Im B2B-Handel sind BMEcat, Datanorm, GS1/XML, FAB-DIS und ARGE/BMDG die am weitesten verbreiteten Produktdatenformate. Welches Format relevant ist, hängt von der Branche, dem Vertriebskanal und den Anforderungen der Handelspartner ab. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Produktdatenformate, Klassifikationen und den automatisierten elektronischen Datenaustausch im B2B.
Welche Produktdaten-Formate sind im B2B-Handel am weitesten verbreitet?
Die im B2B-Handel am weitesten verbreiteten Produktdatenformate sind BMEcat (branchenübergreifend), Datanorm (Elektro und SHK), GS1/XML (Konsumgüter und Lebensmittelhandel), FAB-DIS (Frankreich und internationale Märkte) sowie ARGE/BMDG /Open Data Check (Sanitär, Heizung, Klima, teilweise Elektro, im DACH-Raum). Jedes Format adressiert spezifische Branchen und Anforderungen.
Die Formatlandschaft im B2B ist historisch gewachsen und spiegelt die unterschiedlichen Anforderungen einzelner Branchen wider. Hier ein Überblick über die wichtigsten Formate:=
- BMEcat: XML-basiertes Standardformat für Katalogdaten, branchenübergreifend einsetzbar und aktuell in der Version BMEcat 2005.2 gültig. Es unterstützt den gesamten Beschaffungsvorgang und dient als Basis für viele branchenspezifische Ableitungen.
- Datanorm: Weit verbreitetes Format in der Elektro- und SHK-Branche, verfügbar in den Versionen 4 und 5.0. Es ist auf die Anforderungen des technischen Großhandels zugeschnitten.
- GS1/XML: Standard der GS1-Organisation, der insbesondere im Konsumgüterbereich und im Lebensmittelhandel eingesetzt wird. Er unterstützt auch den EANCOM-Nachrichtentyp PRICAT für Preiskataloge.
- FAB-DIS: Strukturiertes Excel-Format (XLSX) mit mehreren Tabellenblättern, primär für den französischen Markt, aber auch für internationale Hersteller relevant. Die aktuelle Version FAB-DIS 3.0 ist seit 2023 gültig und erstmals kostenpflichtig.
- ARGE/BMDG: Branchenspezifische Datenrichtlinie für die SHK-Branche im DACH-Raum, die eine Mitgliedschaft voraussetzt und jährlich aktualisiert wird.
- Open Datacheck: Austauschplattform für SHK und Elektro, auf Deutschland beschränkt und für Hersteller kostenpflichtig.
Hinzu kommen branchenspezifische Datenpools wie 2ba (BeNeLux, auf Basis von BMEcat 2005 mit ETIM-Spezifikation) und nexmart (Werkzeug und Zubehör) sowie Mercateo und Van Marcke (Belgien) die als regionale Verteilplattformen fungieren.
Was ist der Unterschied zwischen BMEcat und Datanorm?
Der wesentliche Unterschied zwischen BMEcat und Datanorm liegt in Struktur, Anwendungsbereich und technischer Basis. BMEcat ist ein XML-basiertes, branchenübergreifendes Format mit hoher Flexibilität für komplexe Katalogstrukturen. Datanorm ist ein älteres, textbasiertes Format (.csv), das speziell für den technischen Großhandel in der Elektro- und SHK-Branche entwickelt wurde.
BMEcat: flexibel und branchenübergreifend
BMEcat funktioniert wie ein Container: Das Format definiert allgemeine kaufmännische Merkmale, bildet interne und externe Produkthierarchien ab, referenziert externe Dokumente wie Bilder und PDFs und bietet einen Container für produktspezifische Merkmale. Eine hilfreiche Analogie: BMEcat ist wie ein LKW, der Klassifikationen als Ladung transportiert. Das Format kann mehrere Klassifikationen wie ECLASS oder ETIM gleichzeitig enthalten und ist damit sehr anpassungsfähig. Es eignet sich für Unternehmen, die Produktdaten an unterschiedliche Empfänger mit unterschiedlichen Anforderungen liefern müssen.
Datanorm: bewährt im technischen Großhandel
Datanorm wurde speziell für die Anforderungen des Elektro- und SHK-Großhandels entwickelt und ist in diesen Branchen seit Jahrzehnten etabliert. Die Stärke von Datanorm liegt in seiner Verbreitung und der tiefen Integration in die Warenwirtschaftssysteme des technischen Handels. Allerdings ist das Format weniger flexibel als BMEcat und unterstützt keine eingebetteten Klassifikationen in derselben Tiefe. Für Unternehmen, die ausschließlich im technischen Großhandel tätig sind, bleibt Datanorm ein wichtiger Standard.
Welche Rolle spielen ECLASS, ETIM und Proficl@ss bei Produktdaten?
ECLASS, ETIM und Proficl@ss sind Klassifikationssysteme, keine Übertragungsformate. Sie definieren, welche Merkmale ein Produkt haben muss und wie diese strukturiert sind. Übertragungsformate wie BMEcat transportieren diese Klassifikationsdaten, aber die Klassifikation selbst legt fest, welche Attribute in welcher Form beschrieben werden.
Klassifikationen lösen ein grundlegendes Problem: Unterschiedliche Produkte haben unterschiedliche Merkmale. Eine Holzschraube benötigt Angaben zu Kopflänge, Kopfform, Gewindedurchmesser und Werkstoff, während eine Leuchte ganz andere Attribute erfordert. Klassifikationssysteme strukturieren diese Merkmale nach Produktklassen und schaffen damit eine gemeinsame Sprache zwischen Herstellern und Händlern.
- ECLASS: Der einzige weltweit verbreitete Datenstandard für Waren und Dienstleistungen, der ISO/IEC-normkonform ist. Er ist branchenübergreifend einsetzbar, lizenzpflichtig und international verbreitet. Die aktuelle Version ist ECLASS 16.0.
- ETIM: International anerkannter Standard, der ursprünglich aus einer kleinen Gruppe von Elektrogroßhändlern entstanden ist. Heute nutzen weltweit mehr als 1.000 Hersteller den Standard, in Deutschland zählt ETIM über 260 Mitglieder. Die aktuelle Version ETIM 10.0 umfasst 5.640 Klassen und 17.377 Merkmale. ETIM ist kostenlos nutzbar und in über 20 Ländern verbreitet. Er wird primär in den Branchen Elektro, SHK und TGA eingesetzt.
- Proficl@ss: Klassifikationsstandard mit Schwerpunkt im Baustoffbereich, der ebenfalls in Kombination mit BMEcat eingesetzt wird. Proficl@ss ist allerdings nach Version 7 in ETIM aufgegangen und spielt keine allzugroße Rolle mehr.
Für die Praxis bedeutet das: Ein Unternehmen muss nicht nur das richtige Übertragungsformat wählen, sondern auch die passende Klassifikation. FAB-DIS beispielsweise ist kein Klassifikationssystem, sondern ein Übertragungsformat, in das ETIM eingebettet werden kann.
Warum scheitern viele Unternehmen an der Ausleitung elektronischer Kataloge?
Viele Unternehmen scheitern deshalb, weil Produktdaten in internen Systemen nicht in der Struktur vorliegen, die externe Formate erfordern. Das Problem liegt selten am Format selbst, sondern an unvollständigen, inkonsistenten oder falsch strukturierten Ausgangsdaten sowie fehlendem Mapping-Know-how.
In der Praxis treten dabei regelmäßig folgende Schwierigkeiten auf:
- Fehlende oder unvollständige Produktdaten: Pflichtfelder eines Zielformats sind in der internen Datenbasis nicht vorhanden oder nur teilweise befüllt.
- Inkonsistente Datenstrukturen: Produktdaten werden in verschiedenen Systemen gepflegt, etwa ERP, PIM und Excel-Tabellen, was zu Redundanzen und Widersprüchen führt.
- Fehlendes Merkmal-Mapping: Interne Bezeichnungen für Produktmerkmale stimmen nicht mit den Anforderungen des Zielformats überein. Ein Merkmal, das intern „Breite“ heißt, muss möglicherweise auf ein ETIM-Merkmal mit einer spezifischen Kennung gemappt werden.
- Klassifikationswechsel: Wenn ein Handelspartner von ECLASS 9 auf ECLASS 10 wechselt, müssen alle Mappings überprüft und angepasst werden.
- Strenge Marktplatzanforderungen: Plattformen wie Amazon Business stellen sehr spezifische Anforderungen an Datenqualität und Attributstruktur. Wer die geforderten Attribute nicht schnell und korrekt liefern kann, bleibt diesen Kanälen verschlossen.
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen die Komplexität unterschätzen: Die einmalige Einrichtung von Strukturen und Mappings ist aufwendig, auch wenn der laufende Betrieb danach zur Routine wird. Wer diesen Aufwand mit manuell gepflegten Excel-Tabellen bewältigen möchte, riskiert Fehler, Verzögerungen und unnötigen Mehraufwand.
Wie funktioniert der automatisierte Austausch von Produktdaten?
Der automatisierte Austausch von Produktdaten funktioniert über einen strukturierten Prozess: Daten aus Quellsystemen wie PIM oder ERP werden importiert, auf das Zielformat gemappt, gegen die Anforderungen des Empfängers geprüft und anschließend automatisch ausgeliefert. Dieser Prozess kann zeit- oder ereignisgesteuert ablaufen.
Ein vollständiger automatisierter Datenaustausch umfasst typischerweise folgende Schritte:
- Datenimport: Aktuelle Produktdaten werden aus PIM-Systemen per API oder aus ERP-Systemen für kundenspezifische Preis- und Konditionsdaten importiert.
- Merkmal-Mapping: Quellmerkmale werden Zielmerkmalen zugeordnet. Dabei können Werte transformiert werden, etwa durch Präfixe, Suffixe oder Einheitenumrechnungen.
- Qualitätsprüfung: Das Ergebnis wird gegen die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Empfängers geprüft. Da verschiedene Datenempfänger unterschiedliche Anforderungen stellen, etwa unterschiedliche Feldlängen oder unterschiedliche Pflichtfelder, ist dieser Schritt für jeden Empfänger individuell.
- Reporting: Ein ausführlicher Report zeigt alle gefundenen Unregelmäßigkeiten und hilft dabei, Mapping-Fehler und Schwachstellen in den Datenquellen zu identifizieren.
- Auslieferung: Der fertige Katalog wird automatisch an den Empfänger ausgeliefert, ob an E-Commerce-Systeme, Portale, Datenpools oder Marktplätze.
Da viele Marktplätze und Shops heute eine tägliche Aktualisierung der Daten erwarten, ist die Automatisierung dieses Prozesses nicht optional, sondern notwendig. Früher waren ein bis zwei Kataloge pro Jahr oder ein gedruckter Katalog alle zwei Jahre ausreichend. Heute erfordert der digitale Handel eine deutlich höhere Austauschfrequenz.
Welches Format sollte ein B2B-Händler für neue Vertriebskanäle wählen?
Welches Produktdaten-Format ein B2B-Händler für neue Vertriebskanäle wählen sollte, hängt primär von Branche, Zielmarkt und den Anforderungen des jeweiligen Kanals ab. Es gibt kein universell richtiges Format, aber klare Orientierungspunkte für die Entscheidung.
Die folgende Übersicht hilft bei der Orientierung:
- Branchenübergreifende B2B-Marktplätze und E-Procurement: BMEcat 2005 ist der Standard der Wahl. Er wird von den meisten E-Procurement-Systemen und B2B-Marktplätzen wie Mercateo unterstützt.
- Elektro- und SHK-Großhandel (DACH): Datanorm 4 oder 5.0 sowie ARGE/BMDG***/Open Data Check*** sind hier relevant. Wer eine ETIM-Klassifikation einsetzen möchte, kombiniert ARGE/BMDG/Open Data check mit ETIM.
- Französischer Markt: FAB-DIS 3.0 ist für Hersteller und Händler, die auf den französischen Markt wollen, der relevante Standard in den Branchen Elektro, Sanitär, Heizung, Baustoffe und Werkzeuge.
- Amazon Business und vergleichbare Marktplätze: Diese Plattformen haben eigene, sehr spezifische Formatanforderungen. Eine direkte Anbindung erfordert die Fähigkeit, Produktdaten in das plattformspezifische Format zu konvertieren.
- BeNeLux-Markt: Der Datenpool 2ba, der eine Ableitung von BMEcat 2005 mit ETIM-Spezifikation nutzt, ist für Hersteller, Großhändler und Installateure in dieser Region relevant, ebenso Van Marcke in Belgien, dort jedoch ist eine spezifische Excel Datei nötig, um Daten konsistent anliefern zu können.
Wichtig: Die Wahl des Formats ist nur ein Teil der Aufgabe. Ebenso wichtig ist die Wahl der passenden Klassifikation. ETIM ist in über 20 Ländern verbreitet, was es für internationale Expansionen attraktiv macht. ECLASS bietet als ISO/IEC-normkonformer Standard eine breitere branchenübergreifende Abdeckung. Wer mehrere Vertriebskanäle gleichzeitig bedienen möchte, sollte von Anfang an eine zentrale Datenpflege in einem PIM-System, kombiniert mit einer Konvertierungslösung, einplanen, um die manuelle und fehleranfällige Aufbereitung für jeden Kanal zu vermeiden.
Wie Semaino bei Produktdaten-Formaten und elektronischem Datenaustausch unterstützt
Wir bei Semaino unterstützen B2B-Händler und Hersteller dabei, die Komplexität der Produktdatenformate systematisch zu beherrschen. Unser Ansatz verbindet Software mit konkretem Branchen-Know-how, damit Sie nicht nur das richtige Format wählen, sondern Ihre Daten auch zuverlässig und automatisiert darin ausliefern können.
Konkret bieten wir folgende Leistungen:
- Anbindung Ihrer Datenquellen (PIM, ERP) und Mapping auf Standards wie BMEcat, ECLASS, ETIM und Proficl@ss
- Unterstützung bei Versionswechseln, etwa von ECLASS 9 auf ECLASS 10, inklusive Anpassung aller bestehenden Mappings
- Anpassung von Katalogen an die spezifischen Anforderungen einzelner Kunden oder Marktplätze, inklusive Abstimmung und Tests mit Marktplatzbetreibern
- Automatisierte Katalogerstellung und -auslieferung an E-Commerce-Systeme, Portale, Datenpools und Marktplätze
- Beratung im Bereich Stammdatenmanagement: von der Analyse des Ist-Zustands über die Definition von Pflegeprozessen bis zur strategischen Planung der elektronischen Kommunikation mit Kunden- und Distributorensystemen
- Vollständige Übernahme der Kataloggenerierung für Unternehmen, die fehlendes internes Know-how durch Spezialisten ausgleichen möchten
Wenn Sie wissen möchten, welche Formate und Klassifikationen für Ihre Vertriebskanäle relevant sind und wie Sie den Datenaustausch mit Ihren Handelspartnern strukturieren, nehmen Sie gerne Kontakt auf.
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