großhandel im DACH-Raum und bietet gegenüber BMEcat 1.2 erweiterte Möglichkeiten zur Einbindung von Klassifikationen, zur Abbildung komplexerer Produkthierarchien und zur  Übertragung von Nachhaltigkeitsdaten.

BMEcat 1.2 wurde in den frühen 2000er Jahren eingeführt und ist in  vielen älteren Systemen noch verbreitet. Die Version unterstützt  grundlegende Produktdaten, stößt aber bei modernen Anforderungen an ihre Grenzen: Klassifikationen wie ECLASS lassen sich nur eingeschränkt  einbinden, und die Struktur erlaubt keine mehrfachen Klassifikationen  innerhalb eines Katalogs.

BMEcat 2005 behebt diese Einschränkungen. Die Version unterstützt  mehrere Klassifikationen gleichzeitig, bietet einen flexibleren  Merkmalscontainer und ist die Grundlage für viele branchenspezifische  Erweiterungen oder bei spezifischen  Marktplatzanforderungen. Wenn ein Handelspartner keine explizite Vorgabe macht, ist BMEcat 2005 die richtige Wahl. Prüfen Sie dennoch vorab die  Anforderungen des Empfängers, da manche älteren Warenwirtschaftssysteme  weiterhin BMEcat 1.2 erwarten.

Wie bindet man Klassifikationen wie ECLASS oder ETIM in einen BMEcat ein?

Klassifikationen wie ECLASS oder ETIM werden in einem BMEcat-Katalog  als separater Merkmalsblock innerhalb des PRODUCT-Elements eingebunden.  Jedes Produkt erhält dabei eine Klassenzuordnung (z. B. eine  ***ETIM-***Klasse wie EC000666) sowie die zugehörigen Merkmale mit  standardisierten Merkmalskennungen und Werten.

Wichtig ist das Verständnis der Rollenverteilung: BMEcat ist das  Übertragungsformat, also der strukturelle Rahmen. Die Klassifikation ist die inhaltliche Beschreibungssprache für Produkte. BMEcat funktioniert  dabei wie ein Transportbehälter, der die Klassifikation als Ladung  mitführt. Ein Katalog kann mehrere Klassifikationen gleichzeitig  enthalten, etwa ECLASS für einen Empfänger und ETIM für einen anderen,  sofern beide im selben Dokument benötigt werden.

Für die praktische Umsetzung bedeutet das: Sie müssen Ihre internen  Produktmerkmale auf die standardisierten Merkmale der jeweiligen  Klassifikation abbilden. Dieser Prozess wird als Mapping bezeichnet.  Dabei ordnen Sie beispielsweise Ihr internes Feld „Gewindedurchmesser“  dem ***ETIM-***Merkmal EF003563 (Gewindemaß metrisch) zu. Werte müssen dabei häufig transformiert  werden, etwa durch Einheitenumrechnung oder die Zuordnung zu  vordefinierten Wertelisten. Je vollständiger und konsistenter Ihre  internen Daten sind, desto reibungsloser gelingt dieses Mapping.

Welche Tools und Software eignen sich zur BMEcat-Erstellung?

Zur BMEcat-Erstellung eignen sich spezialisierte Katalogwerkzeuge,  die das Mapping von Quelldaten auf das BMEcat-Format unterstützen,  Klassifikationen einbinden und die Ausgabe validieren. Einfache  Texteditor-Lösungen oder manuelle XML-Erstellung sind für produktive  Umgebungen mit vielen Artikeln nicht praktikabel.

In der Praxis kommen vor allem folgende Werkzeugkategorien zum Einsatz:

  • Spezialisierte Katalogwerkzeuge: Software wie der  ecatDesigner bildet Produktdaten aus PIM- und ERP-Systemen per  Drag-and-Drop-Oberfläche auf BMEcat-Felder und Klassifikationsmerkmale  ab. Einmal erstellte Mappings lassen sich für verschiedene Empfänger  wiederverwenden.
  • PIM-Systeme mit Exportfunktion: Systeme wie Akeneo  oder Contentserv bieten XML-Exporte, stoßen aber bei den komplexen  BMEcat-Anforderungen häufig an ihre Grenzen, weswegen sie meist mit Partnern zusammenarbeiten, wie übrigens die meisten PIM Hersteller.
  • ERP-Systeme: SAP und vergleichbare Systeme liefern  Preis- und Logistikdaten, sind aber in der Regel nicht für die  vollständige BMEcat-Generierung ausgelegt und müssen mit einem  Katalogwerkzeug kombiniert werden.

Ein typischer Aufbau kombiniert PIM-Daten für Produktbeschreibungen  und technische Merkmale mit ERP-Daten für kundenspezifische Preise. Das  Katalogwerkzeug übernimmt die Zusammenführung, das Mapping und die  Ausgabe im gewünschten Format. Für Unternehmen, die mehrere Empfänger  mit unterschiedlichen Anforderungen bedienen, ist ein dediziertes  Katalogwerkzeug der effizienteste Ansatz.

Warum wird ein BMEcat vom Empfänger abgelehnt?

Ein BMEcat wird vom Empfänger abgelehnt, wenn Pflichtfelder fehlen,  Feldlängen überschritten werden, Klassifikationsdaten nicht korrekt  strukturiert sind oder die gelieferte Version nicht mit dem erwarteten  Format übereinstimmt. Die häufigsten Ablehnungsgründe lassen sich in  drei Kategorien einteilen.

Strukturelle und formale Fehler

Dazu zählen eine ungültige XML-Struktur, fehlende Pflichtfelder wie  SUPPLIER_PID oder ORDER_UNIT, eine falsche Zeichenkodierung sowie  Feldlängen, die die empfängerspezifischen Vorgaben überschreiten.

Viele  Empfänger definieren eigene Maximalwerte für Textfelder, die von den  allgemeinen BMEcat-Spezifikationen abweichen können.

Aus diesem Grund ist es immer wichtig zu wissen, nach welcher Spezfikation (und welchen Abweichungen) welche BMEcat Version bereitgestellt werden soll.

Inhaltliche und klassifikationsbezogene Fehler

Hier treten Probleme auf, wenn Klassenkennungen veraltet sind,  Merkmale nicht den aktuellen Versionsständen der Klassifikation  entsprechen oder Werte außerhalb der erlaubten Wertelisten liegen.  ECLASS und ETIM werden regelmäßig aktualisiert, und ein Katalog, der auf einer älteren Klassenstruktur basiert, kann von Systemen, die eine  neuere Version erwarten, nicht korrekt verarbeitet werden.

Empfehlenswert ist es, vor der Übertragung eine empfängerspezifische  Validierung durchzuführen. Gute Katalogwerkzeuge prüfen das Ergebnis  gegen die konkreten Anforderungen des jeweiligen Empfängers und  erstellen einen detaillierten Report über alle gefundenen  Unregelmäßigkeiten. Dieser Report hilft dabei, Mapping-Fehler zu  erkennen und Schwachstellen in den Datenquellen zu identifizieren, bevor der Katalog übertragen wird.

Wie hält man einen BMEcat-Katalog aktuell und automatisiert Aktualisierungen?

Einen BMEcat-Katalog hält man aktuell, indem man den  Erstellungsprozess automatisiert: Datenimporte aus PIM und ERP werden  zeit- oder ereignisgesteuert ausgelöst, der Katalog wird automatisch  generiert und validiert und anschließend direkt an den Empfänger  übertragen. Manuelle Eingriffe sind dabei nur noch bei Ausnahmen  erforderlich.

Der Bedarf an häufigen Aktualisierungen hat sich grundlegend  verändert. Während früher ein bis zwei Kataloge pro Jahr oder ein  gedruckter Katalog alle zwei Jahre ausreichten, erwarten viele  Marktplätze und Shops heute eine tägliche Aktualisierung der Daten. Das  stellt neue Anforderungen an die Prozessarchitektur.

Ein automatisierter Prozess folgt typischerweise diesen Schritten:

  1. Datenimport: Aktuelle Daten werden per API oder  Dateiexport aus PIM und ERP in das Katalogwerkzeug übertragen,  zeitgesteuert oder bei Datenänderungen ausgelöst.
  2. Mapping und Generierung: Das Werkzeug wendet die hinterlegten Mappings an und erzeugt den BMEcat automatisch.
  3. Validierung: Der fertige Katalog wird gegen die empfängerspezifischen Anforderungen geprüft. Bei Fehlern wird ein Report erstellt.
  4. Übertragung: Der validierte Katalog wird per FTP, E-Mail oder API an den Empfänger ausgeliefert.
  5. Benachrichtigung: E-Mail-Benachrichtigungen informieren die zuständigen Mitarbeiter über den Prozessstatus, auch bei vollautomatischen Abläufen.

Der einmalige Aufwand liegt in der Strukturdefinition und dem  Mapping, das ist der größte Teil der initialen Arbeit. Die tägliche  Routine beschränkt sich dann auf den automatisierten Import und Export.  Einmal korrekt konfiguriert, läuft der Prozess ohne manuellen Eingriff  und stellt sicher, dass Ihre Handelspartner stets aktuelle Produktdaten  erhalten.

Wie kann Semaino bei der BMEcat-Erstellung unterstützen

Wir begleiten Unternehmen bei der gesamten Prozesskette der  BMEcat-Erstellung, von der Analyse der vorhandenen Datenquellen bis zur  automatisierten Auslieferung an Handelspartner und Marktplätze.

  • Mit dem ecatDesigner bilden wir Ihre PIM- und ERP-Daten per Drag-and-Drop auf BMEcat-Felder  und Klassifikationen wie ECLASS oder ETIM ab, ohne doppelte  Datenhaltung.
  • Wir konfigurieren empfängerspezifische Validierungen, die Ihren  Katalog vor der Übertragung gegen die konkreten Anforderungen jedes  Handelspartners prüfen und einen detaillierten Fehlerreport erstellen.
  • Wir automatisieren den gesamten Erstellungsprozess, von  zeitgesteuerten Datenimporten bis zur automatischen Auslieferung, damit  tägliche Aktualisierungen ohne manuellen Aufwand möglich sind.
  • Wir unterstützen alle gängigen BMEcat-Versionen sowie weitere  Formate wie GS1/XML, DATANORM, FAB-DIS und viele andere,  so dass Sie verschiedene  Empfänger aus einem zentralen Prozess heraus bedienen können.
  • Durch unsere aktive Mitarbeit in Standardisierungsgremien wie ECLASS und weiteren nationalen und internationalen Normungsgremien stellen wir sicher, dass unsere Lösungen stets dem aktuellen Stand der Standards  entsprechen.

Wenn Sie Ihre BMEcat-Prozesse strukturieren oder bestehende Abläufe optimieren möchten, stehen wir Ihnen gerne für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.

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