Was ist DATANORM und wofür wird es eingesetzt?

Jens Bröking ·
Gestapelte Datenblätter mit geometrischen Rasterlinien, verbunden durch ein schlankes Kabel, in Blau- und Grautönen auf weißem Untergrund.

DATANORM ist ein standardisiertes Katalogformat für den elektronischen Produktdatenaustausch, das vor allem im deutschen  Großhandel für Sanitär, Heizung, Klima und Elektro eingesetzt wird. Es ermöglicht Herstellern und Händlern, Artikelstammdaten, Preise und Logistikdaten in ein einheitliches Format zu übertragen.

Dieser  Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Aufbau, Versionen,  Unterschiede zu anderen Formaten und die praktische Verarbeitung von  DATANORM.

Welche Branchen und Unternehmen nutzen DATANORM?

DATANORM wird primär in den Branchen Sanitär, Heizung und Klima (SHK) sowie Elektro eingesetzt und ist im deutschsprachigen Raum weit  verbreitet. Typische Nutzer sind Hersteller technischer Produkte,  Großhändler und Fachhandelsunternehmen, die Artikelstammdaten und  Preislisten elektronisch mit ihren Handelspartnern austauschen.

Das Format hat sich über Jahrzehnte als Branchenstandard im DACH-Raum etabliert, weil es die spezifischen Anforderungen des technischen  Großhandels abbildet: Artikelnummern, Preisgruppen, Verpackungseinheiten und Rabattstaffeln lassen sich strukturiert übertragen. Besonders  Großhändler, die täglich Preislisten von Hunderten von Herstellern  empfangen und in ihre Warenwirtschaftssysteme einpflegen müssen,  profitieren von einem einheitlichen Format.

Neben dem klassischen SHK- und Elektrobereich findet DATANORM auch in angrenzenden Bereichen wie Baustoffen und Werkzeug Anwendung, überall  dort, wo technischer Fachhandel und Großhandel eng zusammenarbeiten. Für Unternehmen, die ausschließlich im deutschsprachigen Markt tätig sind,  ist DATANORM häufig das erste Format, mit dem sie im elektronischen  Datenaustausch in Berührung kommen.

Wie ist eine DATANORM-Datei aufgebaut?

Eine DATANORM-Datei ist eine strukturierte Textdatei, die aus  verschiedenen Satzarten besteht. Jede Zeile beginnt mit einem  Satzkennzeichen, das den Typ der enthaltenen Information definiert, zum  Beispiel Artikelstammdaten, Preise oder Verpackungseinheiten. Die Datei  wird als flache Textdatei übertragen, nicht als XML.

Die wichtigsten Satzarten in einer DATANORM-Datei sind:

  • Satzart A: Artikelstammdaten wie Artikelnummer, Kurztext und Mengeneinheit
  • Satzart B: Ergänzende Artikelinformationen, zum Beispiel Langtext oder technische Hinweise
  • Satzart P: Preisdaten, aufgeteilt nach Preisgruppen und Rabattstaffeln
  • Satzart T: Textsätze für erweiterte Produktbeschreibungen
  • Satzart W: Warengruppen und Klassifikationsinformationen

Jede Zeile folgt einem festen Feldformat mit definierten Positionen  und Längen. Das macht DATANORM einfach zu verarbeiten, aber auch wenig  flexibel gegenüber individuellen Erweiterungen. Bilder oder umfangreiche technische Merkmale lassen sich im klassischen DATANORM-Format nicht  direkt einbetten, was ein wesentlicher Unterschied zu moderneren  XML-basierten Formaten ist.

Was ist der Unterschied zwischen DATANORM 4 und DATANORM 5?

DATANORM 4 und DATANORM 5 unterscheiden sich vor allem im Umfang der  übertragbaren Informationen und in der Unterstützung moderner  Anforderungen. DATANORM 4 ist die ältere, sehr weit verbreitete Version, die auf einfache Artikelstammdaten und Preise ausgerichtet ist.  DATANORM 5 erweitert das Format um zusätzliche Satzarten und ermöglicht  die Übertragung von mehr Produktinformationen sowie Dateien (z. B. Datenblätter, Bilder etc.)

In der Praxis ist DATANORM 4 nach wie vor das am häufigsten  eingesetzte Format, weil es von nahezu allen Warenwirtschaftssystemen im Großhandel unterstützt wird. Viele Hersteller liefern ihre Preislisten  noch heute in DATANORM 4, weil die Empfänger dieses Format zuverlässig  verarbeiten können.

DATANORM 5 wurde eingeführt, um den gestiegenen Anforderungen an Produktdaten gerecht zu werden. Es unterstützt unter anderem:

  • Erweiterte Textfelder für detailliertere Produktbeschreibungen
  • Zusätzliche Satzarten für Zubehör- und Ersatzteilbeziehungen
  • Verbesserte Unterstützung für Verpackungshierarchien
  • Mehr Flexibilität bei der Abbildung von Preisstrukturen
  • Unterstützung von Bilddateien, Datenblätter usw.

Trotz dieser Erweiterungen bleibt DATANORM 5 ein textbasiertes Format ohne native Unterstützung für Klassifikationsstandards wie ETIM oder  ECLASS. Wer technische Merkmale strukturiert übertragen möchte, stößt  auch mit DATANORM 5 an Grenzen und muss auf ergänzende Formate oder  modernere Alternativen zurückgreifen.

Wie unterscheidet sich DATANORM von BMEcat?

Der wichtigste Unterschied zwischen DATANORM und BMEcat liegt in der  Technologie und im Informationsumfang. DATANORM ist ein textbasiertes  Zeilenformat mit festen Feldpositionen, das primär für Preislisten und  Artikelstammdaten im technischen Großhandel entwickelt wurde. BMEcat ist ein XML-basiertes Format, das deutlich mehr Informationen strukturiert  abbilden kann, darunter technische Merkmale, Klassifikationsdaten und  Bildreferenzen.

Technologie und Struktur

DATANORM arbeitet mit festen Zeilenformaten und Satzkennzeichen. Die  Datei ist kompakt und schnell zu verarbeiten, aber wenig erweiterbar.  BMEcat nutzt XML-Strukturen, die hierarchisch aufgebaut sind und  beliebig viele Felder und Erweiterungen aufnehmen können. Das macht  BMEcat flexibler, aber auch komplexer in der Implementierung.

Einsatzbereich und Verbreitung

DATANORM ist ein Branchenformat mit starker Verankerung im SHK- und  Elektrogroßhandel im deutschsprachigen Raum. BMEcat ist  branchenübergreifend einsetzbar und wird von Herstellern, Großhändlern,  E-Procurement-Systemen und Online-Marktplätzen genutzt, sowohl im  DACH-Raum als auch international. Wer Produktdaten an  E-Commerce-Plattformen oder moderne Beschaffungssysteme liefern möchte,  kommt an BMEcat in der Regel nicht vorbei.

Welche Herausforderungen entstehen bei der DATANORM-Verarbeitung?

Die Verarbeitung von DATANORM-Dateien bringt in der Praxis mehrere  typische Herausforderungen mit sich. Dazu gehören Qualitätsprobleme in  den angelieferten Daten, Versionskonflikte zwischen Lieferanten und  Empfängern sowie der Aufwand, DATANORM-Daten für moderne digitale Kanäle aufzubereiten.

Konkret treten folgende Probleme häufig auf:

  • Unvollständige Artikeldaten: Viele DATANORM-Dateien enthalten nur Pflichtfelder wie Artikelnummer und Kurztext, aber keine  vollständigen Produktbeschreibungen oder technischen Merkmale.
  • Versionskonflikte: Lieferanten liefern in DATANORM  4, während das empfangende System DATANORM 5 erwartet, oder umgekehrt.  Das erfordert manuelle Anpassungen oder automatisierte  Konvertierungsregeln.
  • Fehlende Klassifikationsdaten: DATANORM enthält  keine native Unterstützung für ETIM oder ECLASS. Wer klassifizierte  Produktdaten benötigt, muss diese separat beschaffen oder manuell  ergänzen.
  • Manuelle Korrekturen: Fehlerhafte Preisgruppen,  falsche Mengeneinheiten oder inkonsistente Artikelnummern führen dazu,  dass Daten vor der Übernahme ins Warenwirtschaftssystem manuell geprüft  und korrigiert werden müssen.
  • Hohe Lieferantenanzahl: Großhändler empfangen  DATANORM-Dateien von Dutzenden oder Hunderten von Lieferanten. Jeder  Lieferant nutzt das Format leicht unterschiedlich, was den Aufwand für  die Verarbeitung multipliziert.

Hinzu kommt, dass DATANORM als Format für die Anforderungen des  digitalen Handels an seine Grenzen stößt. Webshops,  E-Procurement-Systeme und B2B-Marktplätze erwarten heute reichhaltige  Produktdaten mit Bildern, langen Beschreibungen und strukturierten  technischen Merkmalen. Diese Informationen lassen sich aus einer  DATANORM-Datei allein nicht gewinnen.

Wie lässt sich DATANORM automatisiert verarbeiten und konvertieren?

DATANORM-Dateien lassen sich automatisiert verarbeiten, indem  spezialisierte Software die eingehenden Dateien einliest, auf interne  Systemstrukturen mappt und bei Bedarf in andere Formate wie BMEcat oder  GS1-XML konvertiert. Der Schlüssel liegt in einem regelbasierten  Mapping-Prozess, der die festen Felder der DATANORM-Struktur den  Zielfeldern des Empfangssystems zuordnet.

Ein automatisierter Verarbeitungsprozess umfasst typischerweise folgende Schritte:

  1. Import: Die DATANORM-Datei wird automatisch eingelesen, zum Beispiel per FTP-Abruf oder E-Mail-Eingang.
  2. Validierung: Das System prüft die Datei auf Vollständigkeit, korrekte Satzarten und Formatkonformität, bevor Daten weiterverarbeitet werden.
  3. Mapping: Die Felder der DATANORM-Datei werden den  Feldern des Zielsystems zugeordnet. Dabei können Regeln definiert  werden, zum Beispiel für die Zusammenführung von Kurz- und Langtext oder die Umrechnung von Preisgruppen.
  4. Konvertierung: Bei Bedarf werden die Daten in ein  anderes Format ausgeleitet, etwa BMEcat für die Weitergabe an  E-Commerce-Systeme oder ein internes ERP-Format.
  5. Reporting: Das System erstellt einen Bericht über  verarbeitete Datensätze, gefundene Fehler und nicht gemappte Felder,  damit Verantwortliche gezielt nacharbeiten können.

Für Unternehmen, die DATANORM-Daten von vielen verschiedenen  Lieferanten empfangen, lohnt sich der Aufbau eines zentralen  Onboarding-Prozesses. Dabei wird für jeden Lieferanten einmalig ein  Mapping konfiguriert, das anschließend bei jeder neuen Dateilieferung  automatisch angewendet wird. Das reduziert den manuellen Aufwand  erheblich und minimiert Fehler durch inkonsistente manuelle Eingriffe.

Wie Semaino bei der DATANORM-Verarbeitung unterstützt

Wir bei Semaino unterstützen Hersteller und Händler dabei,  DATANORM-Daten effizient zu verarbeiten, zu konvertieren und in ihre  bestehenden Systemlandschaften zu integrieren. Mit unserem ecatDesigner bieten wir eine Datendrehscheibe, die genau für diese Aufgaben entwickelt wurde.

Konkret unterstützen wir Sie bei folgenden Aufgaben:

  • Export und Validierung von DATANORM-Dateien in den Versionen 4 und 5
  • Regelbasiertes Mapping von DATANORM-Feldern auf interne PIM- oder ERP-Strukturen
  • Konvertierung von DATANORM in andere Formate wie BMEcat, GS1-XML oder lieferantenspezifische Formate
  • Automatisierte Verarbeitungsprozesse mit Reporting und E-Mail-Benachrichtigung bei Fehlern
  • Beratung zur Datenqualität und zur Optimierung Ihrer Stammdatenprozesse rund um den Produktdatenaustausch

Wenn Sie Ihre DATANORM-Prozesse automatisieren oder Ihre Produktdaten für neue digitale Kanäle aufbereiten möchten,  Sie  sprechen uns gerne  an. Wir helfen Ihnen, den richtigen Ansatz für Ihre Anforderungen zu  finden.

Ähnliche Artikel