Wer Produktdaten im B2B-Umfeld austauscht, begegnet früher oder später zwei Namen: ETIM xChange und BMEcat. Beide spielen eine wichtige Rolle im elektronischen Produktdatenaustausch, verfolgen jedoch unterschiedliche Ansätze und decken unterschiedliche Anforderungen ab. Dieser Artikel erklärt, was hinter den beiden Formaten steckt, wie sie technisch funktionieren, für welche Branchen sie geeignet sind und wie Sie die richtige Wahl für Ihr Unternehmen treffen.
Das Verständnis dieser Formate beginnt mit einer wichtigen Grundunterscheidung: Ein Datenformat regelt, wie Informationen strukturiert übertragen werden. Ein Klassifikationsstandard regelt, was diese Informationen inhaltlich bedeuten. ETIM xChange und BMEcat bewegen sich in diesem Spannungsfeld auf unterschiedliche Weise.
Was sind ETIM xChange und BMEcat?
BMEcat ist ein XML-basiertes Übertragungsformat für elektronische Produktkataloge. Es wurde vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) e.V. gemeinsam mit Industrieunternehmen und Forschungsinstituten entwickelt und ist kostenlos nutzbar. BMEcat definiert, wie Produktdaten strukturiert in einer Datei übertragen werden: von Artikelnummern und Produktbeschreibungen über Preise und Lieferbedingungen bis hin zu Bildreferenzen und Klassifikationsdaten. Wichtig zu verstehen ist, dass BMEcat selbst keine inhaltliche Klassifikation der Produkte vornimmt. Für die Klassifikation werden Standards wie ECLASS oder ETIM in den BMEcat-Katalog eingebettet.
ETIM xChange ist ein Datenformat, das speziell von der ETIM-Organisation entwickelt wurde, um (nicht nur) ETIM-klassifizierte Produktdaten zu übertragen. ETIM steht für European Technical Information Model und ist ein Klassifikationsstandard, der sich auf technische Produktmerkmale konzentriert, insbesondere in der Elektro-, Installations- und Haustechnikbranche. ETIM xChange ist gewissermaßen das eigene Trägerformat dieser Klassifikation: Es bringt die ETIM-Merkmale und -Werte in eine standardisierte Übertragungsstruktur. Gleichzeitig ist ein weiterer Aspekt, das mittlerweile nicht mehr zeitgemäßen BMEcat-Format abzulösen.
Ein häufiges Missverständnis lohnt es sich, hier direkt zu klären: ETIM selbst empfiehlt BMEcat als Standard-Übertragungsformat für ETIM-klassifizierte Daten. Das bedeutet, ETIM xChange und BMEcat sind keine vollständigen Gegensätze, sondern erfüllen in bestimmten Kontexten ähnliche Aufgaben auf unterschiedlichen Wegen.
Wie funktionieren die beiden Formate technisch?
BMEcat: Struktur und Versionen
BMEcat basiert auf XML und definiert eine hierarchische Katalogstruktur. Es gibt zwei relevante Hauptversionen: BMEcat 1.2 ist die ältere, weit verbreitete Version, die in vielen bestehenden Systemen noch im Einsatz ist. BMEcat 2005 (auch als 2005.2 bekannt) ist die aktuelle Version.
Ein BMEcat-Katalog enthält typischerweise folgende Datenfelder:
- Artikelnummern und Produktbeschreibungen
- Technische Merkmale
- Preise und Lieferbedingungen
- Bildreferenzen und Mediendaten
- Klassifikationsdaten (z.B. ECLASS und/oder ETIM als eingebettete Klassifikation)
Die Stärke von BMEcat liegt in seiner Flexibilität: Es kann Klassifikationsdaten verschiedener Standards aufnehmen und ist damit branchenübergreifend einsetzbar.
ETIM xChange: Format mit eingebetteter Klassifikationslogik
ETIM xChange ist ebenfalls XML-basiert, aber stärker auf die spezifische Datenstruktur der ETIM-Klassifikation ausgerichtet. Es bildet die ETIM-Produktklassen, Merkmale und zulässigen Werte direkt in der Formatstruktur ab. Das bedeutet: Wer ETIM xChange nutzt, arbeitet mit einem Format, das von Anfang an auf die technischen Merkmalsstrukturen der ETIM-Welt zugeschnitten ist.
Für Unternehmen, die ausschließlich im ETIM-Ökosystem arbeiten, bietet ETIM xChange den Vorteil, dass die Klassifikationslogik bereits im Format verankert ist. Es sind keine zusätzlichen Einbettungsschritte notwendig, wie sie bei BMEcat mit eingebetteter ETIM-Klassifikation anfallen.
Welche Branchen und Anwendungsfälle passen zu welchem Format?
Die Wahl des richtigen Formats hängt stark von der Branche und den Handelspartnern ab, mit denen Sie Produktdaten austauschen.
BMEcat: Branchenübergreifend und weit verbreitet
BMEcat ist besonders stark im deutschsprachigen Raum verbreitet und wird branchenübergreifend eingesetzt. Typische Nutzer sind Hersteller, Großhändler, E-Procurement-Systeme und Online-Marktplätze. Wenn Ihre Handelspartner unterschiedliche Klassifikationsstandards verwenden oder wenn Sie Produktdaten an verschiedene Empfänger mit unterschiedlichen Anforderungen liefern müssen, ist BMEcat die flexiblere Wahl.
Konkrete Anwendungsfälle für BMEcat:
- Lieferung von Produktkatalogen an Großhändler und Distributoren
- Anbindung an E-Procurement-Systeme wie Jaggaer
- Bereitstellung von Katalogdaten für Online-Marktplätze
- Austausch von Produktdaten mit Partnern, die ECLASS oder ETIM als Klassifikation nutzen
ETIM xChange: Spezialisiert auf technische Produktbranchen
ETIM xChange ist die bevorzugte Wahl in Branchen, in denen ETIM als Klassifikationsstandard dominiert. Das betrifft vor allem die Elektrotechnik, Gebäudetechnik, Sanitär- und Heizungsbranche sowie die Installationstechnik. Hinweis: Proficl@ss, ein früherer Klassifikationsstandard für den SHK-Bereich, spielt kaum noch eine Rolle, weil er 2020 im ETIM-Standard aufgegangen ist.
ETIM xChange eignet sich besonders, wenn:
- Alle relevanten Handelspartner im ETIM-Ökosystem arbeiten
- Technische Produktmerkmale im Vordergrund stehen
- Die Datenübertragung über Plattformen erfolgt, die ETIM xChange unterstützen
Stärken und Schwächen beider Formate im direkten Vergleich
Aufbauend auf dem Verständnis der technischen Funktionsweise und der typischen Anwendungsfälle lassen sich die Stärken und Schwächen beider Formate klar gegenüberstellen.
BMEcat: Stärken und Schwächen
Stärken:
- Breite Akzeptanz im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus
- Flexibel: unterstützt verschiedene Klassifikationsstandards (ECLASS, ETIM, Proficl@ss)
- Kostenlos nutzbar, gut dokumentiert
- Unterstützung durch die meisten Datenaustauschplattformen
Schwächen:
- Die Einbettung von Klassifikationsdaten erfordert zusätzliche Konfiguration
- Ohne eingebettete Klassifikation fehlt die inhaltliche Standardisierung der Produktmerkmale
- Ältere Systeme arbeiten noch mit BMEcat 1.2, was zu Kompatibilitätsproblemen führen kann
ETIM xChange: Stärken und Schwächen
Stärken:
- Klassifikationslogik direkt im Format verankert, kein separater Einbettungsschritt nötig
- Optimiert für technische Produktmerkmale in ETIM-Branchen
- Klare Struktur für Empfänger, die ETIM-Daten verarbeiten
Schwächen:
- Geringere Verbreitung außerhalb der ETIM-Kernbranchen
- Weniger flexibel bei branchenübergreifenden Anforderungen
- Nicht alle Handelspartner und Systeme unterstützen ETIM xChange nativ
Welches Format ist das richtige für Ihr Unternehmen?
Die Antwort auf diese Frage hängt von drei zentralen Faktoren ab: Ihrer Branche, Ihren Handelspartnern und Ihrer internen Systemlandschaft.
Wenn Sie in der Elektro-, Gebäude- oder Haustechnikbranche tätig sind und Ihre Handelspartner konsequent mit ETIM-Klassifikation arbeiten, ist ETIM xChange eine sinnvolle Wahl. Es reduziert den Konfigurationsaufwand und stellt sicher, dass die technischen Merkmale Ihrer Produkte korrekt und vollständig übertragen werden.
Wenn Sie hingegen Produktdaten an ein breites Spektrum von Empfängern liefern, unterschiedliche Klassifikationsstandards bedienen oder in Branchen tätig sind, in denen BMEcat der etablierte Standard ist, sollten Sie BMEcat bevorzugen. Die Flexibilität und die breite Systemunterstützung machen BMEcat zur robusteren Wahl für viele B2B-Handelsunternehmen.
In der Praxis schließen sich beide Formate nicht aus. Viele Unternehmen nutzen BMEcat als primäres Übertragungsformat und betten ETIM-Klassifikationsdaten ein, genau so, wie es die ETIM-Organisation selbst empfiehlt. Entscheidend ist, dass Sie die Anforderungen Ihrer Handelspartner kennen und Ihre Datenprozesse so aufstellen, dass Sie flexibel auf unterschiedliche Formatanforderungen reagieren können.
Folgende Fragen helfen Ihnen bei der Entscheidung:
- Welche Formate verlangen Ihre wichtigsten Handelspartner und Abnehmer?
- Welche Klassifikationsstandards sind in Ihrer Branche dominant?
- Unterstützt Ihr PIM-System oder Ihre Datenaustauschplattform beide Formate?
- Müssen Sie Produktdaten an mehrere Empfänger mit unterschiedlichen Anforderungen liefern?
Wer diese Fragen beantwortet hat, trifft eine fundierte Formatentscheidung, die nicht nur technisch korrekt ist, sondern auch langfristig tragfähig bleibt.
Mit Semaino den richtigen Weg im Produktdatenaustausch finden
Die Wahl zwischen ETIM xChange und BMEcat ist selten eine rein technische Entscheidung. Sie hängt von Branchenanforderungen, Partnernetzwerken und internen Datenprozessen ab. Wir unterstützen Hersteller und Händler dabei, diese Komplexität zu bewältigen und Produktdaten in den richtigen Formaten an die richtigen Empfänger zu liefern.
- Unser ecatDesigner ermöglicht die Umsetzung von Produktdaten in unterschiedliche Formate und Klassifikationen, darunter BMEcat, ETIM xChange und weitere gängige Standards
- Wir unterstützen Sie bei der Analyse Ihrer aktuellen Datenprozesse und der Definition eines Soll-Zustands, der zu Ihren Handelspartnern passt
- Durch unsere aktive Mitarbeit in nationalen und internationalen Normungsgremien sind unsere Lösungen immer auf dem aktuellen Stand der relevanten Standards
- Wir begleiten Sie von der Datenaufbereitung bis zur vollständigen Katalogerstellung, auch wenn internes Know-how fehlt
Wenn Sie wissen möchten, welches Format für Ihre spezifische Situation am besten geeignet ist, stehen wir Ihnen gerne für ein Beratungsgespräch zur Verfügung.
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