Welche Arten von Produktkatalogen gibt es?

Jens Bröking ·
Gedrucktes Katalog-Heft, digitales Tablet und strukturierte Datenkarte nebeneinander auf weißer Fläche in Blau- und Elfenbeinttönen.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Produktkatalogen: gedruckte Kataloge und digitale bzw. elektronische Kataloge. Im B2B-Handel dominieren heute elektronische Produktkataloge, weil sie maschinell verarbeitbar sind, sich jederzeit aktualisieren lassen und direkt in E-Procurement-Systeme, Webshops oder Marktplätze eingelesen werden können. Die folgenden Abschnitte erklären die wichtigsten Unterschiede, Formate und Einsatzszenarien, die für Hersteller und Händler relevant sind.

Was unterscheidet gedruckte von digitalen Produktkatalogen?

Der grundlegende Unterschied liegt im Empfänger: Ein gedruckter Katalog richtet sich an Menschen, ein digitaler Katalog an Maschinen. Gedruckte Kataloge sind visuell aufbereitet, werden durchgeblättert und erlauben keine automatisierte Weiterverarbeitung. Digitale Kataloge hingegen liefern strukturierte Daten, die Systeme direkt importieren, vergleichen und verarbeiten können.

Gedruckte Kataloge erschienen früher typischerweise alle ein bis zwei Jahre. Nach dem Druck waren sie unveränderlich. Preisänderungen, neue Artikel oder aktualisierte technische Merkmale konnten nicht nachgepflegt werden. Für den Empfänger bedeutete das: manuelle Suche, keine Filtermöglichkeiten, keine maschinelle Auswertung.

Digitale Kataloge kehren dieses Prinzip um. Die Darstellung bestimmt der Empfänger selbst, nicht der Absender. Was zählt, ist die Qualität und Struktur der Daten. Viele Marktplätze und Handelsplattformen erwarten heute sogar tägliche Aktualisierungen. Wer nur einen gedruckten Katalog anbietet, schließt sich damit von automatisierten Beschaffungsprozessen und digitalen Vertriebskanälen aus.

Welche Arten von digitalen Produktkatalogen gibt es?

Digitale Produktkataloge lassen sich nach ihrem Format und Verwendungszweck unterscheiden. Die wichtigsten Typen im B2B-Bereich sind standardisierte Austauschkataloge in Formaten wie z. B: BMEcat oder Marktplätze wie Amazon Business oder Mercateo.

Standardisierte Austauschformate

Standardisierte Katalogformate definieren eine gemeinsame technische Struktur, in der Produktdaten von einem System zum anderen übertragen werden. Sie legen fest, welche Felder existieren, wie sie benannt sind und in welchem Dateiformat die Übertragung stattfindet. BMEcat ist dabei das meistgenutzte XML-basierte Austauschformat im B2B-Bereich und wird von E-Procurement-Systemen, Datenpools und Branchenplattformen wie nexmart als Standardformat vorausgesetzt. DATANORM ist vor allem im Sanitär-, Heizungs- und Klimabereich verbreitet, FAB-DIS ist besonders in Frankreich verbreitetl.

Plattformspezifische Kataloge

Marktplätze wie Amazon Business oder Mercateo verlangen eigene Datenformate und Attributstrukturen, die von allgemeinen Austauschformaten abweichen. Diese plattformspezifischen Kataloge folgen den Vorgaben des jeweiligen Betreibers und erfordern ein gezieltes Mapping der Produktdaten auf die geforderten Felder und Kategorien. Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, erhält keinen Zugang zum Kanal.

Was ist ein elektronischer Produktkatalog im B2B-Handel?

Ein elektronischer Produktkatalog im B2B-Handel ist eine digitale, maschinenlesbare Datei, die strukturierte Produktdaten wie Artikelnummern, Beschreibungen, Preise und technische Merkmale in einem standardisierten Format enthält. Er ermöglicht den automatisierten Austausch von Produktinformationen zwischen Herstellern, Händlern und Beschaffungsplattformen.

Im Gegensatz zum gedruckten Katalog tragen beim elektronischen Katalog die Datenqualität und -struktur die gesamte Last der Kommunikation. Der Empfänger bestimmt, wie die Daten dargestellt werden. Das bedeutet: Unvollständige oder falsch strukturierte Daten führen direkt zu Importfehlern, abgelehnten Katalogen oder fehlerhaften Produktdarstellungen beim Empfänger.

Elektronische Kataloge können kaufmännische Daten wie Preise, Steuerklassen und Mindestbestellmengen, beschreibende Texte, technische Merkmale, Logistikdaten sowie Verweise auf Medien wie Produktbilder oder Datenblätter enthalten. Klassifikationsdaten nach Standards wie ECLASS oder ETIM werden als strukturierter Merkmalsblock eingebunden und ermöglichen den maschinellen Vergleich und die Filterung von Produkten.

Welches Katalogformat ist für welchen Vertriebskanal geeignet?

Die Wahl des Katalogformats hängt direkt vom Vertriebskanal und den Anforderungen des Empfängers ab. BMEcat eignet sich für E-Procurement-Systeme, Datenpools und Branchenplattformen. DATANORM ist der Standard im SHK-Großhandel Marktplätze wie Amazon Business oder große Einzelhandelsketten verlangen eigene, plattformspezifische Formate.

Eine Orientierung nach Kanal:

  • E-Procurement-Systeme und B2B-Plattformen: BMEcat 2005 ist hier der weitverbreitete Standard. Viele Systeme setzen ihn als Mindestanforderung voraus.
  • SHK-Großhandel (Sanitär, Heizung, Klima): DATANORM ist das etablierte Format, das von den meisten Warenwirtschaftssystemen in dieser Branche direkt verarbeitet wird.
  • GDSN-Datenpools: GS1/XML ist das Format für den Austausch über globale Datenpools wie Atrify oder B’synced.
  • B2B-Marktplätze (Amazon Business, Mercateo): Plattformspezifische Formate mit eigenen Attributvorgaben, die ein gezieltes Mapping erfordern.

Wichtig: Selbst innerhalb eines Formats wie BMEcat existieren rund 75 verschiedene Varianten. Es reicht nicht, einen BMEcat-Katalog zu erstellen. Sie müssen wissen, welche spezifische Variante und welche empfängerspezifischen Abweichungen für den jeweiligen Abnehmer gelten.

Wie beeinflusst die Katalogstruktur die Datenqualität?

Die Katalogstruktur beeinflusst die Datenqualität direkt, weil ein falsch strukturierter Katalog beim Empfänger zu Importfehlern, abgelehnten Datensätzen oder fehlerhaften Produktdarstellungen führt. Struktur und Inhalt sind im elektronischen Katalog untrennbar verbunden.

Häufige Ablehnungsgründe für elektronische Kataloge sind strukturelle Fehler wie fehlende Pflichtfelder, falsche Zeichenkodierung oder Feldlängen, die empfängerspezifische Vorgaben überschreiten. Inhaltliche Fehler entstehen, wenn Klassenkennungen veraltet sind, Merkmale nicht dem aktuellen Versionsstand einer Klassifikation entsprechen oder Werte außerhalb erlaubter Wertelisten liegen.

Eine saubere Katalogstruktur beginnt mit dem Mapping: dem Prozess, bei dem Produktdaten aus einem PIM- oder ERP-System den Feldern des Zielformats zugeordnet werden. Wer dieses Mapping einmalig sorgfältig aufsetzt, reduziert den täglichen Pflegeaufwand erheblich. Der größte Aufwand entsteht einmalig bei der Strukturdefinition. Der laufende Betrieb, also der Import aktueller Daten und der Export der Kataloge, wird zur Routine.

Wann sollte ein Unternehmen mehrere Katalogformate parallel pflegen?

Ein Unternehmen sollte mehrere Katalogformate parallel pflegen, sobald es mehr als einen Vertriebskanal mit unterschiedlichen Formatanforderungen bedient. Wer gleichzeitig an eine B2B-Plattform (BMEcat) und einen Marktplatz (plattformspezifisches Format) liefert, kommt an parallelen Formaten nicht vorbei.

Die Herausforderung liegt nicht im Format selbst, sondern in der Datenbasis. Unternehmen, die für jeden Kanal separate Datenpflege betreiben, riskieren Inkonsistenzen: unterschiedliche Beschreibungen, veraltete Preise oder abweichende technische Merkmale je nach Kanal. Der richtige Ansatz ist eine zentrale Datenbasis, aus der alle Formate automatisiert abgeleitet werden.

Praktisch bedeutet das: Produktdaten werden einmal strukturiert und gepflegt, zum Beispiel im PIM-System oder in einer zentralen Datendrehscheibe. Von dort aus werden die verschiedenen Katalogformate für die jeweiligen Empfänger erzeugt. Dieses Prinzip skaliert mit der Anzahl der Kanäle, ohne den Pflegeaufwand proportional zu erhöhen. Wer heute nur einen Kanal bedient, sollte die Datenarchitektur dennoch so aufbauen, dass weitere Formate später ohne Neuaufbau ergänzt werden können.

Mit Semaino vom Datenchaos zur sauberen Katalogauslieferung

Wir begleiten Hersteller und Händler bei der gesamten Prozesskette rund um elektronische Produktkataloge: von der Analyse der bestehenden Datenbasis über die Definition der Zielstruktur bis zur automatisierten Ausleitung in alle relevanten Formate und Kanäle. Unser Werkzeug dafür ist der ecatDesigner, der als zentrale Datendrehscheibe fungiert und Produktdaten aus PIM- und ERP-Systemen in die jeweils geforderten Katalogformate überführt.

Was wir konkret leisten:

  • Formatunterstützung: BMEcat, GS1/XML, DATANORM, FAB-DIS, Amazon und weitere Formate werden vollständig unterstützt.
  • Klassifikationsanbindung: Wir bilden ECLASS, ETIM und weitere Standards korrekt ab und halten diese aktuell, weil wir aktiv an der Normungsarbeit mitwirken.
  • Mapping und Strukturaufbau: Wir setzen das initiale Mapping sorgfältig auf, damit der laufende Betrieb zur Routine wird.
  • Katalogservice: Für Unternehmen ohne internes Know-how übernehmen wir die vollständige Katalogerstellung als Dienstleistung.
  • Cloud-Betrieb: Der Betrieb erfolgt wahlweise in Ihrer eigenen IT oder in unserem Rechenzentrum in Deutschland.

Wenn Sie wissen möchten, welche Katalogformate für Ihre Vertriebskanäle relevant sind und wie Sie Ihre Datenprozesse effizient aufbauen, stehen wir Ihnen gerne für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.

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