Wie lassen sich Daten nach ECLASS klassifizieren?

Jens Bröking ·
Hierarchisches Taxonomie-Diagramm aus verschachtelten Quadraten und Rechtecken in Schieferblau und Weiß mit minimalistischem Design.

Produktdaten nach ECLASS zu klassifizieren bedeutet, jedem Produkt eine standardisierte Klasse aus der ECLASS-Hierarchie zuzuweisen und die zugehörigen Merkmale mit konkreten Werten zu befüllen. ECLASS ist der einzige weltweit verbreitete, ISO/IEC-normkonforme Datenstandard für Waren und Dienstleistungen und damit besonders relevant für Unternehmen, die branchenübergreifend oder international Produktdaten austauschen. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Klassifizierungsprozess, typische Fehler und die Abgrenzung zu anderen Standards.

Welche Voraussetzungen müssen Produktdaten für eine ECLASS-Klassifizierung erfüllen?

Produktdaten müssen vor der ECLASS-Klassifizierung strukturiert, vollständig und konsistent vorliegen. Das bedeutet: Jedes Produkt benötigt eine eindeutige Identifikation, eine klare Produktbeschreibung und bereits vorhandene technische Merkmale, die sich den ECLASS-Klassen zuordnen lassen. Unvollständige oder inkonsistente Stammdaten führen dazu, dass Produkte entweder falsch klassifiziert oder von Empfängern abgelehnt werden.

Konkret sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein, bevor Sie mit der Klassifizierung beginnen:

  • Eindeutige Artikelidentifikation: Jedes Produkt braucht eine stabile, eindeutige Artikelnummer als Grundlage für das Mapping.
  • Vollständige Basisbeschreibung: Produktbezeichnung, Kurztext und Langtext müssen vorhanden und korrekt sein.
  • Technische Merkmale im Quellsystem: Werte wie Abmessungen, Werkstoffe oder Leistungsangaben müssen bereits strukturiert vorliegen, nicht nur in Freitextfeldern.
  • Klare Produktkategorie: Sie müssen wissen, in welche Warengruppe ein Produkt fällt, um die richtige ECLASS-Klasse zu finden.
  • Aktuelle ECLASS-Version: Das aktuellste Release ist ECLASS 16.0. Stellen Sie sicher, dass Sie mit einer gültigen Version arbeiten, da Klassen und Merkmale regelmäßig aktualisiert werden.

ECLASS unterscheidet zwischen allgemeinen kaufmännischen Merkmalen, die für alle Produkte gelten, und produktspezifischen technischen Merkmalen, die je nach Klasse variieren. Beide Merkmalskategorien müssen im Quellsystem vorhanden sein, damit eine vollständige Klassifizierung möglich ist.

Wie funktioniert die ECLASS-Hierarchie und wie findet man die richtige Klasse?

ECLASS ist hierarchisch aufgebaut und gliedert Produkte in mehrere Ebenen, von allgemeinen Segmenten bis hin zu spezifischen Produktklassen auf der untersten Ebene. Die richtige Klasse findet man, indem man sich von der obersten Ebene schrittweise nach unten bewegt, bis man die Klasse erreicht, deren zugeordnete Merkmale am besten zum Produkt passen.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht den Aufbau:

  1. Ebene 1 (Segment): Befestigungsmittel
  2. Ebene 2 (Hauptgruppe): Schraube
  3. Ebene 3 (Gruppe/Klasse): Holzschraube

Die unterste Klasse, in diesem Fall Holzschraube, trägt die zugeordneten Merkmale wie Kopflänge, Kopfform, Gewindedurchmesser, Gewinderichtung, Toleranz und Werkstoff. Wichtig: In ECLASS kann es keine zwei Klassen mit identischen Merkmalen geben. Die Merkmalsorientierung ist das zentrale Prinzip der Klassifizierung.

Praktisch sucht man die richtige Klasse über die ECLASS-Suchfunktion im offiziellen ECLASS-Portal oder über spezialisierte Mapping-Werkzeuge. Dabei hilft es, zunächst nach dem Produkttyp zu suchen und dann die vorgeschlagenen Klassen anhand ihrer Merkmale zu vergleichen. Die Klasse, deren Merkmale am vollständigsten mit den tatsächlichen Produkteigenschaften übereinstimmen, ist die richtige Wahl.

Welche Merkmale und Eigenschaften werden bei ECLASS vergeben?

Bei der ECLASS-Klassifizierung werden zwei Arten von Merkmalen vergeben: allgemeine kaufmännische Merkmale, die für alle Produkte gelten, und produktspezifische technische Merkmale, die von der gewählten Klasse abhängen. Jedes Merkmal hat einen eindeutigen Bezeichner, eine definierte Einheit und einen zulässigen Wertebereich.

ECLASS definiert für jede Klasse:

  • Produktklassen und Warengruppen mit eindeutigen Codes (Beispiel: AKF667)
  • Merkmale mit eigenen Identifikatoren (Beispiel:AD931), die beschreiben, welche Eigenschaften ein Produkt haben kann
  • Einheiten, entweder metrisch oder imperial, je nach Anwendungsbereich
  • Werte, entweder als Zahlen oder als Wertelisten mit definierten Ausprägungen

Für eine Holzschraube wären das beispielsweise Merkmale wie Kopflänge (numerischer Wert in Millimeter), Kopfform (Werteliste mit Ausprägungen wie Senkkopf oder Rundkopf), Gewindedurchmesser und Werkstoff. Die Merkmale sind nicht frei wählbar, sondern durch die Klasse vorgegeben. Das sichert die Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Herstellern und Lieferanten.

Pflichtmerkmale müssen zwingend befüllt werden. Produkte, bei denen Pflichtfelder leer bleiben, erhalten schlechte Bewertungen bei Handelspartnern oder werden vollständig abgelehnt. Eine vollständige und konsistente Merkmalsbefüllung ist daher keine optionale Qualitätsstufe, sondern eine Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Produktdatenaustausch.

Was ist der Unterschied zwischen ECLASS, ETIM und Proficl@ss?

ECLASS, ETIM und Proficl@ss sind drei verschiedene Klassifikationssysteme mit unterschiedlichem Fokus und Verbreitung. ECLASS ist branchenübergreifend und ISO/IEC-normkonform, ETIM ist stärker auf technische Produktmerkmale in der Elektro- und Installationstechnik ausgerichtet, und Proficl@ss existiert seit 2020 nicht mehr als eigenständiger Standard.

ECLASS: branchenübergreifend und international

ECLASS ist der einzige weltweit verbreitete, ISO/IEC-normkonforme Standard für Waren und Dienstleistungen. Er ist branchenübergreifend einsetzbar und besonders relevant, wenn internationale oder ISO-konforme Standards gefordert werden. Die Nutzung von ECLASS ist lizenzpflichtig. Das aktuellste Release ist ECLASS 16.0.

ETIM: technisch fokussiert auf Elektro und Installation

ETIM ist stärker auf technische Produktmerkmale fokussiert und in der Elektro-, Installations- und Haustechnikbranche weit verbreitet. Die aktuelle Version ETIM 10.0 umfasst 5.640 Klassen und 17.377 Merkmale. ETIM und ECLASS konkurrieren nicht direkt, sondern kooperieren: Beide Standards haben Mapping-Tabellen zueinander, sodass Daten zwischen den Systemen übertragen werden können.

Proficl@ss war ein Klassifikationsstandard mit Schwerpunkt im SHK-Bereich (Sanitär, Heizung, Klima). Er wurde 2020 vollständig in ETIM 8.0 integriert und existiert seither nicht mehr als eigenständiger Standard. In der aktuellen Praxis spielt Proficl@ss keine relevante Rolle mehr.

Ein weiteres häufiges Missverständnis: ECLASS und BMEcat sind nicht dasselbe. BMEcat ist das Übertragungsformat, ECLASS ist die Klassifikation. Ein BMEcat-Katalog kann ECLASS-Klassifikationsdaten enthalten, aber beides sind separate Konzepte mit unterschiedlichen Aufgaben. BMEcat funktioniert wie ein Transportbehälter, der die Klassifikation als Inhalt trägt.

Wie lässt sich die ECLASS-Klassifizierung automatisieren?

Die ECLASS-Klassifizierung lässt sich automatisieren, indem Quellmerkmale aus PIM- oder ERP-Systemen einmalig auf ECLASS-Zielmerkmale gemappt und dieser Mapping-Prozess als wiederkehrender Workflow abgebildet wird. Der initiale Aufwand für Struktur und Mapping ist hoch, der laufende Betrieb wird danach zur Routine.

Ein strukturierter Automatisierungsprozess folgt typischerweise diesen Schritten:

  1. Quelldaten analysieren: Welche Merkmale liegen im Quellsystem vor, und in welchem Format?
  2. Mapping definieren: Quellmerkmale werden den ECLASS-Zielmerkmalen zugeordnet. Dabei können Werte transformiert werden, zum Beispiel durch Präfixe, Suffixe oder Einheitenumrechnungen.
  3. Ausgabekonfiguration festlegen: Format (zum Beispiel BMEcat), Klassifikationsversion und enthaltene Produkte werden definiert.
  4. Workflow automatisieren: Import aktueller Daten und Export der klassifizierten Kataloge werden als wiederkehrender, automatisierter Prozess eingerichtet.

Wichtig ist, das Mapping zu dokumentieren. Wenn sich Quellsysteme ändern oder eine neue ECLASS-Version erscheint, ist ein undokumentiertes Mapping schwer zu aktualisieren und führt zu Fehlern, die erst beim Empfänger auffallen. Eine zentrale Datenbasis mit kanalspezifischen Ausgaben ist der richtige Ansatz, anstatt jeden Kanal separat zu pflegen.

Welche Fehler entstehen häufig bei der ECLASS-Klassifizierung und wie lassen sie sich vermeiden?

Die häufigsten Fehler bei der ECLASS-Klassifizierung sind das Verwechseln von Format und Klassifikation, das Arbeiten mit veralteten Versionen, unvollständige Merkmalsbefüllung und fehlende Dokumentation des Mappings. Diese Fehler lassen sich durch klare Prozesse, aktuelle Versionen und vollständige Datenpflege vermeiden.

Die wichtigsten Fehlerquellen im Überblick:

  • Format und Klassifikation verwechseln: BMEcat ist das Übertragungsformat, ECLASS ist die Klassifikation. Wer sagt „wir liefern in ECLASS“, meint oft „wir liefern einen BMEcat mit ECLASS-Klassifikation“. Diese Ungenauigkeit führt zu Missverständnissen mit Handelspartnern und fehlerhaften Datenlieferungen.
  • Veraltete Klassifikationsversionen verwenden: Klassen werden regelmäßig gelöscht, verschoben, verfeinert oder neu hinzugefügt. Ein Versionswechsel, zum Beispiel von ECLASS 9 auf ECLASS 10, erfordert eine Überprüfung aller betroffenen Klassen, Merkmale und Wertemappings.
  • Unvollständige Klassifizierung: Produkte ohne Klassifizierung oder in Hilfsklassen sind für Empfänger schwer verwertbar. Eine vollständige Klassifizierung ist Voraussetzung dafür, dass Produkte in Webshops gefunden und verglichen werden können.
  • Pflichtfelder leer lassen: Unternehmen, die nur die technische Struktur erfüllen, aber Pflichtfelder leer lassen, erhalten schlechte Bewertungen oder werden abgelehnt.
  • Mapping nicht dokumentieren: Undokumentierte Mappings sind bei Systemänderungen oder Versionswechseln schwer zu aktualisieren und führen zu stillen Fehlern.
  • Manuelle Aufbereitung für komplexe Formate: Wer Produktdaten manuell in Excel-Tabellen pflegt und daraus Kataloge erstellt, erzeugt fehleranfällige Prozesse. Bei größeren Produktportfolios entstehen Inkonsistenzen, Versionskonflikte und erheblicher Zeitaufwand.

So bringt Semaino Ordnung in Ihre ECLASS-Prozesse

Wir begleiten Hersteller und Händler bei der strukturierten Aufbereitung und dem automatisierten Austausch von Produktdaten nach ECLASS und weiteren Klassifikationsstandards. Unser zentrales Werkzeug ist der ecatDesigner, eine Datendrehscheibe, die Daten aus PIM- und ERP-Systemen entgegennimmt, auf Zielklassifikationen wie ECLASS mappt und als fertige elektronische Kataloge ausleitet.

Was wir konkret für Sie leisten:

  • Merkmalmapping: Wir ordnen Ihre Quellmerkmale den ECLASS-Zielmerkmalen zu, inklusive Wertetransformationen wie Einheitenumrechnungen oder Präfixanpassungen.
  • Formatunterstützung: Wir unterstützen alle gängigen Übertragungsformate, darunter BMEcat in allen Versionen, DATANORM, GS1-XML und weitere.
  • Versionspflege: Da wir aktiv an nationalen und internationalen Normungsprozessen mitwirken, sind unsere Lösungen stets auf dem aktuellen Stand der ECLASS-Versionen.
  • Automatisierung: Wir bilden den Import und Export Ihrer Katalogdaten als wiederkehrenden, automatisierten Workflow ab, sodass der laufende Betrieb zur Routine wird.
  • Beratung und Dienstleistung: Für Unternehmen ohne internes Know-how übernehmen wir die vollständige Katalogerstellung und Datenaufbereitung.

Wenn Sie Ihre ECLASS-Klassifizierung strukturiert aufsetzen oder bestehende Prozesse optimieren möchten, sprechen Sie uns gerne an und vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch.

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