DATANORM ist ein standardisiertes Katalogformat für den elektronischen Produktdatenaustausch, das vor allem im deutschen Großhandel für Sanitär, Heizung, Klima und Elektro eingesetzt wird. Es ermöglicht Herstellern und Händlern, Artikelstammdaten, Preise und Logistikdaten in ein einheitliches Format zu übertragen.
Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Aufbau, Versionen, Unterschiede zu anderen Formaten und die praktische Verarbeitung von DATANORM.
Welche Branchen und Unternehmen nutzen DATANORM?
DATANORM wird primär in den Branchen Sanitär, Heizung und Klima (SHK) sowie Elektro eingesetzt und ist im deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Typische Nutzer sind Hersteller technischer Produkte, Großhändler und Fachhandelsunternehmen, die Artikelstammdaten und Preislisten elektronisch mit ihren Handelspartnern austauschen.
Das Format hat sich über Jahrzehnte als Branchenstandard im DACH-Raum etabliert, weil es die spezifischen Anforderungen des technischen Großhandels abbildet: Artikelnummern, Preisgruppen, Verpackungseinheiten und Rabattstaffeln lassen sich strukturiert übertragen. Besonders Großhändler, die täglich Preislisten von Hunderten von Herstellern empfangen und in ihre Warenwirtschaftssysteme einpflegen müssen, profitieren von einem einheitlichen Format.
Neben dem klassischen SHK- und Elektrobereich findet DATANORM auch in angrenzenden Bereichen wie Baustoffen und Werkzeug Anwendung, überall dort, wo technischer Fachhandel und Großhandel eng zusammenarbeiten. Für Unternehmen, die ausschließlich im deutschsprachigen Markt tätig sind, ist DATANORM häufig das erste Format, mit dem sie im elektronischen Datenaustausch in Berührung kommen.
Wie ist eine DATANORM-Datei aufgebaut?
Eine DATANORM-Datei ist eine strukturierte Textdatei, die aus verschiedenen Satzarten besteht. Jede Zeile beginnt mit einem Satzkennzeichen, das den Typ der enthaltenen Information definiert, zum Beispiel Artikelstammdaten, Preise oder Verpackungseinheiten. Die Datei wird als flache Textdatei übertragen, nicht als XML.
Die wichtigsten Satzarten in einer DATANORM-Datei sind:
- Satzart A: Artikelstammdaten wie Artikelnummer, Kurztext und Mengeneinheit
- Satzart B: Ergänzende Artikelinformationen, zum Beispiel Langtext oder technische Hinweise
- Satzart P: Preisdaten, aufgeteilt nach Preisgruppen und Rabattstaffeln
- Satzart T: Textsätze für erweiterte Produktbeschreibungen
- Satzart W: Warengruppen und Klassifikationsinformationen
Jede Zeile folgt einem festen Feldformat mit definierten Positionen und Längen. Das macht DATANORM einfach zu verarbeiten, aber auch wenig flexibel gegenüber individuellen Erweiterungen. Bilder oder umfangreiche technische Merkmale lassen sich im klassischen DATANORM-Format nicht direkt einbetten, was ein wesentlicher Unterschied zu moderneren XML-basierten Formaten ist.
Was ist der Unterschied zwischen DATANORM 4 und DATANORM 5?
DATANORM 4 und DATANORM 5 unterscheiden sich vor allem im Umfang der übertragbaren Informationen und in der Unterstützung moderner Anforderungen. DATANORM 4 ist die ältere, sehr weit verbreitete Version, die auf einfache Artikelstammdaten und Preise ausgerichtet ist. DATANORM 5 erweitert das Format um zusätzliche Satzarten und ermöglicht die Übertragung von mehr Produktinformationen sowie Dateien (z. B. Datenblätter, Bilder etc.)
In der Praxis ist DATANORM 4 nach wie vor das am häufigsten eingesetzte Format, weil es von nahezu allen Warenwirtschaftssystemen im Großhandel unterstützt wird. Viele Hersteller liefern ihre Preislisten noch heute in DATANORM 4, weil die Empfänger dieses Format zuverlässig verarbeiten können.
DATANORM 5 wurde eingeführt, um den gestiegenen Anforderungen an Produktdaten gerecht zu werden. Es unterstützt unter anderem:
- Erweiterte Textfelder für detailliertere Produktbeschreibungen
- Zusätzliche Satzarten für Zubehör- und Ersatzteilbeziehungen
- Verbesserte Unterstützung für Verpackungshierarchien
- Mehr Flexibilität bei der Abbildung von Preisstrukturen
- Unterstützung von Bilddateien, Datenblätter usw.
Trotz dieser Erweiterungen bleibt DATANORM 5 ein textbasiertes Format ohne native Unterstützung für Klassifikationsstandards wie ETIM oder ECLASS. Wer technische Merkmale strukturiert übertragen möchte, stößt auch mit DATANORM 5 an Grenzen und muss auf ergänzende Formate oder modernere Alternativen zurückgreifen.
Wie unterscheidet sich DATANORM von BMEcat?
Der wichtigste Unterschied zwischen DATANORM und BMEcat liegt in der Technologie und im Informationsumfang. DATANORM ist ein textbasiertes Zeilenformat mit festen Feldpositionen, das primär für Preislisten und Artikelstammdaten im technischen Großhandel entwickelt wurde. BMEcat ist ein XML-basiertes Format, das deutlich mehr Informationen strukturiert abbilden kann, darunter technische Merkmale, Klassifikationsdaten und Bildreferenzen.
Technologie und Struktur
DATANORM arbeitet mit festen Zeilenformaten und Satzkennzeichen. Die Datei ist kompakt und schnell zu verarbeiten, aber wenig erweiterbar. BMEcat nutzt XML-Strukturen, die hierarchisch aufgebaut sind und beliebig viele Felder und Erweiterungen aufnehmen können. Das macht BMEcat flexibler, aber auch komplexer in der Implementierung.
Einsatzbereich und Verbreitung
DATANORM ist ein Branchenformat mit starker Verankerung im SHK- und Elektrogroßhandel im deutschsprachigen Raum. BMEcat ist branchenübergreifend einsetzbar und wird von Herstellern, Großhändlern, E-Procurement-Systemen und Online-Marktplätzen genutzt, sowohl im DACH-Raum als auch international. Wer Produktdaten an E-Commerce-Plattformen oder moderne Beschaffungssysteme liefern möchte, kommt an BMEcat in der Regel nicht vorbei.
Welche Herausforderungen entstehen bei der DATANORM-Verarbeitung?
Die Verarbeitung von DATANORM-Dateien bringt in der Praxis mehrere typische Herausforderungen mit sich. Dazu gehören Qualitätsprobleme in den angelieferten Daten, Versionskonflikte zwischen Lieferanten und Empfängern sowie der Aufwand, DATANORM-Daten für moderne digitale Kanäle aufzubereiten.
Konkret treten folgende Probleme häufig auf:
- Unvollständige Artikeldaten: Viele DATANORM-Dateien enthalten nur Pflichtfelder wie Artikelnummer und Kurztext, aber keine vollständigen Produktbeschreibungen oder technischen Merkmale.
- Versionskonflikte: Lieferanten liefern in DATANORM 4, während das empfangende System DATANORM 5 erwartet, oder umgekehrt. Das erfordert manuelle Anpassungen oder automatisierte Konvertierungsregeln.
- Fehlende Klassifikationsdaten: DATANORM enthält keine native Unterstützung für ETIM oder ECLASS. Wer klassifizierte Produktdaten benötigt, muss diese separat beschaffen oder manuell ergänzen.
- Manuelle Korrekturen: Fehlerhafte Preisgruppen, falsche Mengeneinheiten oder inkonsistente Artikelnummern führen dazu, dass Daten vor der Übernahme ins Warenwirtschaftssystem manuell geprüft und korrigiert werden müssen.
- Hohe Lieferantenanzahl: Großhändler empfangen DATANORM-Dateien von Dutzenden oder Hunderten von Lieferanten. Jeder Lieferant nutzt das Format leicht unterschiedlich, was den Aufwand für die Verarbeitung multipliziert.
Hinzu kommt, dass DATANORM als Format für die Anforderungen des digitalen Handels an seine Grenzen stößt. Webshops, E-Procurement-Systeme und B2B-Marktplätze erwarten heute reichhaltige Produktdaten mit Bildern, langen Beschreibungen und strukturierten technischen Merkmalen. Diese Informationen lassen sich aus einer DATANORM-Datei allein nicht gewinnen.
Wie lässt sich DATANORM automatisiert verarbeiten und konvertieren?
DATANORM-Dateien lassen sich automatisiert verarbeiten, indem spezialisierte Software die eingehenden Dateien einliest, auf interne Systemstrukturen mappt und bei Bedarf in andere Formate wie BMEcat oder GS1-XML konvertiert. Der Schlüssel liegt in einem regelbasierten Mapping-Prozess, der die festen Felder der DATANORM-Struktur den Zielfeldern des Empfangssystems zuordnet.
Ein automatisierter Verarbeitungsprozess umfasst typischerweise folgende Schritte:
- Import: Die DATANORM-Datei wird automatisch eingelesen, zum Beispiel per FTP-Abruf oder E-Mail-Eingang.
- Validierung: Das System prüft die Datei auf Vollständigkeit, korrekte Satzarten und Formatkonformität, bevor Daten weiterverarbeitet werden.
- Mapping: Die Felder der DATANORM-Datei werden den Feldern des Zielsystems zugeordnet. Dabei können Regeln definiert werden, zum Beispiel für die Zusammenführung von Kurz- und Langtext oder die Umrechnung von Preisgruppen.
- Konvertierung: Bei Bedarf werden die Daten in ein anderes Format ausgeleitet, etwa BMEcat für die Weitergabe an E-Commerce-Systeme oder ein internes ERP-Format.
- Reporting: Das System erstellt einen Bericht über verarbeitete Datensätze, gefundene Fehler und nicht gemappte Felder, damit Verantwortliche gezielt nacharbeiten können.
Für Unternehmen, die DATANORM-Daten von vielen verschiedenen Lieferanten empfangen, lohnt sich der Aufbau eines zentralen Onboarding-Prozesses. Dabei wird für jeden Lieferanten einmalig ein Mapping konfiguriert, das anschließend bei jeder neuen Dateilieferung automatisch angewendet wird. Das reduziert den manuellen Aufwand erheblich und minimiert Fehler durch inkonsistente manuelle Eingriffe.
Wie Semaino bei der DATANORM-Verarbeitung unterstützt
Wir bei Semaino unterstützen Hersteller und Händler dabei, DATANORM-Daten effizient zu verarbeiten, zu konvertieren und in ihre bestehenden Systemlandschaften zu integrieren. Mit unserem ecatDesigner bieten wir eine Datendrehscheibe, die genau für diese Aufgaben entwickelt wurde.
Konkret unterstützen wir Sie bei folgenden Aufgaben:
- Export und Validierung von DATANORM-Dateien in den Versionen 4 und 5
- Regelbasiertes Mapping von DATANORM-Feldern auf interne PIM- oder ERP-Strukturen
- Konvertierung von DATANORM in andere Formate wie BMEcat, GS1-XML oder lieferantenspezifische Formate
- Automatisierte Verarbeitungsprozesse mit Reporting und E-Mail-Benachrichtigung bei Fehlern
- Beratung zur Datenqualität und zur Optimierung Ihrer Stammdatenprozesse rund um den Produktdatenaustausch
Wenn Sie Ihre DATANORM-Prozesse automatisieren oder Ihre Produktdaten für neue digitale Kanäle aufbereiten möchten, Sie sprechen uns gerne an. Wir helfen Ihnen, den richtigen Ansatz für Ihre Anforderungen zu finden.
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