Um Produktdaten nach ETIM zu klassifizieren, ordnen Sie jedes Produkt zunächst einer passenden ETIM-Klasse zu und befüllen anschließend die für diese Klasse definierten Merkmale mit konkreten Werten. Der Standard gibt dabei exakt vor, welche Attribute relevant sind und in welchem Format sie angegeben werden müssen. Die folgenden Abschnitte erklären, wie der Standard aufgebaut ist, welche Branchen er abdeckt, wie die Klassifizierung Schritt für Schritt abläuft und welche Werkzeuge dabei helfen.
Hinweis: Der kostenlose Zugriff auf das ETIM Classification Management Tool (CMT) ist so nicht mehr möglich. Es ist notwendig zumindest Fördermitglied bei ETIM zu sein, um einen dauerhaften Zugriff zu haben.
Was sind ETIM-Klassen und Merkmale?
ETIM-Klassen sind standardisierte Produktkategorien, denen ein Artikel eindeutig zugeordnet wird. Jede Klasse enthält eine festgelegte Menge an Merkmalen, also technischen Attributen wie Nennspannung, Schutzart oder Anschlussart, die für genau diesen Produkttyp relevant sind. Klassen und Merkmale bilden gemeinsam das strukturierte Raster, in das Produktdaten eingetragen werden.
ETIM steht für European Technical Information Model und ist ein international anerkannter Standard für den Produktdatentransfer. Er entstand ursprünglich aus einer kleinen Gruppe von Elektrogroßhändlern und hat sich zu einem der größten internationalen Verbände seiner Art entwickelt. In Deutschland zählt ETIM über 260 Mitglieder aus Herstellern und Händlern, weltweit nutzen mehr als 1.000 Hersteller den Standard.
Die aktuelle Version umfasst derzeit ca. 5.640 Klassen und 17.377 Merkmale(Stand 2026).
Jede Klasse trägt eine eindeutige Kennung, zum Beispiel EC002714 für eine bestimmte Leuchtenart. Die Merkmale innerhalb einer Klasse sind typisiert. Es gibt
- numerische Merkmalsinhalte mit oder ohne Einheiten
- logische Merkmalsinhalte (true/false)
- alphanumerische Merkmalsinhalteund
- Merkmale mit vordefinierten Wertelisten.
Diese Typisierung sorgt dafür, dass Daten maschinenlesbar und vergleichbar bleiben, unabhängig davon, welcher Hersteller oder Händler sie liefert.
Welche Branchen und Produktbereiche deckt ETIM ab?
ETIM deckt primär die Branchen Elektrotechnik, Sanitär-Heizung-Klima (SHK) sowie Baustoffe ab. Der Standard wurde ursprünglich für den Elektrobereich entwickelt, hat seinen Geltungsbereich aber kontinuierlich erweitert. Seit der Integration von Proficl@ss in ETIM 8.0 im Jahr 2020 ist auch der SHK-Bereich vollständig im Standard aufgegangen. Proficl@ss existiert seither nicht mehr als eigenständiger Standard.
Konkret klassifiziert ETIM Produkte aus folgenden Bereichen:
- Elektroinstallation und Gebäudetechnik (Kabel, Schalter, Leuchten, Antriebe)
- Heizung, Lüftung und Klimatechnik (Pumpen, Ventile, Heizkörper)
- Sanitärinstallation (Armaturen, Rohre, Fittings)
- Automatisierungstechnik und Industriekomponenten
- Baustoffe und Befestigungstechnik
Für Unternehmen, die in mehreren dieser Bereiche tätig sind, bietet ETIM den Vorteil, dass sie nur einen einzigen Klassifikationsstandard beherrschen müssen, um ihre gesamte Produktpalette strukturiert auszutauschen. Das vereinfacht sowohl das interne Datenmanagement als auch die Kommunikation mit Handelspartnern erheblich.
Wie läuft die ETIM-Klassifizierung von Produktdaten konkret ab?
Die ETIM-Klassifizierung läuft in drei aufeinanderfolgenden Schritten ab: Klasse auswählen, Merkmale befüllen, Daten validieren. Dieser Prozess wird für jedes Produkt oder jede Produktgruppe durchgeführt und bildet die Grundlage für den anschließenden Datenaustausch mit Handelspartnern oder Marktplätzen.
Schritt 1: Die passende ETIM-Klasse identifizieren
Zunächst suchen Sie in der ETIM-Klassifikationsdatenbank nach der Klasse, die Ihr Produkt am genauesten beschreibt. Die Suche erfolgt über Produktbezeichnungen, Synonyme oder Klassenkennungen. Wichtig ist, die Klasse zu wählen, die den Produkttyp am spezifischsten abbildet. Eine zu allgemeine Klasse führt dazu, dass relevante Merkmale fehlen und der Datensatz für Handelspartner unvollständig wirkt.
Schritt 2: Merkmale mit Werten befüllen
Sobald die Klasse feststeht, sehen Sie alle für diesen Produkttyp definierten Merkmale. Sie befüllen diese Merkmale mit den konkreten technischen Werten Ihres Produkts. Dabei müssen Sie die vorgegebenen Einheiten und Wertelisten einhalten. Ein Merkmal wie „Nennspannung“ erwartet beispielsweise einen numerischen Wert in Volt, keinen Freitext. Merkmale mit Wertelisten dürfen nur die vordefinierten Optionen enthalten. Dieses strikte Format ist der Kern des Standards: Es stellt sicher, dass Daten verschiedener Hersteller direkt vergleichbar sind.
Das erfordert eine hohe Granularität Ihrer Produktdaten, insbesondere für technische Werte.
Schritt 3: Vollständigkeit und Qualität prüfen
Nach dem Befüllen prüfen Sie, ob alle Pflichtmerkmale ausgefüllt sind und ob die eingetragenen Werte plausibel sind. Viele Handelspartner und Plattformen lehnen Datensätze ab, wenn Pflichtmerkmale fehlen oder Werte außerhalb des erlaubten Bereichs liegen. Eine systematische Qualitätsprüfung vor der Übertragung spart Rückfragen und Korrekturrunden.
Was ist der Unterschied zwischen ETIM und ECLASS?
ETIM und ECLASS sind zwei unterschiedliche Klassifikationsstandards, die verschiedene Schwerpunkte setzen und sich nicht gegenseitig ausschließen. ETIM ist stärker auf technische Produktmerkmale in den Branchen Elektro, SHK und Baustoffe fokussiert. ECLASS ist branchenübergreifender und der einzige weltweit verbreitete Datenstandard für Waren und Dienstleistungen, der ISO/IEC-normkonform ist.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:
- Branchenabdeckung: ETIM konzentriert sich auf Elektro, SHK und Baustoffe. ECLASS deckt nahezu alle Branchen ab, von der Chemie bis zur Medizintechnik.
- Verbreitung im Handel: Im deutschen und europäischen Elektro- und SHK-Handel ist ETIM der dominierende Standard. ECLASS ist stärker im Maschinen- und Anlagenbau sowie im Einkauf großer Industrieunternehmen verankert.
- Normkonformität: ECLASS ist ISO/IEC-normkonform. Jedes Jahr gibt es h ier eine neue Klassifikationsversion, ETIM folgt eigenen Versionierungszyklen, aktuell wird alle zwei Jahre eine neue Version veröffentlicht.
- Kooperation statt Konkurrenz: Beide Standards pflegen Mapping-Tabellen zueinander, sodass Unternehmen, die beide Standards bedienen müssen, Daten systematisch überführen können.
Welchen Standard Sie verwenden sollten, hängt von Ihren Handelspartnern ab. Wenn Ihre Kunden im Elektrogroßhandel oder SHK-Bereich tätig sind, ist ETIM in der Regel die erste Wahl. Wenn Sie Industriekunden oder internationale Einkaufsplattformen bedienen, kann ECLASS relevanter sein. In vielen Projekten ist die parallele Bedienung beider Standards notwendig.
Welche Werkzeuge unterstützen die ETIM-Klassifizierung?
Für die ETIM-Klassifizierung benötigen Sie Werkzeuge, die drei Aufgaben übernehmen: die Verwaltung der Produktstammdaten, das Mapping auf ETIM-Klassen und Merkmale sowie die Ausgabe in einem übertragbaren Format wie BMEcat. Ohne geeignete Software ist dieser Prozess bei größeren Produktportfolios nicht effizient handhabbar.
In der Praxis kommen folgende Werkzeugtypen zum Einsatz:
- PIM-System: Ein Product Information Management System ist das zentrale Repository, in dem Produktdaten gepflegt, strukturiert und verwaltet werden. Es stellt Vollständigkeit und Konsistenz der Stammdaten sicher, gibt Daten aber in der Regel nicht nativ in Branchenformate wie ETIM oder BMEcat aus.
- Datentransformationslösung: Ein spezialisiertes Transformationswerkzeug nimmt Daten aus PIM, ERP oder anderen Quellen entgegen und wandelt sie in die Formate und Klassifikationen um, die Kunden, Marktplätze oder Portale konkret benötigen. Es kann gleichzeitig an PIM und ERP angebunden sein: Technische Merkmale kommen aus dem PIM, kundenspezifische Preise aus dem ERP.
- ETIM-Klassifikationsdatenbank: Die offizielle ETIM-Datenbank stellt alle Klassen und Merkmale in maschinenlesbarer Form bereit und ist Grundlage für jedes Mapping.
Das Mapping selbst bezeichnet die Zuordnung interner Datenfelder aus Quellsystemen zu den Feldern des ETIM-Standards. Einmal erstellte Mappings lassen sich für verschiedene Empfänger wiederverwenden, müssen aber bei Versionswechseln des Standards überprüft und angepasst werden. Dieser Punkt wird in der Praxis oft unterschätzt.
Wie bleibt die ETIM-Klassifizierung bei neuen Versionen aktuell?
ETIM veröffentlicht regelmäßig neue Versionen, die bestehende Klassen überarbeiten, neue Klassen hinzufügen und Merkmale anpassen. Um bei Versionswechseln aktuell zu bleiben, müssen Unternehmen ihre bestehenden Mappings systematisch prüfen, geänderte Klassen und Merkmale identifizieren und ihre Produktdaten entsprechend aktualisieren. Ein einmaliges Mapping reicht langfristig nicht aus.
Konkret bedeutet das für Ihren Prozess:
- Versionsänderungen verfolgen: ETIM veröffentlicht Changelogs zu jeder neuen Version. Prüfen Sie, welche Klassen und Merkmale sich geändert haben, die für Ihr Produktportfolio relevant sind.
- Mappings überprüfen: Bestehende Mappings müssen auf Kompatibilität mit der neuen Version geprüft werden. Merkmale, die umbenannt, zusammengeführt oder entfernt wurden, erfordern manuelle Anpassungen.
- Produktdaten aktualisieren: Wenn neue Pflichtmerkmale hinzugekommen sind, müssen die entsprechenden Werte für betroffene Produkte nachgepflegt werden.
- Handelspartner informieren: Klären Sie mit Ihren Partnern, welche ETIM-Version sie akzeptieren. Nicht alle Empfänger wechseln gleichzeitig auf eine neue Version.
Unternehmen, die aktiv an der Normungsarbeit teilnehmen oder eng mit Organisationen zusammenarbeiten, die Standards mitgestalten, erfahren Versionsänderungen frühzeitig und können ihre Systeme proaktiv anpassen. Für alle anderen empfiehlt sich ein strukturierter Prozess, der Versionswechsel als wiederkehrende Aufgabe im Datenmanagement verankert.
Mit Semaino vom Rohdatenchaos zur normkonformen Katalogstruktur
Die ETIM-Klassifizierung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der technisches Know-how, geeignete Werkzeuge und ein klares Verständnis der eigenen Datenquellen erfordert. Wir bei Semaino begleiten Hersteller und Händler genau dabei, von der ersten Analyse bis zur automatisierten Ausgabe normkonformer Katalogdaten.
- Wir analysieren Ihre bestehenden Produktstammdaten und identifizieren Lücken gegenüber den ETIM-Anforderungen.
- Wir erstellen die Mappings von Ihren internen Datenfeldern auf ETIM-Klassen und Merkmale, inklusive notwendiger Datentransformationen.
- Mit dem ecatDesigner verbinden wir Ihre PIM- und ERP-Systeme und erzeugen vollständige, normkonforme Kataloge in Formaten wie BMEcat, die Ihre Handelspartner direkt verarbeiten können.
- Wir unterstützen Sie beim Versionswechsel: Wenn ETIM eine neue Version veröffentlicht, prüfen wir Ihre Mappings und passen sie an, damit Ihre Daten aktuell bleiben.
- Da wir aktiv an nationalen und internationalen Normungsprozessen mitwirken, erfahren wir Änderungen frühzeitig und geben dieses Wissen direkt an Sie weiter.
Wenn Sie Ihre Produktdaten strukturiert nach ETIM klassifizieren und automatisiert an Ihre Partner übertragen möchten, sprechen Sie uns an. Wir helfen Ihnen, den richtigen Einstieg zu finden und einen nachhaltigen Prozess aufzubauen. Nehmen Sie gerne Kontakt auf.
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